Pflegeeltern werden - Erfahrungen?

  • Hallo liebe Raben,


    wir überlegen nun schon seit ner Weile, ob wir nicht ein Pflegekind zu uns nehmen möchten, wenn unsere 2 ein wenig größer sind und wir mit Ausbau unseres großen Hauses weiter sind.
    Beim Jugendamt möchte ich mich auch noch informieren, hab da aber vorhin keinen erreicht und dann hatte heut nachmittag meine Große ein kleines Tief, weil sie totmüde war und nicht schlafen wollte....


    Gibt es hier Pflegeeltern?
    Habt ihr Erfahrungsberichte für mich?
    Wie läuft das ab?
    Wie klappt das mit euren eigenen Kindern? Sind die Eifersüchtig?
    Kann man ein Pflegekind genauso annehmen und lieben wie ein eigenes?
    Würdet ihr es wieder tun?


    Noch ist es ein Gedanke, nichts konkretes, aber er wird immer präsenter...


    Liebe Grüße
    Elfenstaub

    #rose


    Elfenstaub ('82) mit Schatz ('65), Maus (03/06) und Hummel (11/07)

  • Ich bin zwar keine Pflegemutter, aber die Tagesmutter meiner Tochter ist seit 23 Jahren Pflegemutter.
    Ich finde das toll, weiß aber nicht, ob ich das könnte, denn:
    1. du hast fast nur Pflichten, kaum Rechte: Du versorgst und erziehst die Kinder, aber die leiblichen Eltern können noch sehr viel bestimmen und auch unter bestimmten Bedingungen ihr Kind "zurückfordern"; konkret: du versorgst jahrelang ein Kind, gehst zu Elternsprechtagen etc. und wirst, wenn irgendetwas schiefläuft, von den leiblichen Eltern auch noch beschuldigt....
    2. du bist immer quasi unter Aufsicht (ist ja auch richtig, könnte aber auch stören...)
    3. du kriegst natürlich schwierige KInder aud kaputten Familien...


    Wenn du das machen willst, ICH FINDE DAS TOLL, aber es ist mit Sicherheit kein sog. "dankbarer Job".


    Also, wenn du viel Geduld, Liebe, Aufmerksamkeit zu geben hast, gut im organisieren bist und gut (diplomatisch...) reden kannst, dich in unverhofften, schwierigen Situationen nicht ins Bockshorn jagen lässt, kurz: Du (und dein Mann!!!) mit beiden Beinen im Leben stehst: MACH´S!!!


    Ich glaube, gute Pflegeeltern werden immer gebraucht!!!


    edit:wg RS

  • hallo gisasz,
    ich geh auch nicht davon aus, daß es einfach ist, und ein "dankbarer job".
    ich, bzw wir natürlich, mögen kinder einfach total gerne und haben mit unseren beiden schon sehr viel spaß.
    daß man eine recht "offene familie" wird hatte ich im netz auch schon gelesen. ist ja letztendlich auch gut, wenn das JA die Pflegefamilen im auge behält. nicht daß es vom regen in die traufe geht...
    und daß die kinder die erste zeit auch heimweh haben, egal was sie erlebt haben, weil sie ja nichts anderes kennen...
    daß das kind evtl auch wieder zurückgeht und man sich dann wieder von ihm trennen muss.


    nein, daß es leicht würde glaub ich nicht. aber vielleicht hilft man dem kind oder auch seiner ganzen familie damit. daß es lernt, daß es auch anders geht. die eltern entlastet werden, vielleicht ihr leben versuchen auf die reihe zu kriegen.


    und mir geht es oft so, wenn ich im fernsehen von kindesmißhandlungen und so lese, daß ich denke, "mensch, kann man da denn gar nichts tun". und vielleicht wäre es ja ein wenig was "tun" wenn man einen pflegeplatz bieten würde.
    daß einem kind, daß schlimmes erlebt hat, erspart bleibt ins heim zu müssen.


    ich kann das gar noch gar nicht so richtig in worte fassen, was mir momentan dabei so alles durch den kopf geht.
    deshalb würd ich mich auch sehr über weitere erfahrungsberichte freuen oder auch gedanken allgemein dazu


    LG, Elfenstaub

    #rose


    Elfenstaub ('82) mit Schatz ('65), Maus (03/06) und Hummel (11/07)

  • Hmm,
    ganz so wie gisasz es so beschreibt ist es ja nun nicht.


