"Ich brauche meinen Bruder!" - seltsam oder normal?

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    Das Verhalten meines Großen irritiert mich - nichts geht ohne seinen kleinen Bruder.
    Ich versuche jeden Tag Freiraum für Exklusivzeit zu schaffen. Das Ergebnis ist idR nach zwei Minuten:"Mama, wo ist denn der Felix?" und nach weiteren 3 Minuten:" Der Felix soll auch xyz machen!" und dann wird der Bruder gesucht. Mittlerweile reicht es ihm zu gucken, dass er schläft oder wo er ist.
    Wenn ich den Großen ohne Baby aus dem Kindergarten abhole, ist das ein Drama und der Höhepunkt bisher: nachdem er bei der RachenmandelOP klar war - was fragt er als erstes? Genau. Gestern nacht hatte Phillip heftigste Ohrschmerzen. Es musste Mama sein. Kaum haben die Schmerzmittel etwas gewirkt, kam:" Ich brauche meinen Felix!"
    Vor ein paar Wochen ist er aus dem Familienbett ausgezogen und hat es gerne, wenn Felix beim Einschlafen ein bisschen dabei ist und kuschelt und plant dann das Geschwisterbett für später.


    Bei Spielverabredungen ist es aber nicht so, da sind dann die anderen Kinder wichtiger.


    Mich irritiert sein Verhalten. Einerseits finde ich es total süß und denke mir, das wird sich früh genug ändern, andererseits finde ich ihn schon sehr babyfixiert.
    Ich bin ein bisschen verunsichert. Er sieht sich und Felix irgendwie als Zweiheit an. Er ist eigentlich kein sozialer Typ er hat ein paar Kinder, die er nett findet, aber er tut sich im sozialen Zusammenleben schon schwer - nicht bei Felix. er behandelt ihn immer so, wie man es im Moment richtig ist. Ich glaube mittlerweile auch die Geschichten aus Kriegsgebieten, wo 3jährige ihre Babygeschwister retten.


    Ich weiß gar nicht, was ich von euch will. Ich finde sein Verhalten einfach seltsam und würde gerne mal hören, was ihr davon haltet.

  • Ich kann dir dazu sagen, dass das bei meinen beiden älteren Töchtern in den ersten Jahren genauso war.
    Sie waren nur knapp zwei Jahre auseinander. Ohne die Kleine lief bei der Großen gar nichts. Ich hatte mich schon gefragt, ob sie jemals mit anderen Kindern spielen würde. Aber das kam dann erst mit Schule.
    Im Kindergarten spielte sie mit anderen Kindern, sie verabredete sich auch. Aber ihre Schwester musste immer dabei sein.


    Sie grenzte sich irgendwann nach Einschulung ab. Allerdings war das für die Kleine dann ein derber Absturz gewesen.


    Gruß

    Kokosnuss, Ehe-Nuss
    2 Nüsse, 1 Nüssin (02/02), drei Lady-Nüsse (`82, `84, `85)
    Enkelnuss (09/10) und Hundenuss (06/10)
    ---------------------------------------------------------
    Durchaus zufrieden mit leichter Verblödung

  • Bei uns war das am Anfang nicht so, aber seit der Kleine kommunizieren und mitspielen kann, sind sie ein unzertrennliches Team.


    Sie haben auch bereits das gemeinsame Heim für später bis in alle Einzelheiten geplant, inklusive der Anschaffungen und Haustiere.


    Edit: Eigentlich wollte ich noch was zu euch schreiben, zu früh geklickt. Ich finds einfach nur süss, dass er sich so kümmert. Ich würde mir da keine Gedanken machen.

