Was tun mit trennungsunwilligem 2,5 Järigen?

  • Liebe Rabeneltern,
    ich bin am Ende mit meinem Latein und langsam aber sicher auch mit meiner Kraft. Mein Sohn ist 2,5 Jahre alt und schafft es bis heute nicht sich von mir zu trennen. Vor ein paar Monaten gab es eine sehr kurze Zeit, bei der er plötzlich bei meiner engsten Freundin und ihrer kleinen Tochter blieb, aber auch das geht nun nicht mehr. I h habe nicht die geringste Ahnung weshalob es plötzlich ging und noch weniger weshalb es dann wieder vorbei war. Aber er bleib ohne Tränen und völlig problemlos. Es gab keine Vorfall der es ihm vergällt hätte dort zu bleiben und ich habe ihn sofort abgeholt, wenn er es wollte (ist nur 2 Straßen weiter).


    Er war von Geburt an ein Kind, dass getragen wurde (und das auch gebraucht hat, hat viel geweint und war nur schwer zu beruhigen), das erste Lebensjahr hat er praktisch nur in den Armen von meinem Mann und mir verbracht. Er wurde nach Bedarf gestillt bis er knapp 2 Jahre alt war, schläft im Familienbett und war noch nie auch nur einen Tag von mir getrennt. Mein Mann hat keine Chance ihn zu beruhigen wenn ich mal versuche zu gehen, wir haben es mehrmals versucht und ich bin jedesmal wieder zurück gekommen, weil er bitterlich geweint hat und "Mama anrufen" gebrüllt hat.
    Ich bin völlig fertig, weil er auch lange auf ist, und ich völlig ausgebrannt bin. Das ständige auf den Arm nehmen, der immer währende Körperkontakt, ich weiß gar nicht mehr, wie es ohne Kind auf dem Schoß ist und werde immer ungerechter und ungehaltender ihm gegenüber. Gleichzeitig schaffe ich es nicht, es durchzuziehen und einfach zu gehen. Was kann ich noch tun? Ich erkläre es ihm, ich sage ihm dass ich sofort wieder komme, es hilft nicht.
    Zudem darf mein Mann seit Juli nichts mehr: Keine Windel wechseln, keine Zähne putzen, nicht trösten, es heisst nur, nein, Mama macht das. Mache ich es nicht weint er und ist völlig aufgelöst.Ich dachte es ist nur eine Phase, dass ich es verschlimmere wenn ich mich weigere, aber er hört nicht auf.
    Ich bin wirklich am Ende und an den KiGa traue ich mich nichtmal zu denken....

  • Oh ja, das ist anstrengend..
    Aber wenn Du so am Ende bist, musst Du Grenzen setzen, also Deine! Ich finde es zumutbar, dass Dein Mann etwas macht. Daran wird der Kleine sich auch schnell gewöhnen - am besten, wenn Du mal nicht da bis, spazieren gehst etc.


    Den Kindergarten würde ich allerdings in der Tat *erst mal* vergessen. Es gibt einfach Kinder, die lange brauchen um sich zu trennen. Meine Tochter war auch so, vollbetüddelt aber erst mit viereinviertel KiGa-fähig.


    Jetzt muss ich gerade mal sehen, wer da schreit..

  • Liebe Mama Muh,
    danke für deine Worte. Hast du denn deine Tochter dann auch erst in den KiGa gegeben? Du hast natürlich recht, KiGa ist noch weit weg, aber im März bekommen wir hier schon die Zu- oder Absagen, von daher ist es für mich schon sehr präsent.


    Ich hab heute versucht den Kleinen kurz meinem Mann zu geben uns zu gehen. Ich habe es ihm schon vor 2 Tagen das erste Mal erzählt ("Mama muss abends weg, ich komme wieder wenn du schläfst, Papa ist da und liest dir tolle Geschichten vor" usw). Immer wieder mal erwähnt und ihn auch heute im Laufe des Tages darauf vorbereitet. War alles toleriert und ok bis ich dann tatsächlich die Jacke angezogen habe und mich verabschieden wollte...
    Dann kam ein Weinkrampf wie aus dem Bilderbuch. Er hat so sehr geschrien und geweint, dass ich die Jacke wieder ausgezogen habe nachdem ruhiges erklären, auf den Arm nehmen und trösten nicht funktioniert hatte. Sein Papa hatte ihn die ganze Zeit mit im Arm. Dann habe ich versucht die Wohnung zu verlassen und habe mich aber vor die Tür gestellt, was er nicht bemerkt hat vor lauter weinen. Er hat so sehr geschrien und geschluchzt dass er keine Luft mehr bekommen hat und blau angelaufen ist.
    Ich hab mich wie eine Rabenmutter gefühlt als ich wieder rein gerannt kam und hab selbst geheult als ich ihn dann ins Bett gebracht hab. Er war in 5 min eingeschlafen, an mich geklammert und ich sitze hier und bin völlig fertig. Versuch ging voll daneben, das mache ich so schnell nicht mehr...
    Hab ich was falsch gemacht? Was kann ich denn anders machen? Ich trenne mich nie gegen seinen Willen von ihm, erkläre ihm alles, wir waren nie getrennt. Woher kommt diese extreme Trennungsangst und was kann denn noch tun?

