Angst vor sexuellem Mißbrauch

  • Hallo,



    Ich weiß nicht ob ich hier im Forum an richtiger Stelle bin, aber ich versuche es einfach mal mein Problem zu schildern. Vielleicht könnt ihr mir ja helfen.


    Seit meine Tochter auf der Welt ist tritt bei mir ein altes Problem immer mehr in den Vordergrund. Ich habe Angst, dass meine Tochter sexuell missbraucht wird. Diese Angst geht bereits so weit, dass es mich teilweisen schon im täglichen Leben und in meiner Entscheidungsfähigkeit einschränkt. Alle Männer die meine Tochter berühren, angucken oder gar auf den Schoß nehmen sind für mich potenzielle Täter. Inclusive mein Mann und mein Vater. Ich kann es bspw. nicht unbedingt leiden, wenn mein Mann meine Tochter badet. Ich schaue dann genauestens auf seine Hände um zu sehen an welchen Körperstellen sie sich befinden. Hinzu kommt, dass ich eine sehr starke Sehbehinderung habe und oft nicht richtig erkennen kann wo sie sich befinden. Dadurch bringt das strenge beobachten auch keine Beruhigung für mich. Auch wenn mein Vater meine Tochter auf dem Schoß hat bin ich peinlich genau dabei zu beobachten was er tut und wo er sie anfasst. Auch in vielen Entscheidung beziehe ich die Möglichkeit des sexuellen Missrauchs mit ein. Beispielsweise in der Kindergartenwahl schaue ich erst darauf ob es einen männlichen Mitarbeiter gibt oder einen Hausmeister etc. Das Problem wird immer schlimmer zumal ich nicht einmal meinem Mann vertraue. Ich hatte ihn bereits versucht an zu sprechen dass ich Angst habe dass er unsere Tochter mal anfässt. Er reagierte darauf aber so empört dass ich das Problem unter den Tisch fallen ließ und es seit dem in mich rein fresse. Ich konnte ja auch irgendwo verstehen dass er so reagiert. Schließlich habe ich ihm da eine harte Nuss unterstellt. Ich muss dazu noch erzählen, dass ich als Kind selbst sexuell missbraucht worden bin. Es war mein Onkel, für mich als Kind ein sehr netter Mensch. Ich habe ihn geliebt weil er immer freundlich zu mir war, was ich von meinen Eltern bspw. nicht kannte. Ich kann mich an drei Situationen erinnern. Einmal saßen wir mit der Mutter Oma und Opa im Wohnzimmer meiner Großeltern und er saß mit mir vor dem Fernseher. Er hatte seien Hand in meinr Hose und versuchte mit dem Finger in mich ein zu dringen. Keiner hat es gesehen weder meine Muttern noch meine Oma oder Opa. Das zweite mal war ein Mittagschlaf mit ihm zusammen, dort überredete er mich so lange bis ich ihm einen runtergeholt habe. Das dritte mal fand auf einer Botsfahrt statt. Er fuhr ins Schilf wo uns keiner sah und ich sollte ihn überall anfassen. Er bläute mir immer wieder ein, dass dies unser großes Geheimnis sei und ich das niemandem erzählen dürfte, was ich auch vorerst nicht tat. So lange bis sich meine Tante von ihm trennte. In meinen kindlichen Gedanken verriet ich das große Geheimnis meiner Cousine und der Stein kam ins rollen. Es machte die Runde und kam dann auch bei meinen Eltern an. Ich schämte mich als Kind so sehr dafür dass ich auch auf nachfragen meiner Eltern nichts mehr erzählte. Meine Eltern nahmen damals Kontakt mit der Polizei und einer dortigen Psychologin auf die ihnen riet es nicht zur Anzeige kommen zu lassen sonder alles unter den Tisch fallen zu lassen. Und so geschah es dann auch. Irgendwann im Jugendalter begriff ich dann erst was da wirklich passiert war, weil ich in Zeitungen las das so etwas nicht in Ordnung war.


    Ich schleppe diese Sache seitdem geschehen mit mir rum. Nie habe ich mit jemandem darüber reden können und selbst jetzt kommen mir die Tränen beim schreiben. Ich dachte ich vergesse es und konnte nie abschätzen dass es auch zu Problemen im täglichen Leben führen kann. Ich sehe aber jetzt dass das Problem immer weiter in den Vordergrund tritt und mich extrem belastet. Ich traue mich auch nicht zu einem Psychologen zu gehen, weil ich dort bisher schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich habe bereits 3 x versucht das Problem in Angriff zu nehmen aber nie wirklich Hilfe erhalten. Von einem wurden mir Medikamente verschrieben. Tavor für die Nacht zum schlafen und für den Tag bekam ich Antidepressive (Remergil) und den Stimmungsaufheller (Trevilor). Bei einem anderen wurde mir gesagt ich müsse meinem Onkel verzeigen. Und beim dritten bekam ich ebenfalls nur Medikamente. Das war für mich aber in keinem Fall eine Lösung.