    Schreibe auf dem i-Pad, sämtliche Tippfehler bitte gnädig übersehen

    Einmal editiert, zuletzt von Seagull ()

  • Das hört sich für mich auch nicht bedenklich an. Vielleicht ist es gerade so, WEIL er sonst nicht so den leichten Zugang zu anderen Kindern hat. Kleinere Kinder kann man gut betüdeln, die fordern auf einen anderen Ebene, mit der er besser umgehen kann (kenne ich von meiner Tochter, die spielte bis zur Einschulung nur mit jüngeren Kindern).
    Und dann freut er sich vielleicht auch besonders, dass da jetzt jemand ist, der ihm so nahe ist - ein Familienmensch?? Wär´ doch schön! So kann er im sicheren Rahmen soziale Kompetenzen üben. Vielleicht liebt er ihn ganz einfach heiß und innig :).

  • Ich finde das .... schön? ....


    Das ist doch klasse! Freu Dich, dass er seinen Bruder voll akzeptiert hat und er ihm wichtig ist. Ich glaube auch, dass sich das früh genug ändert.


    Ich kenne ein Geschwisterpärchen, da war das ähnlich. Sie haben auch zusammen geschlafen bis der Ältere in die Schule kam. Sie verstehen sich heute zwar auch noch gut, sind aber nicht mehr so aufeinander fixiert.

    Es gibt Tage, an denen Du denkst, dass Du untergehst. Wie stark Du wirklich bist, erkennst Du erst, wenn Du sie überstanden hast...

  • Hallo Kalliope.


    bisher habe ich nur ein Kind, aber wenn ich mal zwei habe, wünsche ich mir, dass es so wird wie bei Deinen Beiden. Ich finde das supersüß. Und solange der Kleine damit auch zufrieden ist, würde ich mich nur drüber freuen.


    Liebe Grüße
    Alicia

    Breastfeeding is giving liquid love


    #rose

  • Meine Mutter erzählt immer die Geschichte, dass meine Schwester auch immer erst an mich gedacht hat und mit mir sein wollte. Wir haben einen relativ kleinen Altersabstand.
    So hat sie z.B. als 4jährige, als sie sich nach einem schweren Arztbesuch mit Spritze mal im Spielzeugladen was aussuchen durfte, etwas für MICH ausgesucht #schäm.
    Auch mit den Worten "Das ist für meine 'Crianza'".
    Wir haben auch oft in einem Bett geschlafen etc.


    Mit Schulbeginn wurde es dann langsam anders und in der Pubertät haben wir uns voll auseinander entwickelt. Und heute verstehen wir uns gut, haben aber komplett andere Freundeskreise und Lebensstile. Trotzdem ist da so ein Grundvertrauen.
    Das finde ich schön, und ich denke, bei Deinen beiden ist das nicht anders.
    Freu Dich also, denn die Geschwisterstreite kommen noch früh genug :-)!

    Crianza mit Sohn ('09) und Tochter ('14)

  • meine beiden söhne sind ja nicht so eng miteinander, wie du weißt ;)


    aber meine schwester und ich haben bis heute so ein enges verhältnis, wie du von deinen söhnen beschreibst. wir haben von anfang an viel miteinander gespielt, viele jahre in einem bett geschlafen und bis heute ist sie meine beste freundin. wir haben immer andere freunde gehabt, sind also nicht total aufeinander fixiert. auch gestritten haben wir uns immer wieder und sehr heftig, aber die basis ist immer gleich. ohne die schwester geht nichts. ich genieße das bis heute sehr und wünsche mir für meine kinder, dass sie ein enges verhältnis zueinander haben.


    ich verstehe aber auch, dass du dich wunderst, gerade, weil andere große geschwister es nicht so leicht haben mit ihrem kleinen geschwister-kind.


    ach weißt du, ich werde die frage, natürlich "anonym" und nur wenn du magst, mal meiner professorin stellen, die bei uns kindheitspädagogik lehrt. mal sehen, ob sie etwas "bedenkliches" daran findet.

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von mizu


    ach weißt du, ich werde die frage, natürlich "anonym" und nur wenn du magst, mal meiner professorin stellen, die bei uns kindheitspädagogik lehrt. mal sehen, ob sie etwas "bedenkliches" daran findet.


    Au ja, mach das mal.