    Wir haben 2 Pflegekinder.
    Eins schon seit 2005, das andere seit 2007.
    Klar gibt es Probleme, aber nichts was sich nicht lösen lässt.


    Zurückfordern von Eltern geht ja nun so einfach auch nicht.


    Ich würd es immer wieder machen.


    Du kannst uns gern mal kontaktieren wenn du möchtest.


    LG


    Carla

  • ich wollt Dir auch gerade raten, Dich mal mit jemand zu treffen, der Pflegekinder hat. ich habe selbst vor einigen Jahren mit viel Engagement ein Pflegekind betreut und bin total an meine Grenzen gekommen. Meine Schwester hat 4 Pflegekinder und ist voll in ihrem Element. Eines davon ist schwerstbehindert. Sie ist einfach dazu geboren. Was bei uns schief lief, das weiß ich heute auch. Wir hatten z.B. ein Pflegekind im gleichen Alter (2 1/2) und auch noch mit dem gleichen Vornamen wie unser Jüngster, außerdem sollte ich entscheiden, ob die Eltern das Kind an den Besuchstagen mitnehmen dürfen oder nicht, wenn sie nüchtern waren, dann sollte ich ihn "rausgeben". (Die Eltern waren etwa 10 Jahre älter als ich und beide Alkoholiker, sie sollten zu einer Entgiftung während der Kleine bei uns war, die sie aber nie antraten.) Das waren lauter Dinge, mit denen ich überfordert war, auch dass das Kind schon eine Menge Defizite hatte und besondere Unterstützung benötigte hatte ich mir so vorher nicht klar gemacht. Im Nachhinein glaube ich, dass die Frau vom Jugendamt dringend Jemand brauchte und deshalb auch nicht erst mal sortierte oder schaute, ob dieses Kind auch in diese Familie passt. Das ging einer anderen Familie hier im Ort auch nochmal so. Es liegt sicher immer mit an der Kompetenz der Leute vom JA. Bei meiner Schwester läuft das richtig gut. Den Kindern kann man nichts Besseres wünschen, als in so einer Familie aufzuwachsen. Meine Schwester und mein Schwager haben 7 eigene Kinder im Alter von 30-18 Jahren und jetzt noch die vier Kleinen, der Behinderte ist 16, aber von der Entwicklung her wie 2, die anderen sind 10, 9 und 3 Jahre. Meine Schwester und mein Schwager sind irgendwie dafür "geboren", solche Kinder geduldig und liebevoll zu begleiten.
    Ich glaube, ich habe damals in meinem Eifer, helfen zu wollen, auch meine eigenen Kräfte überschätzt. Ein Pflegekind ist meistens ein Kind mit solchen Defiziten, die sich "rabig" erziehende und erzogene Eltern selten so vorstellen können. Zumindest war das mein Problem.
    Außerdem würde ich nur ein Kind aufnehmen, was deutlich jünger als mein eigenes jüngstes Kind ist, denn ein solches Kind braucht es, sehr bemuttert zu werden, das ist natürlich in einer Familie mit großen Geschwistern wesentlich einfacher. Die Großen bemuttern dann oft einfach mit.
    Dann würde ich dafür sorgen, dass die erste Zeit ein festes Besuchsrecht festgelegt wird und wirklich lieber vom JA jemand dabei ist oder die Treffen erst mal dort stattfinden.
    Bei uns war es so, dass die Eltern den Kleinen am WE holen durften. Dann sind wir einmal weggefahren und als wir wieder nach Hause kamen, hatten die Eltern das Kind bei unseren Nachbarn abgegeben weil wir nicht da waren. Sie hatten den Kleinen "satt" und meinten, wir könnten ihn ja wieder nehmen. Weil wir nun nicht da waren, klingelten sie bei den Nachbarn und gaben das Kind dort einfach ab.
    Solche Episoden erlebt man da unter Umständen. Ich glaube, ich bin damals zu blauäugig da rein geschlittert. Aber das heißt keinesfalls, dass es bei Anderen nicht doch klappt. Man muss sich nur richtig informieren vorher und seine eigenen Kräfte möglichst gut einschätzen können. Ich wünsch Euch viel Glück und dass es Euch von Anfang an gut geht mit der Entscheidung für ein Pflegekind und dass Ihr die nötige Hilfe und Unterstützung bekommt.
    LG
    Doula

    LG
    Doula


    Der Mensch zu werden, zu dem ich geschaffen bin - das ist meine Lebensaufgabe!

    Ingrid Trobisch

  • Carla67
    danke für dein Angebot dich zu kontaktieren!


