Prügelnde Geschwister

  • Hallo in die Runde,


    heute muss ich mal einen prügel-Thread aufmachen, in der Hoffnung, ein paar Gedanken und Anregungen zum Thema zu bekommen.


    Unsere zwei Großen sind jetzt 7 und 6 Jahre alt ( 18 Monate Altersabstand ), beides Jungs. Hier geht die Post ab seitdem der Kleinere krabbeln kann.


    Sie lieben sich heiß und innig, können nicht ohne einander. Der Kleine kann sich zwar schon mal eine Nachmittag allein beschäftigen, vermisst seinen Bruder dann aber schon ziemlich. Der Große ist ohne den Kleinen total aufgeschmissen und macht gar nix. Er sitzt dann wenns sein muss 2 Stunden auf seinem Bett und start Löcher in die Luft.


    Sind sie zu zweit, ist der Große allerdings der Bestimmer und der Kleine fügt sich mehr oder weniger.


    Es gibt Phasen da spielen sie echt toll miteinander. Wuseln stundenlang durch den Garten, erweitern ihre Regenwürmersammlung, bauen ihnen Häuser. Hüpfen Trampolin bis zum umfallen, klettern auf Bäume. In der Wohnung bauen sie Höhlen, Lego, was es so gibt.


    Dann haben sie aber leider auch wieder Zeiten wo sie sich jeden Tag mehrmals so richtig heftig prügeln. Mit Bißverletzungen ( durch den Kleineren ), Beulen am Kopf vom irgendwo hin stoßen, tiefe Kratzer.....
    Da macht der eine beim Zähneputzen eine falsche Handbewegung und der andere rastet aus.


    Ich bin die einzige die das ganze ein wenig im Griff hat. Bei mir hören sie auf, spüren recht gut wenn eine bestimmte Schwelle überschritten ist. Bei meinem Mann nicht. Selbst Oma und Opa sind machtlos, und die sind noch vom Typ "es wird gemacht was ich sage", haben also durchaus Durchsetzungsvermögen.


    Nun bin ich immer wieder im Konflikt mit mir selbst und weiß nicht wie ich diese Situation einschätzen soll.


    Man bekommt überall zu hören Gewalt ist nicht gut, die Kinder sollen Probleme verbal lösen können usw...
    Auf der anderen Seite ließt man, gerade Jungs müssen sich prügeln können. Aber wo ziehe ich die Grenze? Prügeln ohne weh zu tun geht ja fast nicht.
    Ich habe schon so vieles versucht ihnen das Prügeln irgendwie abzugewöhnen, aber es hilft gar nichts.


    Genauso wie diese Prügelphase gekommen ist, ist sie dann wieder vorbei. Bis zur nächsten.


    Ach ja, sie prügeln sich nur miteinander. Mit anderen Kindern haben sie ein sehr gutes Sozialverhalten, sind hilfsbereit und freundliche. Sie prügeln sich wirklich nur miteinander.


    Nach all den Jahren habe ich immer noch keine Strategie gefunden wie ich damit umgehen kann. Mich bringt es jedesmal in Rage, ich denke mir irgendwelche blödsinnigen Strafen aus die eh nix bringen und wenn sie dann im Bett liegen plagt mich das schlechte Gewissen.


    Dazu kommt, dass meine Umwelt ( Großeltern ) erwarten das sie dies nicht mehr tun und unterschwellige Vorwürfe kommen wir hätten irgendwo einen Fehler gemacht. Es belastet mich auch, dass ich die Jungs an meinen Mann nicht ohne ungutes Gefühl abgeben kann, weil sie bei ihm nochmal extra Runden drehen. Dann mach ich es lieber selbst, weil es da halbwegs zivilisiert zugeht, was das Problem dann aber noch verschärft und sie von anderen Personen noch schwerer zu handeln sind.


    Wie geht ihr damit um?


    Oder sind wir die einzigen ;(

    Liebe Grüße, Bubenmama mit Bub 10 , Bübchen 9 und Schwesterlein 3

  • Hallo,


    ich hab ja selbst einige Geschwister und kenne auch viele andere Familien mit mehreren Kindern. Cousins/Cousinen Freunde usw.


    Meine zwei sind ja einiges Auseinander, da ist es etwas anders. Aber wenn andere Kinder hier sind,d ann gehts beim Großen auch schonmal ums Kämpfen. Und das hat meiner Meinung nach absolut nichts mit fehlendem Sozialverhalten zu tun...