    Ich bin einfach nur irritiert und will auch gar nix krank reden, eigentlich freu ich mich immer tierisch, wenn ich die zwei zusammen sehe. Mein Sohn schien mir zuvor nicht der Typ, um ein solches enges Verhältnis aufzubauen. Und ich will ihm auhc nicht irgendwelche Verantwortungen zuschustern, mit denen er überfordert ist. Er fühlt sich nämlich sehr verantwortlich.

  • Ich finde das auch total süß, würde mich aber an deiner Stelle auch sehr wundern. Bei uns ist es gerade ähnlich.


    Nachdem Malin vor ca. 2 Monaten eine Phase hatte, in der sie regelmäßig sagte: "ICH wollte aber keine kleine Schwester haben!" (nach zweieinhalb Jahren #augen), wollte ich endlich mal meinen Plan mit der Exklusivzeit für sie, die ich eigentlich schon ab August eingeführt haben wollte, durchziehen. (Ronja hatte sich mit der Eingewöhnung in den Vorkindergarten recht schwer getan, daher steht der eine Nachmittag erst jetzt so allmählich zur Verfügung) Ich kündigte also an, dass wir Ronja dort abgeben und dann zusammen Kuchen essen und Kakao trinken gehen. Und was sagt sie? "Aber nicht ohne Ronja! Ich will meine Schwester dabei haben!" #love

  • Winnetou kreischt auch ab und zu panisch: "Mein Bruder! Mein Bruder!", wenn Fürchtegott sich auf dem Sofa gefährlich der Kante nähert oder Anstalten macht, vom Gehweg auf die Straße zu treten.


    Morgens geht immer der erste Blick zum Bruder. Egal wer zuerst wach wird, er kontrolliert erstmal solange den Zustand des Anderen, bis dieser wach ist.


    Kommt einer aus dem KiGa, schaut er zuerst, wo der Bruder ist und fragt gegebenenfalls nach (bei Fürchtegott hört es sich so an: "Fead wo?").


    Wenn einer weint, weint der andere mit. Schlägt Fürchtegott Winnetou und ich geh dazwischen, heult mich Winnetou an, ich soll seinen Bruder in Ruhe lassen *schluchz* #augen


    Ich halte es einfach für eine gute, enge Geschwisterbeziehung. Das Gefühl, dass die Welt nicht in Ordnung ist, wenn der andere nicht da ist.


    PS: Wenn ich mich hätte durchsetzen können, hieße Fürchtegott jetzt Philipp. Und Winnetou heißt ja wie Euer Kleiner. Ich bin also sehr angetan von Eurer Namenswahl... #cool


    edit, da ich das grad von thistlejo lese: Winnetou sagte am Anfang auch immer, dass wir Fürchtegott verkaufen sollen. :D

    Es wünsch mir einer was er will, es geb ihm Gott 2x soviel

    Einmal editiert, zuletzt von saphir ()

  • Dein Sohn scheint schon sehr verliebt in seinen Bruder zu sein. Aber ich halte das Verhalten im Normalbereich. Es gibt Kinder, die lieben Babies, anfassen, gucken, Fuersorge. Dein Sohn ist gluecklich dabei, das ist etwas was fuer mich ein wichtiger Hinweis ist, ob alles gut laeuft.


    Aber, ich finde deine Bemuehungen gut, ihm Zeit mit dir einzuraeumen und anzubieten. Folge deinen Instinkten.

    Birth is not only about making babies. Birth is about making mothers - strong, competent, capable mothers who trust themselves and know their inner strength.

  • Eine Bekannte von mir, die zwei mittlerweile erwachsene Söhne hat, hat Ähnliches erzählt. Als der Jüngere geboren wurde, war der Ältere knapp zwei. Er hat wohl immer wieder versucht, seinen kleinen Bruder hochzuheben und herumzutragen, ihn beschützt und auf eine sofortige Reaktion seitens der Erwachsenen bestanden, sobald der Kleine weinte (das Baby schreien zu lassen, wie es damals wohl üblich war, war also nicht drin :) ).
    Wir haben bisher nur ein Kind - ich hoffe aber, dass wenn wir mal zwei haben, es bei uns mal auch so sein wird wie bei euch.