    Ich weiß wirklich nicht mehr was ich machen soll und wie ich mit diesem Problem zurande kommen soll. Es wird immer schwieriger für mich es zu verdrängen. Ich habe manchmal das Gefühl dass ich einen regelrechten Wahn entwickle weil ich eben peinlich genau hinter meinem Mann hinter her bin um zu gucken wo und wie er meine Tochter anfässt. Leider ist der Text etwas lang geworden aber ich hatte auch viel zu erzählen. Ich hoffe ihr könnt mir einen Tipp geben wie ich mich weiterhin verhalten kann oder wo ich mir Hilfe holen kann. Ich bin wirklich total fertig und habe Angst dass es noch schlimmer wird.


    liebe Grüße Katja

  • hallo,


    ich kann verstehen, daß du erstmal keinen weiteren versuch mit einem therapeuten unternehmen willst. wie wäre es denn, wenn du erstmal kontakt zu einem selbsthilfeverein aufnehmen würdest? die können dir später sicher auch einen guten therapeuten empfehlen.


    aber angehen mußt du das problem, sonst wird deine familie drunter leiden. *knuddel*

  • Hallo liebe Mamika,


    das ist ja furchtbar was Dir da passiert ist. Da ist es doch kein Wunder wenn Du bei Deiner Tochter so reagierst. Ich habe so schlimme Erlebnisse gottseidank nicht gehabt, aber trotzdem macht man sich so seine Gedanken. Ich achte auch immer sehr darauf wie meine Tochter angefasst wird.
    Mein Papa hat sie im Windelalter zum Beispiel oft im Schritt hochgehoben (was ja viele bei Babys machen) und das hat mich auch immer sehr gestört. Obwohl er bestimmt keine bösen Absichten hat. Jetzt ist sie ja schon vier und ich denke (hoffe) sie würde es mir erzählen wenn etwas wäre.


    Weiss denn Dein Mann, dass Du missbraucht worden bist?


    LG, Conny

    LG, Costra


    "Jede Dummheit findet einen, der sie macht."

  • ich weiß genau dass ich das Thema angehen muss und zwar so schnell wie möglich. Ich weiß auch dass es sonst meine Famillie belastet. Mein Mann weiß über den Mißbrauch bescheid, aber weiß nichts über die jetzigen Probleme. Wo finde ich denn einen solchen Selbsthilfeverein? Ich habe schon mal einen Versuch über http://www.beratungsnetz.de gestartet und habe dort beim Sorgentelefon angerufen, aber auch dort wurde mir gesagt ich soll meinem Onkel verzeihen. Ich getraue mich ehrlich gesagt gar nirgendow mehr an zu rufen, ich weiß aber dass ich es machen muss.

  • Liebe Mamika,


    das ist ja schrecklich was Du mitmachen musstest und vor allen Dingen ist es schlimm wie anscheinend noch viele Menschen mit diesem Thema umgehen bzw. versuchen es zu vertuschen. Ich finde das ist die Höhe, wenn man Dir rät dem Onkel zu verzeihen! Im Rahmen meines Studiums habe ich eine Veranstaltung besucht, die sich nur mit sexualisierter Gewalt beschäftigt hat und wir hatten damals Besuch von einer Beratungsstelle, die mir sehr kompetent erschien, hier die HP: http://www.beratung-bonn.de/index.html Ich habe gesehen, dass man auch nur telefonisch beraten werden kann, wenn man möchte. Sicherlich können dir die Leute dort sagen, was Du heute machen kannst bzw. Dir eine Selbshilfegruppe nennen oder haben eine andere Idee.


    Ich wünsche Dir endlich an eine kompetente Person zu gelangen damit man Dir helfen kann!


    Alles Liebe, die Wunderfee

  • vielen Dank für den Link. Ich werde mich erst mal sammeln und mir das in Ruhe angucken und dann dort mal anrufen. Ich habe wahnsinnige Angst davor , noch mal enttäuscht zu werden. Wenn es euch interessiert werde ich euch auf dem laufenden halten. Ich weiß noch nicht genau wann ich den Mut habe dort mal an zu rufen. Ich denke ich muss im 'Vorfeld auch erst mal mit meinem Mann reden. Vielen dank erst mal.

  • Hallo mamika, schau doch mal auf Wildwasser.de - einem Internet-Dach für Vereine gegen sexuellen Mißbrauch - nach ersten Anlaufstellen in Deiner Nähe.
    Dort gibt es auch ein Forum, hab ich gesehen.
    Ich wünsche Dir viel Glück und Kraft bei der Aufarbeitung. Laß nicht zu, daß das Erlittene und bis jetzt Verdrängte Deine Familie zerfrißt.