    Ich kann nur sagen, dass ich dieses Streitverhalten von allen Familien kenne, mal mehr, mal weniger und eigentlich normal finde.


    Jetzt das aber: Bissverletzungen und andere ernsthafte Verletzungen fallen für mich unter zu weit gegangen. Brügeln ist okay, aber ernsthaft und extra verletzen nicht.


    Erklär es ihnen, das Raufen zwar okay ist, aber nicht verletzen. Damit meine ich nicht, dass sie sich die ganze Zeit verprügeln sollen, aber was ist gegen ein Machtkämpchen einzuwenden?


    LG Mondschein

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

  • Ich kenne das gut, auch wir haben 2 Jungs (5 & 4) mit 18-Monats-Abstand #augen
    Und ich finde das Verhalten normal. Ich erinnere mich auch an meine eigene Kindheit, mit meiner Schwester habe ich mich auch heftig geprügelt. Bis auf's Blut. Und dann wieder stundenlang selig gespielt :) Und im Nachhinein muss ich sagen, das beste wäre gewesen, unserer Eltern hätten sich komplett rausgehalten. Aber immer wieder haben wir vermittelt bekommen, dass wir unnormal und schlecht sind. Dabei haben diese Vorhaltungen nicht das geringste verändert.


    Ich rate dir zur Gelassenheit. Deine Jungs können ja offensichtlich Probleme gewaltfrei lösen - jedenfalls mit anderen...



    Zitat

    Original von Mondschein
    Erklär es ihnen, das Raufen zwar okay ist, aber nicht verletzen.


    Ich denke, solche allgemeingehalten "man macht ... nicht" bringen überhaupt nichts. Es gibt eben kein "man".
    Ich mag nicht verletzt werden, die Oma mag es nicht, Paul & Lena mögen es nicht usw. Man könnte ihnen auch sagen, dass es einem peinlich ist, wenn sie sich in der Öffentlichkeit prügeln o.ä. Aber der Rest ist m.M. nach ihre Sache, und das müssen sie (gerade als Geschwister) unter sich ausmachen.

  • Hallo, hier auch. Jungs 8 und 6 Jahre 22 Monate Abstand. Bei uns müssen beide ins Zimmer für 10 Minuten, wenn sie sich hauen. Ich bin unparteiisch, beide sind "Schuld". Es ist das Einzige was ein bisschen wirkt .
    Ich wünsche Dir viel Geduld.

    Lieben Gruss
    von
    Tanja mit den 3 Jungs

  • ich finde auch, beißen sollte absolut tabu sein. hauen eigentlich auch :D aber ich hab gut reden, ich hab ja keine zwei kinder, die vom alter her so nah beieinander sind. eigentlich gilt bei uns aber schon: wir streiten uns mit worten.


    ich denke, ich würde das nicht so dramatisch sehen, aber immr wieser klar kommunizieren, welches verhalten du erwartest, dem verletzten kind klarmachen, dass das andere kind das nicht darf und viele alternative verhaltensweisen üben. vielleicht auch freiräume für die kinder schaffen an tagen, an denen sie mit der nähe nicht so gutklarkommen.

  • Mein kleiner Bruder und ich haben uns gestritten wie die Raben. Wir haben auch schön miteinander gespielt, aber streiten gehörte dazu. Mein Bruder ist auch immer rabiat geworden und meine Mutter hat mich irgendwann dazu angehalten mich zu wehren. In der Tat hat das geholfen, mein kleiner Bruder hat gelernt, dass auf eine Aktion eine Reaktion folgen kann. Ich war nicht so gut im Hauen, aber ich konnte ihm gut alles mögliche in die Schuhe schieben, da ich verbal fitter war #schäm


    Mittlerweile sind wir beide erwachsen und verstehen uns blendend. Manchmal hab ich das Gefühl, wir haben alle unsere Konflikte schon in der Kindheit ausgetragen. Wir haben austariert, wer was kann, wer wo steht etc...

    I feel like procrastinating... but I think I'll wait.

  • Same here! Bei Luca und Johanna war das ganz genauso! (19 Monate Abstand, für die Statistik)
    Es wurde aber viel besser! Gestritten wird hier immernoch oft und heftig, aber körerliche Attacken sind selten geworden.