  • Ist bei uns auch so- und ich finde es wunderschön. Genauso hab ich mirs gewünscht. ;)


    Die beiden Großen spielen stundenlang miteinander, und mit der Kleinen schäkern und spielen sie auch gern. Streiten können sie sich trotzdem, und sich wieder vertragen mittlerweile auch.


    Und das Geschwisterbett klappt bestens.
    Meine Vierjährige hat neulich davon erfahren, dass sie später mal Taschengeld bekommen soll. Wenn sie schon gaaaaaaanz groß ist, und in die Schule geht. Und sie plant, was sie davon kauft, und da plant sie ganz seöbstverständlich ihre Schwestern ein. Sie schenkt den beiden auch Spielsachen, und nicht nur Dinge, die nix mehr für sie sind. Da greife ich ein wenig ein, und schlage vor, dass das ja dann einfach allen gehören könne, und alle es benützen dürfen. Da ist sie dann auch einverstanden.

  • war bei meinen großen auch genauso. altersunterschied 22 monate.
    da ich lange angst hatte, die große definiert sich irgendwie nur noch über die kleine, habe ich auch immer versucht, da gegen zu steuern bzw dachte, ich muss die große stärken. mir fiel es sehr lange schwer, anzuerkennen, dass das gar nicht unbedingt was pathologisches haben muss ;) die hatten und haben einfach eine sehr innige beziehung zueinander...

  • Hier ist es ähnlich.... Manuel ist 4,5 und fragt ständig nach seinem Bruder, Fabian ist 22 Monate und er fragt ständig nach Manuel. Da beide in unterschiedliche Kiga-Gruppen gehen, ist nachmittags großes "Hallo". Entweder kann Manu sich nicht schnell genug fertigmachen, um Fabian abzuholen, oder Fabian steht unten an der Treppe und ruft: "Manu? Manuuuuu?". Faban wird betüddelt, bekuschelt.... und Manu wird als großer Bruder angehimmelt. Im Auto wird auch gern mal Händchen gehalten #love


    Ich finds toll..... lieber als wenn die Beiden dauernd streiten, was natürlich auch mal an der Tagesordnung ist.

    LG, Natalie mit großem Mops 03/06 und kleinem Mops (01/09)

  • kalliope, ich kann dir sagen, dass es hier bis auf ein paar ausnahmen genau so ist! nur wenn wir schwimmen gehen kann jonah wirklich auf seinen bruder verzichten. ansonsten muss er immer dabei sein.

  • Bei uns ist es auch so und mir geht es wie dir.
    Habe mich auch gefragt, ob das normal ist. Wir waren neulich allein im Theater und der Große konnte es kaum erwarten ENDLICH wieder beim Kleinen zu sein #augen

  • Bei uns ist das ganz ähnlich.


    Schon morgens nach dem Aufwachen geht der erste Blick über mich drüber, dann *schwupp* ein Hechtsprung ins Beistellbettchen und er kuschelt sich zu Paula.


    Niemals würde er ihr ein Haar krümmen, immer muss sie auch alles sehen, machen, tun, haben.....
    Sind andere Kinder da, wird Paula beschützt, ihre Habseeligkeiten verteidigt.


    Bekuschelt und geküsst wird sie auch ständig.


    Und das Schönste für Mika ist, wenn er Paula zum Lachen bringen kann.



    Aber sie ist da schon ähnlich. Sie sucht ihn, wenn er aus dem Raum ist und ruft ihn auch.
    Die beiden lieben sich hieß und innig und ich hoffe, dass sie sich diese Innigkeit für ihr Leben bewahren.

    Liebe Grüße von mir :)
    mit 2 Kindern (2008 und 2010) sowie dem Bauchzwerg August 2013