    Doula1963
    Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht!


    johanna
    danke für den Link!



    So, ich hatte heute morgen ein sehr nettes Gespräch mit der zuständigen Dame vom Jugendamt. War echt sehr informativ.
    Sie hat dann auch vorgeschlagen, wenn unsere Kleine 1 1/2 bis 2 Jahre alt ist den Infoabend, ein ausfürliches Gespräch, sowie ggf das Bewerberseminar zu machen.
    Denn das Pflegekind sollte in der Geschwisterfolge dann ja das jüngste sein und mindestens ein Jahr Abstand zum jüngsten Eigenen haben.
    Bis dahin werden wir noch ein wenig Infos sammeln, das Haus weiter ausbauen, so daß dann auch genug Platz ist und uns noch ein Paar Gedanken machen :)


    Aber grundsätzlich können wir uns ganz gut vorstellen, ein Pflegeltern zu werden.
    Mal schauen, was die Zukunft bringt!


    Liebe Grüße
    Elfenstaub

    #rose


    Elfenstaub ('82) mit Schatz ('65), Maus (03/06) und Hummel (11/07)

  • Hallo Elfenstaub,


    ich finde es toll, dass ihr euch interessiert Pflegeltern zu werden.
    Den ersten Schritt habt ihr ja schon getan, euch beim Jugendamt informiert.


    Wir selbst machen Kurzzeitpflege, das ist eine besondere Form der Vollzeitpflege. Wir nehmen Kinder auf, die vom Jugendamt Inobhut genommen werden und betreuen sie, bis sie entweder zu ihren Eltern zurück können oder in eine Dauerpflegefamilie wechseln...


    Welche Form der Vollzeitpflege für eine Familie in Frage kommt, muß jede Familie sehr gründlich und genau für sich überlegen.


    Es gibt auch bei der Dauerpflege Pflegeverhältnisse, die wirklich "auf Dauer sind" und Situationen, wo die Dauer des Pflegeverhältnisses ungewiss sein kann.....


    Gut ist es, wenn ich euch soviel Infos wie möglich einholt:


    z.B. Bücher von Irmela Wiemann, Ratgeber Pflegekinder... (Sehr gut)
    Internet seiten wie z.B. http://www.pflegeelternforum.de/ etc.
    Infoabende und Seminare vom Jugendamt
    Kontakte mit Pflegefamilien in eurer Gegend


    Ich wünsche euch gute Entscheidungshilfen für euren Weg.......

    [b][size=10][color=indigo]Liebe Grüße Mokaja [size=10]

  • Hallo Mokaja,


    vielen Dank für den Buchtip! Und in dem Forum werd ich dann auch mal stöbern gehen!


    LG, Elfenstaub

    #rose


    Elfenstaub ('82) mit Schatz ('65), Maus (03/06) und Hummel (11/07)

  • ich muss den thead hier nochmal hochholen... gibt es hier noch mehr eltern die bereitschaftspflege / kurzzeitpflege (wie mokaja beschreibt) machen?


    mir spukt jetzt schon ein paar wochen die idee im kopf rum, eine kinderladenmama hier die ich kenne macht bereitschaftspflege udn wir haben und da schon öfters und auch länger unterhalten. im moment werden wohl händeringend bereitschaftseltern gesucht hier in der gegend. das jüngste eigene kind muss aber 3 jahre alt sein, würde bei uns also noch ein dreiviertel jahr dauern bis wir "antreten" könnten. ich stelle mir die aufgabe sehr schwierig vor, aber auch sehr erfüllend. da joshua im november schon in den kinderladen kommt bin ich nach einer aufgabe am suchen, entweden als tagesmutter "richtig" zu arbeiten und nicht nur auf 355 netto, oder eben so etwas wie ein pflegekind, da würde mir die bereitschaftspflege aber mehr zusagen als die dauerpflege. (befristeter zeitraum, reiner übergang bis das kind in die adoption / dauerpflege / zurück zur familie kann).


    bin jetzt grade auf verschiedenen seiten am suchen ob ich noch mehr zu dem thema finde und wollte einfach mal hören ob hier auch jemand dabei ist der bereitschaftspflege macht und wie bei euch die erfahrungen dazu sind...
    insbesondere wie die bindung von den kindern zu euch und umgekehrt ist...
    ob die kinder immer ruhigen gewissens wieder abgegeben werden können....
    welchen zeitraum bei euch die kurzzeitpflege umfasst, ob dieser zeitraum eingehalten wird...