    "Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware, sprich, man kann sie kostenlos nutzen. Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. man darf sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen". (von unbekannt, aber ich find's extrem zutreffend)

  • Meine sind 21 Monate auseinander: Bub 3, Mädchen 5 und beide sind gleich schwer und haben die gleiche körperliche Kraft d.h sind gleichgestellt.


    Sie spielen zur Zeit oft "wir kämpfen". Bei uns gibt es klare Regeln: rangeln ja, verletzen nein. Ich lasse sie kämpfen, nach 5 Minuten weint sowieso einer und dann wird besprochen was "falsch" gelaufen ist oder wer zu weit ging. Bisher klappte es ganz gut.

  • Zitat

    Original von klosterfrau

    Zitat

    Original von Mondschein
    Erklär es ihnen, das Raufen zwar okay ist, aber nicht verletzen.


    Ich denke, solche allgemeingehalten "man macht ... nicht" bringen überhaupt nichts. Es gibt eben kein "man".
    Ich mag nicht verletzt werden, die Oma mag es nicht, Paul & Lena mögen es nicht usw. Man könnte ihnen auch sagen, dass es einem peinlich ist, wenn sie sich in der Öffentlichkeit prügeln o.ä. Aber der Rest ist m.M. nach ihre Sache, und das müssen sie (gerade als Geschwister) unter sich ausmachen.


    Sorry, aber wo steht da, dass sie ihnen eine Vorhaltung machen soll: Man macht nicht...


    Ich persönlich bin der Meinung, dass Verletzungen, wie Bisswunden absolut nicht gehen, weil sie auch gefährlich sind. Und genau das kann man den Kindern in diesem Alter schon vermitteln und zwar sehr gut.


    LG Mondschein

    Ich schreibe meine persönlichen Erfahrungen und über mein persönliches Umfeld. Manchmal schreibe ich auch davon, was mir Familie oder Freunde so berichten, das steht dann aber dabei.
    Ich schreibe nicht über ein anderes Umfeld oder andere Erahrungen und tatsächlich nicht über ein ganzes Land oder die ganze Welt.
    Dafür bin ich viel zu klein und unwissend, als dass ich der Meinung sein könnte, dass ich weiß, wie es überall so funktioniert. #herzen

    Einmal editiert, zuletzt von Mondschein ()

  • Meine beiden ältesten Söhne sind 3 Jahre auseinander. Tja, seitdem der jüngere der beiden so 5Jahre alt ist, hauen, treten und manchmal beißen sie sich. Ich möchte das nicht, aber sie machen das trotzdem #cool

  • Hier ist schon immer die alleroberste Familienregel: Wir tun uns nicht weh!


    Das gibts hier nicht und wir haben früher auch sehr schnell eingegriffen wenn die Streiterein körperlich wurden.
    Inzwischen brauchen wir das nicht mehr, die Kinder (alle, auch der jüngste) haben das prima drauf daß man sich anbrüllen darf und mit den Füßen stapfen ..


    Aber kratzen, beißen, hauen, haare ziehen ist hier nicht erlaubt.


    Seitdem wir ein schwerst mishandeltes Kind in der Familie haben hat diese Regel nochmal ne größere Bedeutung bekommen. Hier tun wir uns nicht gegenseitig weh! Die Erwachsenen sowieso nicht, aber auch die Kinder nicht.
    Und daran haben sich alle zu halten.



    Die 3 Großen machen seit Jahren Karate, sind gut in der Lage sich körperlich zu wehren. Aber sie setzen es zu Hause und in Schule/ Kiga nicht ein. Sie reden ihren Gegner allerdings völlig platt..... :)


    Liebe grüße


    Mänty

    Die langweiligsten Frauen haben die ordentlichsten Haushalte...

  • Hallo,


    Hier auch Kinder, die "draußen" dafür bekannt sind, daß sie sich nie schlagen würden und über überdurchschnittlich gute Konfliktlösungsstrategien verfügen udn sie auch anwenden - die aber untereinander durchaus auch mal "körperlich diskutieren" (Wobei die Zeiten weitestgehend vorbei sind, ich aber die Worte die nun manchmal fliegen oft nicht weniger schmerzhaft finde...) .