  • Hallo, Schneelotte!


    Das klingt sehr anstrengend und ich kann mir gut vorstellen, dass du am Ende deiner Kraft bist. Ich fürchte aber, dass ihr noch eine ganze Menge brauchen werdet, um aus dieser Spirale wieder heraus zu kommen. Es klingt für mich so, dass er gelernt hat, dass auch ihr eine Trennung für unzumutbar und gefährlich haltet. Da ist es nur logisch, dass ihn das dann jedes Mal in totale Panik versetzt.


    Wenn du für dich aber entscheidest, dass du daran etwas ändern möchtest, dann musst du dir, müsst ihr euch zunächst einmal im Klaren sein, was ihr ändern wollt,. Ich würde mir einen Punkt herausnehmen, der für dich wichtig und für euren Sohn am ehesten auszuhalten ist. Dann sollte dein Mann übernehmen. Es könnte sein, dass du irgendwo anders in der Wohnung bist oder ? wenn das zu schwer ist ? die Wohnung kurz verlässt. Die Zeitspanne sollte kurz und für ihn zumutbar sein. Wenn du dann wieder da bist, kannst du ihm zeigen, dass du dich freust, ihn zu sehen, aber es ist nicht sinnvoll, ihm durch Tonfall und Worte zu vermitteln, dass das Entsetzliche nun endlich vorbei ist. Ihr müsst ihm die Sicherheit geben: Auch wenn du noch so aufgewühlt bist, wir sind bei dir und alles ist in Ordnung. Es geht darum, ihm zu vermitteln, dass bei einer Trennung von dir nichts Schreckliches oder Bedrohliches passiert. Das lernt er natürlich nicht, wenn ihr sofort aufgebt, wenn er weint und damit seinen Protest ausdrückt. Das muss er dürfen und es ist gut, das auch für ihn in Worte zu fassen.


    Das könnt ihr richtig mit ihm üben. Diese Erfahrung muss sich bei ihm setzen. Ihr werdet Geduld brauchen. Aber ich bin mir sicher, dass ihr etwas verändern könnt. Wichtig ist, behutsam und dennoch klar zu sein. Und vielleicht auch zu akzeptieren, dass ein Teil davon einfach zu seiner Persönlichkeit gehört, dass er immer ein Kind sein wird, das viel Nähe braucht. Aber so, wie es jetzt ist, muss es nicht bleiben. #ja


    Ich würde gerne noch etwas wissen: wie ist es, wenn du alleine mit ihm bist und kochst oder andere dinge erledigst, bei denen er nicht auf deinem Schoß sitzen kann? Was macht er in der Zeit und wie läuft das dann ab, wenn er zu dir auf den Arm oder Schoß möchte?


    Ich würde übrigens das Thema Kindergarten erstmal zurück stellen, ich glaube, das ist noch gar nicht dran. Erstmal muss es darum gehen, dass er in sich sicherer wird.

  • Vielen Dank für Ihre Antwort Frau Rupp.


    Nein, wir halten eine Trennung keineswegs für gefährlich und ich glaube ehrlich gesagt auch nicht dass wir das vermittelt haben, denn er hat sich ja früher bereits völlig problemlos und fröhlich getrennt und sich auch von anderen betreuen lassen. Und wir haben an unserem Erziehungsverhalten nichts verändert.


    Ich fand Ihren letzen Satz besonders eindrucksvoll: "Erstmal muss es darum gehen, dass er in sich sicherer wird." Deshalb haben wir uns erstmal dagegen entschieden mit ihm irgendeinem Trennungsverhalten zu üben, der Satz hat mir nochmal die Kraft dazu gegeben. Und ganz plötzlich wurde es wieder besser. Er geht wieder einkaufen mit seinem Papa und kommt fröhlich zurück, dieser darf auch (mit vielen Ablenkungsgeschichten aber immerhin) Windeln wecheln, Geschichten vorlesen u.v.m. was lange Zeit gar nicht mehr ging.


    Er hat die ganze Zeit auch toleriert, wenn ich etwas alleine machen musste, z.B. kochen und er nicht auf den Arm konnte. Man kann ihm sehr gut erklären wenn etwas nicht geht, oder einen Kompromis finden ("Ich nehm dich ganz kurz auf den Arm, aber dann muss ich das Essen fertig machen"). Wenn ich duschen war hat er z.T. fast 20 min (lange Haare dauern laaaange zum föhnen und das ist ihm zu laut;-)) alleine gespielt, das war alles kein Problem. Kritisch waren und sind wirkliche Trennungssituationen und wenn sein Papa dabei ist und mir etwas abnehmen will. Aber wie gesagt, gerade entzerrt es sich etwas.


    Ich hoffe, es wird jetzt alles wieder langsam entspannter....
    Herzlichen Dank an alle!