    ... 12/2004 & 05/2006 & 01/2012 ...

  • Hallo,


    meine Eltern sind Pflegeeltern, ich bin also damit aufgewachsen. Als ich klein war hatten wir meistens Bereitsschaftspflegekinder (also welche die wieder gehen) in meinem Alter, auf die war nicht eifersüchtig. Die hatten auch ihre Bezugspersonen und kamen schliesslich auch wieder zurück in die Familien.


    Später hat meine Mutter drei Brüder einer alkoholkranken Mutter in Dauerpflege genommen. Die drei sind im Alter meiner zwei kleineren Geschwister und diese sind schon eifersüchtig. Die Kinder machen es ihnen aber auch schwer, weil sie sehr unsozial sind (zwei sind schwer geschädigt und Mehrbedarf).


    Der Grosse (fast 11) hat unter anderem schon die Schule angezündet (bzw. anzünden wollen, er kam nicht ber das Klassenzimmer hinaus) und letzte Woche hat er die Handbremse von einem am Berg parkendem Auto gelöst, dass dann 40 Meter den Berg runterrollte und drei Autos beschädigte. Drin sassen meine Schwester und mein einjähriger Neffe....Jetzt haben sich meine Eltern dazu entschlossen ihn nach drei Jahren wegzugeben, er ist einfach eine Gefahr für die leiblichen Kinder.


    Ich selbst möchte auch mal Pflegemutter werden. Aber nur Bereitsschaftspflegemutter.

  • Hallo,


    wir sind auch Bereitschaftspflegeeltern, - im Moment pausieren wir aber, da ich ss-bedingt nicht voll einsatzfähig bin.


    Bei Bereitschaftspflege kann es sein, das du innerhalb von 1-2h ein Kind(oder2) mehr in der Familie hast. Bereitschaftspflege heißt, das die Familie schnell bereit sein muß, ein Kind aufzunehmen, was aus der eigenen Familie raus muß. Meist kann das JA auch nicht genau sagen, wie lang das Kind "untergebracht" werden muß. Das kann 2 Tage sein oder auch ein paar Wochen...
    Bei der Bereitschaftspflege kannst du das Pflegekind davor nicht kennenlernen, du weißt meist nicht mehr, wie das Alter und den Namen des Kindes. Bei Dauerpflege wird davor viel mehr vom und mit dem JA abgeklärt, damit das Kind auch in die Pflegefamilie passt...



    Eifersüchtig waren meine Kids bis auf einmal nie. Da hatte unsere jüngste eine Phase, wo sie kein anderes Kind in Mamas Nähe dultete, was genau so alt war , wie sie. Ansonsten sind sie immer sehr rücksichtsvoll mit den Neuankömmlingen umgegangen.


    Es ist nicht immer leicht Bereitschaftspflegeeltern zu sein. Man bekommt die teilweise sehr verstörten Kids, macht einige schlaflose Nächte mit , spaziert mit ihnen Nachts durch die Wohnung um sie zu trösten, gibt ihnen Fläschchen und baut Vertrauen auf und muß sie dann zu den Eltern oder in eine Dauerpflegestelle "entlassen". Man muß sich darüber im klaren sein, das die Kinder ein schweres Säckchen Trauer, Angst, Enttäuschung und Wut mit sich bringen. Das sie anders sind, wie die eigenen Kinder und das sie nur kurz bei einen sein werden. Das man ihnen in dieser Zeit Liebe geben kann und hoffen darf, das sie in den Tagen, wo sie bei einem sind, ein bißchen Vertrauen in Eltern zurückbekommen...


    Achja, Tagesmutter zu sein ist viel einfacher, wie ne Bereitschaftpflegemutter zu sein. Die Tageskinder haben nämlich ein doch relativ geordnetes und geregeltes Elternhaus...


