Umgang mit Konflikten

  • Hallo,


    ich bin Mutter eines 2-jährigen Sohnes und grade etwas ratlos, wie ich mich verhalten kann, wenn unsere Wünsche und Bedürfnisse mal nicht zusammenpassen wollen. Ich orientiere mich immer wieder gerne an Jesper Juuls Zugang zur Eltern-Kind-Beziehung, aber dennoch stehe ich derzeit manchmal einfach an. Sich freundlich und bestimmt durchzusetzen, nachdem man seine Wünsche klar geäußert hat, klingt ja in der Theorie recht nett und funktioniert auch oft. Ich kann z.b. problemlos freundlich und bestimmt nein zu Schokolade sagen und dann bekommt er keine und fertig. Sehr oft akzeptiert er das und wenn er doch traurig ist oder sogar weint, bringe ich ihm Verständnis entgegen und sage ihm, dass ich ihn verstehen kann., aber ich jetzt eben nicht will, dass er Schokolade isst.


    Hilflos bin ich dann, wenn ich das Gesagte nicht so einfach in die Tat umsetzen kann bzw. es schwierig bis unmöglich ist, Konsequenzen durchzuziehen.
    Was soll ich tun, wenn der Widerstand groß ist und er sich z.b. mit Händen und Füßen gegen das Anziehen wehrt? Oder einfach nicht weitergehen will, obwohl man dringend weiter muss? Oder trotz klarer Bitte, gewisse Dinge nicht zu werfen, es trotzdem tut. Oder mal ein bissl grob ist und nicht aufhört, wenn ich ihm sage, dass ich das nicht mag? Immer kann man halt nicht weggehen oder manchmal könnte man seinen Wunsch nur durchsetzen, in dem man den Kindern gewaltsam etwas aus der Hand reißt. Ich setze sehr ungern meine körperliche Überlegenheit ein, aber wenn Zeit geben, klare Erklärungen und Verständnis nichts bringen und ich einfach weg muss, dann endet es letztlich meist mit einem wutentbrannten Schrei und/oder etwas kräftigerem Anpacken. Das bringt dann zwar letztlich den gewünschten Erfolg, ist aber nicht der Weg, den ich gehen wollte, weil ich dann das Gefühl habe, dass meine Wut schon größer ist, als ich es will. Habt ihr vielleicht einen Tipp für mich, wie ich mich in solchen Konfliktsituationen verhalten kann? Zum Glück gibt es solche Situationen bei uns nicht allzu oft, aber umso hilfloser bin ich dann, weil ich zu wenig Erfahrung damit habe. Gibt es eine Alternative zwischen einfach hinnehmen und Zwangsmaßnahmen?


    LG
    Romana

  • Hallo, Romana!


    Erstmal freue ich mich für dich, denn du schreibst, dass es solche Situationen bei euch nicht allzu oft gibt.


    Ich finde immer wichtig, dass Eltern deutlich machen, dass sie sowohl sich selbst als auch andere Menschen uns nicht zuletzt das Kind selbst vor Verletzungen schützen werden. Da kann es nötig sein, ein Kind auch fest zu halten, wenn es auf die Straße rennen möchte. Oder dass man einen Gegenstand weg nimmt. Hilfreich für das Kind ist es in dem Moment, wenn man das möglichst wert- und moralfrei tut und z.B. nur sagt: „Ich nehme dir das weg, damit du /ich/xy nicht verletzt wirst/werde/wird.“ Und genauso bei der Situation an der Straße. Du siehst das ganz Recht – für ein Kind ist es schon schwierig genug, wenn Erwachsene ihre „Macht“ einsetzen. Ein Kind kann sein Gesicht in so einem Moment besser wahren, wenn man sachlich damit umgeht.


    Eins finde ich noch wichtig – Kinder reagieren oft verzögert. Sie tun oft im zweiten Anlauf, was wir von ihnen möchten, wenn wir geduldig dabei bleiben. Auch wenn die erste Reaktion ein „Nein!“ ist – wenn man sich als Mutter/Vater nicht gleich aufregt und verwickeln lässt, dann braucht man oft nur ein bisschen Geduld.


    Und – manchmal merkt man dann, dass man es auch so machen kann, wie das Kind es möchte. Je mehr Abstand man hat und je weniger es darum geht, wer sich wann durch setzt, desto leichter kann das gelingen.


    Aber nicht zuletzt lernen Kinder auch aus Konflikten, die nicht perfekt verlaufen, in denen man als Eltern kein besonders gutes Bild abgibt und im Verlauf derer man sich als Erwachsener beim Kind entschuldigt und die Verantwortung dafür übernimmt. Auch das ist wichtig zu erleben und zu erfahren.


    Alles Gute für euch!