  • Hallo mamika,


    das ist ja wirklich furchtbar, was dir passiert ist, und so wie das gehandhabt wurde, wundert es mich nicht, dass es dich immer noch so stark belastet.


    Dass die Psychologen dir nicht helfen konnten, ist allerdings nicht weiter verwunderlich. Für solche Dinge geht man besser direkt zu einem spezialisierten Psychotherapeuten (oder warst du da? dann nehme ich alles zurück ;) ), da geht es wirklich in erster um Aufarbeitung und Bewältigung. Und das ist es mMn, was du jetzt erst mal brauchst.


    Ich drück dich, wenn ich darf.

    Das Sams (05/2005) + Don Blech (01/2008 )



    mit dabei seit 6.9.2004

  • ...also ich war beim Psychologen. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass ee da noch was anderes gibt.

  • Hallo Mamika!
    Es tut mir sehr leid, was dir passiert ist. Auch ich war als Kind sexuellem Missbrauch durch meinen Vater ausgesetzt, ich glaube, mir deshalb vorstellen zu können, wie es dir geht. Ich habe mich den Frauen-Notruf in der Stadt, in der ich früher gewohnt habe, gewandt. Dort gab es eine Kartei mit speziell ausgebildeten Psychotherapeuten. Ich würde dir uch unbedingt empfehlen, eine speziell ausgebildete TherapeuTIN! zu suchen. Ich habe das Buch: "Trotz allem - Wege zur Selbstheilung fü sexuell missbrauchte Frauen" von Ellen Bass und Laura Davis aus dem Orlanda Frauenverlag. Im Anhang befinden sich Adressen von Selbsthilfegruppen und Frauen-Notrufen in ganz Deutschland. Ich würde aber empfehlen, mit dem Buch nur zu arbeiten, wenn du eine Therapeutin hast, damit jemand dir helfen kann, die starken Gefühle aufzufangen. Man muss nicht unbedingt zum Psychologen, es gibt auch Heilpraktische Psychotherapeuten. Meine Therapeutin ist Gestalttherapeutin und hat dazu eine Spezialausbildung für sexuellen Missbrauch. Sie hat mir wirklich geholfen, ich lebe jetzt ein glückliches freies Leben. Ich möchte dir wirklich Mut machen. Man kann es schaffen, auch wenn es zwischendurch sehr hart ist. Du kannst mir auch gerne eine PN schreiben, falls du persönliche Fragen hast!
    Viel Kraft!
    Susa

  • hallo mamika,


    du solltest auch meiner meinung nach (ich arbeite psychotherapeutisch) dir eine psychotherapeutin suchen, die mit dir das in ruhe aufarbeiten kann, und dir erst einmal raum gibt, nicht zu verzeihen, sondern so wütend, empört und enttäuscht zu sein, wie du es innerlich ja sowieso bist. ich kann mir gut vorstellen, dass zusätzlich zur psychotherapie ein medikament dir helfen könnte, innerlich ein wenig leichter ruhe zu finden, aber das absolute augenmerk sollte sein, dass du psychotherapeutisch begleitet wirst.


    ich habe gerade mal geschaut, ob es in der emdria jemanden in chemnitz gibt, da in dieser vereinigung nur psychotherapeuten sind, die mit traumatisierten patienten arbeiten können, hab da aber direkt niemanden gefunden. aber wenn du mit den tipps der anderen nicht weiterkommst, kann ich gerne über eine mailingliste eine anfrage starten nach einer einfühlsamen therapeutin in deiner nähe, die erfahrung mit mißbrauchten patientinnen hat. grundsätzlich würde ich dir empfehlen, eine fachärztin für psychotherapeutische medizin bzw. fachärztin für psychosomatische medizin zu suchen, die hat dann erfahrung sowohl mit psychotherapie als auch mit medikamenten, und ist gut ausgebildet, was ich aber hiermit anderen psychotherapeuten nicht aberkennen will.


    wenn du o.g. hilfe von mir brauchst, schreib mir einfach eine pn


    liebe grüße

    Der große Weg ist sehr einfach, aber die Menschen lieben die Umwege (Laotse)


    LG, Cmami + die kleine Dame 1/06

  • Hallo Mamika!


    "Wildwasser" gibt es in Chemnitz in der Kaßbergstr. 22, 09112 Chemnitz,
    Telefon: 0371/350534


    Ich wünsche Dir den Mut, mal dort anzurufen! Die Mitarbeiterinnen dort werden Dir bestimmt weiterhelfen können.