    LG

    Unsichtbar





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  • Bekannte von uns machen auch Bereitschaftspflege - z.T. auch bei Teenagerkindern, es sind ja nicht nur die Kleinen, die aus einer Familie rausmüssen......
    Und im Moment pausieren sie wohl auch, da die eigenen Kinder gesagt haben, dass es ihnen jetzt erst mal reicht. Ständig fremde Personen im Haus, an den eigenen Geburtstagsfeiern und letzten Winter war fast der Urlaub gefährdet, weil plötzlich ein Geschwisterpaar da war.......
    Diese Familie hat allerdings die in meinen Augen perfekte Haustür-Schloss-Lösung: ein Zahlenschloss, bei dem man die Kombination ändern kann. So kann, wenn dann die Pflegekinder (gerade Ältere) weg sind, einfach die Kombination geändert werden udn keiner kommt mehr unbefugt ins Haus. Mit dem Schlüssel ist das nämlich so ein Problem - und die Familie hat keine Lust, eines Tages in einer leeren Wohnung zu stehen, weil ein Ex-Pflegekind Geld brauchte.......
    Ich glaube, als Pflegeeltern braucht man gute Nerven und muss einges aushalten können, was das Pflegekind in seiner Familie erlebt hat. Ind trotzdem muss der Kontakt zu Famlie erhalten bleiben, denn deswegen ist es ja Pflege und keine Adoption.......


    Gruß, Merlin

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    Wenn ich mir einen Krankenwagen im Ballettröckchen tätowieren lasse, habe ich Tatütatatütütattoo! #blume
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  • meine mutter und ihr mann haben als erziehungsstelle auch pflegekinder aufgenommen - allerdings auf dauer, keine bereitschaft. klar gibt es auch gute erinnerungen - aber im großen und ganzen war es für mich eine negative erfahrung. meine mutter und ihr mann hatten erst drei jahre bevor die kids kamen, geheiratet und wir waren gerade irgendwie ein familien-system geworden - da wurden wir durch die belastung durch die kids auch schon wieder vollkommen auseinander gerissen. familienleben war im prinzip nicht mehr möglich. mutter und mann waren zt vollkommen überfordert, obwohl beide aus dem pädagogischen bereich kamen und schon sehr viel erfahrung im bereich der kinder- und jugendhilfe hatten. sie hätten viel früher reagieren und dem ganzen viellleicht ein ende machen müssen - haben sie aber nicht geschafft. und es ist ja auch wirklich immer eine extrem schwierige entscheidung, die kinder dann auch wieder abzugeben.
    ich habe mir damals sehr geschworen, ich würde so etwas niemals meinen eigenen kindern antun - dieser ständig ausnahmezustand, immer offenes haus für usprungseltern, jugendamt, therapeuten etc..., nie die sicherheit, dass der geplante urlaub auch wirklich statt findet bzw dass weihnachten auch wirklich gefeiert werden kann etc...
    dann bin ich ja selber in eine geschichte reingerutscht und hatte pflegetöchter bei mir, bevor ich überhaupt eigene kinder hatte - es war auch nochmal eine erfahrung für sich - die ganze prozedur sozusagen nun nochmal aus der elternperspektive mitzumachen. als das lini dann anderthalb war, habe ich mich dafür entschieden, die kinder abzugeben - weil ich es alleine mit den kids nicht geschafft habe und weil ich das gefühl hatte, dass ich da einfach schon zu viele negative erfahrungen im bereich pflegekinderwesen gemacht habe, um ohne vorbehalte die kinder die nächsten jahre begleiten zu können... jetzt leben sie in zwei verschiedenen anderen pflegefamilien - wir haben regelmäßig kontakt, aber es fällt mir nicht leicht. die kinder haben mechanismen, um schmerz und trauer über all die verluste (leibliche eltern, mich als ehemalige pflegemama...) nicht wahrnehmen zu müssen und das leben irgendwie hinzukriegen, was dazu führt, dass sie mir gegenüber oft sehr emotionslos sind. mir tut das oft sehr weh und ich empfinde die telefonate und besuche auf der einen seite als gut, um zu sehen, ob und dass es ihnen gut geht und gleichzeitig als sehr belastend, weil ich all meine trauer über den verlust, meine gefühle bezüglich meiner entscheidung der weggabe und auch meine manchmal aufkeimende sehnsucht nach den kindern vollkommen in den hintergrund stellen muss... das ist nicht leicht!
    ich bewundere menschen, die überzeugte pflegeeltern sind und ihren familienalltag so hinkriegen, dass niemand drunter leidet, bzw dass die positiven aspekte für alle beteiligten überwiegen. habe aber den eindruck auch aus vielen anderen bekannten pflegefamilien, dass das eine sehr harte aufgabe ist, die eine extrem intakte familie und eine wahnsinnige konfliktoffenheit und reflexion bezüglich der lebenssituation voraus setzt! und - um es sehr hart zu sagen - die sehr oft scheitert, ohne dass es die beteiligten eigentlich wirklich mitkriegen oder wahrhaben wollen!
    also viel erfolg bei eurer "familien-planung" und augen auf bezüglich innerer konflikte und eventueller grenzen!!