    Ich war übrigens 4 oder gar 5 Jahre lang sehr stolz auf mich, weil meine Kinder sich anfangs nie gerauft oder auch nur gestritten haben. Ich dachte echt, das liegt an uns tollen Eltern - nun ja, die Vergangenheitsform zeigt schon, daß es anders wurde... ;)


    Natürlich haben wir auch die Regel, daß wir uns nicht weh tun. Aber sie halten/hielten sich nun mal nicht immer daran, obwohl es nicht "erlaubt" war. Ihre Impulskontrolle war leider nicht so ausgereift, wie ich mir das gewünscht hätte (d.h. hätte ich nur die Mädchen gehabt, wäre es sicher auch kein Thema gewesen, auch wenn sie durchaus dann mitgezogen haben) . Zum Glück hatte ich immer das GEfühl, sie lernen das noch und bekam es ja auch von außen so rückgemeldet.


    Meine Erfahrung ist, daß schimpfen und strafen es noch schlimmer macht und das meine Kinder wegschicken durchaus als Strafe empfunden haben.
    Dann hörten sie im Augenblick auf, geraten aber kurz darauf noch heftiger aneinander.Denn die konkrete Situation war selten Ursache sondern maximal der Auslöser - und ein neuer Ausöser findet sich wieder.


    Ich HABE sie manchmal weggeschickt, ja, aber ganz klar dazu gesagt, daß es um mich geht - ICH mag es nicht hören und sehen, also sollten sie bitte mit Worten weitermachen - oder rausgehen und auf der Weise weiterraufen.


    Meine Erfahrung: Ursache und Auslöser sind oft verschiedene Ding, Ursachen gehen meist tiefer.


    Kriesenzeiten waren oft


    - wenn eins der Kinder seelisch nicht in der Mitte war


    - wenn eins körperlich nicht gut drauf war (aufkommende Krankheit, Wachstumsschub...)


    - wenn es Stress gab z.B. in der Schule


    - Überforderung, zu viele Erwartungen, zu wenig Zeit in Ruhe


    - aber auch Langeweile, die so tief und so nervend war, daß das Kind alleine nicht mehr rauskam (Oft auch Überforderung und Lange Weiole/Lustlosigkeit gekoppelt)


    - wenn ein Kind sich zurückgesetzt oder sonst benachteiligt fühlte, unabhängig davon, ob es ganz real so war, da zählte nur das subjektive Empfinden


    - wenn ICH seelisch nicht in meiner Mitte war und sie so meine Gefühle sozusagen "auslebten".


    DIE Lösung gibt es mMn nicht. Was passt hängt mMn von der aktuellen Situation, den jeweiligen Kindern und der eigenen Befindlichkeit ab.


    Natürlich haben wir immer wieder klar gemacht, daß Gewalt keine Lösung ist - aber das wußten sie doch auch so und konnten es anderswo auch einhalten. Es hat ihnen in dem Moment NICHT weitergeholfen, im Gegenteil, es verschlimmerte die Situation oft nur, weil sich ein Kind fast immer ungerecht behandelt fühlte und dieser Groll eben irgendwann wieder raus kam.


    Da brauchten sie konkrete Hilfe oder auch Zuwendung, Beschäftigung ect, ganz unabhängig vom akuten Geschehen, je nach dem, was eben die "tiefere" Ursache war.


    Wie gesagt, inzwischen ist es kaum noch Thema, das heißt aber nicht daß sie nun immer nett zueinander sind.


    Ach ja, eine wichtige Sache noch - ich mußte MEINEN Blick neu justieren.
    Ich habe nämlich phasenweise das Gefühl gehabt, daß sie "nur noch" streiten und "oft" auch körperlich werden. Und so haben auch die Kinder von mir in dieser Zeit eher die Rückmeldung bekommen, daß sie "oft" streiten und mich das nervt. DAS hat natürlich auch wieder ihre gesamte Befindlichkeit gewirkt und sicher nicht positiv.

    Wenn ich aber wirklich genau hingeschaut habe, habe ich gemerkt, daß sich die "lauten" Zeiten nur in der Wahrnehmung viel breiter gemacht haben als die friedlichen. Also habe ich angefangen, in meinem Herzen (und acuh meinen Worten) bewußt die Goldstückmomente zu sammeln und das hat uns allen sehr gut getan.


    Viele Grüße, Trin

  • Hallo,


    schön das alles zu lesen :D


    Trin, danke für Deine ausführlichen Zeilen.