  • ...ich habe mir diese Beratungsstelle schon raus gesucht, sie ist auch gleich bei mir um die Ecke :). Ich habe mir vor genommen gleich morgen dort an zu rufen. Ich denke das is ein erster Schritt.

  • Cmami
    ..vielen dank für dein Angebot. Sollte ich bei wildwasser nicht weiter kommen würde ich mich gern noch mal bei dir melden. Eine medikamentöse Behandlung kommt für mich nicht in Frage. Ich stille noch und möchte auch nicht abstillen. Zusätzlich habe ich mit Psychopharmaka auch keine guten Erfahrungen gemacht und stehe dem sehr skeptisch gegenüber.

  • Liebe Mamika,


    ich wollte dir nur sagen, dass es mir sehr leid tut was du erfahren mußtest und wie dein Umfeld darauf reagiert hat.
    Du hast ja erkannt, dass es sehr wichtig ist, das Thema noch mal anzugehen und aufzuarbeiten und jemanden professionellen hierfür zu finden. Ich wünsche dir morgen alles Gute und viel Erfolg bei einem Anruf bei "Wildwasser"


    :)

  • hallo mamika :)


    du hast ja schon ganz viel guten rat bekommen :), und ich freue mich sehr zu lesen, dass du dich entschieden hast, bei wildwasser anzurufen! ich bin mir sicher, du findest dort kompetente hilfe vor ort, und das ist genau das, was ich dir auch geraten hätte. es ist machbar, dein trauma aufzuarbeiten bzw. zu kucken, dass es sich nicht in diesem ausmass in deine gegenwart schleicht, aber dafür brauchst du direkte ansprechpartner :)


    um noch ein bisschen licht ins dunkel der vielen therapiemöglichkeiten zu bringen, hier eine kurze auflistung der verschiedenen therapeuten:


    psychologen sind erstmal "nur" psychologen, haben aber noch keine therapeutische ausbildung. es gibt verschiedene therapierichtungen, drei sind von den krankenkassen anerkannt, nämlich verhaltenstherapie, psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte therapie. psychologen, die sich in diesen therapierichtungen weitergebildet haben, heissen "psychologische psychotherapeuten".
    in deinem fall wäre es wichtig, dass diejenige auch noch erfahrung und idealerweise weiterbildung in traumaarbeit hat, eine gute möglichkeit ist zum beispiel EMDR, findest du beim googeln ganz viel info dazu :)
    dann gibt es noch andere therapieschulen, die auch zugehörige anderer berufsgruppen, z.b. sozialpädagogen, haben können, z.b. systemische familientherapie, gestalttherapie, gesprächstherapie. die sind auch gut, müssen aber leider privat bezahlt werden. allerdings gibt es oft therapeutinnen, die an beratungsstellen sitzen, da ist es dann wiederum kostenlos.


    dann gibt es noch ärzte, die ganz normal medizin studiert haben, und dann noch eine therapeutische weiterbildung machen. diese kriegen den titel "ärztlicher psychotherapeut" allerdings nach einer relativ unaufwendigen weiterbildung, da kommt es dann sehr drauf an, was derjenige noch so an privaten fortbildungen macht und worin die schwerpunkte seiner arbeit liegen.
    und last but noch least noch die psychiater, die studieren medizin und machen dann noch eine fünfjährige facharztweiterbildung zum psychiater.
    medikamente verschreiben dürfen nur ärzte, ein psychologe darf das nicht.


    ich drücke dir alle verfügbaren daumen, dass du schnell kompetente hilfe bekommst und deine belastungen weniger werden. alles alles liebe für dich und deine familie :), melde dich gerne wieder, wenn es dir lieber ist auch jederzeit per pn :)

  • Also der erste Schritt ist gemacht. Habe heute bei wildwasser angerufen und mir einen Beratungstermin geholt. Leider ist dieser erst am 6. September. Nun gut ich denke es hat so viele Jahre gedauert nun kommt es auf den einen Monat auch nicht mehr an. Vielen dank für eure Antworten.


    liebe Grüße Katja

  • Zitat

    Original von mamika
    Also der erste Schritt ist gemacht. Habe heute bei wildwasser angerufen und mir einen Beratungstermin geholt. Leider ist dieser erst am 6. September. Nun gut ich denke es hat so viele Jahre gedauert nun kommt es auf den einen Monat auch nicht mehr an. Vielen dank für eure Antworten.


    liebe Grüße Katja


    BRAVO!!!!

    Toll, dass Du das geschafft hast! Ich wünsche Dir weiterhin viel Durchstehvermögen und wenn das Team dort so kompetent ist wie ich das Team aus meinem Ort erlebe, bist Du dort bestimmt gut aufgehoben und sie werden Dir bei den weiteren Schritten helfen können.