    Sie wissen ja eigentlich das man sich nicht gegenseitig so weh tun darf, dass der eine Wochenlange die Bißspuren vom anderen auf dem Rücken hat. Dieses extreme kratzen und beißen kommt fast nur vom Kleinen zum Großen. Der Große ist eher der der draufhaut.


    Theoretisch herrscht hier die Regel das keinem ernsthaft weh getan wird. Praktisch haben sie sich im Falle des Falles einfach noch nicht soweit unter Kontrolle das sie es auch durchsetzen können. Dann legt es kurz einen Schalter und sie ticken aus.


    Aber wie setzt ich etwas durch, was ihnen egal ist? Ihnen ist es absolut wurscht ob sie danach ins Zimmer müssen, nicht mehr in den Garten dürfen weil sie sich dort permanent schlagen usw....
    Sie machen es am nächsten Tag wieder, und das seit 5 Jahren :(



    Es gibt Situationen wo ich auch nicht sofort eingreifen kann, und genau dann machen sie das. Z.b. wenn ich das Baby gerade einschlafstill oder am wickeln bin.


    Es ist auch oft so, dass sie sich viel mehr streiten wenn es mir nicht ganz so gut geht.


    Ich versuche meinen Blick zu ändern, so wie Trin schreibt.

    Liebe Grüße, Bubenmama mit Bub 10 , Bübchen 9 und Schwesterlein 3

  • Guten Morgen,


    ich kenne das auch. Bei mir sind die Jungs noch ein wenig weiter auseinander. Etwas über 3 Jahre.


    Es ging gut bis Lukas so ca. zweieinhalb bzw. drei wurde. Er vergöttert seinen Bruder nämlich über alle Maßen (auch wenn ers nie zugeben würde. :D) und immer wenn der Große dann in einen Entwicklungsschub kommt und mehr Zeit für sich beansprucht, dann ist der Kleine am sekkieren damit der Große ihn beachtet.


    Sprich: Der Große hat Interessen mit denen der Kleine nichts anfangen kann und erbittet sich, dass der Kleine ihn in Ruhe lässt. Ist ok. Für mich, für den Papa, für den Großen.
    Aber natürlich nicht für den Kleinen und der legt dann los. Das endet über kurz oder lang in Handgreiflichkeiten, der Kleine hat seine Aufmerksamkeit und ist happy. #augen


    Ich lasse sie im Allgemeinen, so lange es nicht zu bunt wird. Klar gilt auch hier "Hauen ist verboten", aber wenn sie sich streiten, dann bin ich erstmal blind und taub und schau, ob sie es allein geregelt bekommen. Kleinere Handgemenge, die unter "Raufen" fallen, "seh" ich dann auch nicht aber ich habs im Auge und schreite ein wenns ernst wird.


    Der Große weiß inzwischen, was ich darüber denke. Manchmal, wenn wir zum Kiga spazieren und Lukas holen, reden wir darüber (ich bin ja berüchtigt dafür, mit den Söhnen alles zu besprechen.) und meist hilft es. Wenn er sich mal wieder beschwert, dann erklär ich ihm, dass er für Lukas halt Der Mond und Die Sonne ist und der Lütte so Aufmerksamkeit fordert.
    Nik ist da toll, er überdenkt die Sache von sich aus und wenn wir heim kommen, dann ist ihm meist schon was eingefallen. Dann kommt sowas wie "Lukas? Wollen wir draußen einen Matschziegel basteln/eine Regenwurmfarm bauen/Löwenzahn für unsere Kaninchen sammeln" oder irgendwas in dem Dreh und die beiden sind dann auf Wochen wieder die dicksten Freunde. (Und Niklas holt sich seine Privatzeit halt dann, wenn Lukas zufrieden nach Würmern gräbt. :D)


    Niklas weiß übrigens, dass er das nicht tun muß, das ist absolut freiwillig von seiner Seite aus. Wenn er das nicht will - ist auch schon vorgekommen - dann bekommt Lukas von mir in Erinnerung gerufen, dass er nur dann in Niklas Zimmer darf wenn der das erlaubt (und umgekehrt, selbstverständlich). Und schon kann Nik sich zurück ziehen und Ruhe ist.


    In der Öffentlichkeit machen sie das übrigens nicht, auch nicht in Kindergarten und Schule. Nur daheim (Und bei den Großeltern, wo dann schon mal der nicht ganz ernstgemeinte Spruch vom Opa kam: "Ruhe jetzt, sonst prügel ich mit!", kommentiert von zwei grinsenden, komplett angstbefreiten Söhnen: "Machst du eh nicht, Opa. Ist außerdem verboten, für Erwachsene!" #augen).


    Solangs nicht zu massiv wird, wie gesagt, lass ich sie und schon meine Nerven.


    Tipps für deine spezielle Situation habe ich keine. Glücklicherweise geht es bei uns ohne so massive Spuren ab. Ich wünsch dir aber gute Nerven und einen Geistesblitz, wie du das in den Griff bekommen kannst. :)

    Liebe Grüße

    vom Hörnchen




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    ~*~ When you stop the bleeding, the sharks swim away. ~*~

    (Timber Hawkeye)

  • Danke für den Thread. Für mich kristallieren sich drei Hauptpunkte heraus: Die Verfassung der Eltern, Ursachenforschung bei den Kindern und Vermittlung alternativer Strategien.


    Meine sind zwar noch viel kleiner, der Taffel haut das Stoffelchen aber praktisch schon seit der Geburt ;(, und das Stoffelchen ist mittlerweile auch ganz gut beim Schlagen dabei.


    Mein Vater findet bis heute, dass das für Jungens eben dazugehört, und feuert seine (gleichalten) Enkel u.U. noch ein bisschen an :(.


    Ich will deshalb noch mal mögliche alternativen Strategien zusammenstellen:


    1) immer wieder drüber reden. Vor allem auch in den ruhigen Situationen. Also: Die gute Absicht wecken, statt das ungewünschte Verhalten zu bestrafen.


    2) Für mich ist es wichtig, dass die Impulskontrolle geübt wird und sich bessert, auch wenn es immer wieder zu Handgreiflichkeiten kommt. Dazu gehört auch die Erfahrung, wie doll man eigentlich schlagen kann. Beim Taffel ist ein richtiges Ausprobieren spürbar: tut es schon weh, wenn ich das Stoffelchen so stark haue? Nein? Und jetzt? Und jetzt? Und wenn dann die Schmerzschwelle erreicht ist, flieht er gleichermaßen zufrieden und beschämt unter seinen Kindertisch.


    3) Falls die Kinder die Wut spüren, bevor sie schlagen, sollten sie einen voher vereinbarten Plan B haben. Mänty sprach vom Anbrüllen und mit den Füßen stampfen. Der Taffel weiß, dass er bis 10 zählen und tief atmen kann. (Dazu muss man sagen, dass er z.Z. mit Begeisterung zählt.)


    4) "Sag es mit Worten!" Daran hängt natürlich die Möglichkeit, alle Frustrationen, Aggressionen etc. überhaupt mit Worten ausdrücken zu dürfen, ohne dafür auch wieder seitens eines Stärkeren gemaßregelt oder negiert zu werden. Und auch das Ausdrücken von Gefühlen braucht Übung und Vorbild. Hier habe ich gute Erfahrungen mit dem Paraphrasieren und Erraten der Gefühle gemacht: "Bist du vielleicht traurig, weil du gern die Trillerpfeife wiederhaben möchtest?" Und plötzlich wendet sich die Aufmerksamkeit vom Bruder ab und auf den Vater, der dem Kind die Pfeife weggenommen hatte - was das Kind zunächst kommentarlos akzeptiert hatte.


    Wunderbar übrigens: "Siblings without rivalry", da gibt es ein ganz langes Kapitel zum Thema. Ich glaube auf deutsch heißt das Buch "Hilfe meine Kinder streiten".


    Von Mänty:

    Zitat

    Hier ist schon immer die alleroberste Familienregel: Wir tun uns nicht weh!


    Das ist auch mein Ideal. Der Taffel hat aber nun mal eine ganz kurze Reaktionszeit vom Kopf in die Hände - da hat bis jetzt kein wie auch immer geartetes Eingreifen unsererseits geholfen. Und mir hilft die Vorstellung, dass wir die Impulskontrolle eben 1000 oder 5000 Mal üben müssen, damit sie dann im Erwachsenenalter sitzt (und nicht die eigenen Kinder geschlagen werden).


    Wenn ich dagegen den Vorsatz fasse: "Beißen, Prügeln etc gibt es hier nicht!" da komme ich nur selbst in Wut, weil es unserer Realität nicht entspricht.

    Woreika mit Taffel (Aug06), Stoffelchen (Dez08) und kastilischem Knurrhahn-Papa