stillen von dreijährigem

  • hallo,mein sohn ist inzwischen fast 4 jahre alt und kann sich noch immer nicht von der brust verabschieden. inzwischen fühle ich mich schon etwas exotisch.ich habe immer geglaubt er würde das interesse von alleine verlieren aber so langsam verliere ich diesen glauben und fühle mich recht hilflos.er kann nicht ohne brust einschlafen und auch wenn er aufwacht und nicht noch mal an die brust darf bricht für ihn eine welt zusammen. ich habe versucht mit ihm zu reden,daß er doch jetzt schon groß genug ist.. daß wir erstmal nur weniger stillen...wann er denkt daß wir mal aufhören...aber er verweigert total. wenn dann noch der papa versucht ihn zu überzeugen wird er richtig wütent und flippt aus.ich hab mir immer gewünscht daß das stillen so langsam endet ohne streß.ich wollte nicht die knallharte methode anwenden und von heute auf morgen abstillen oder in urlaub fahren,damit ich nicht greifbar bin.aber ich mache mir auch sorgen ob das noch normal bzw. gut für ihn ist so an mich gebunden zu sein.schließlich kann er nicht selbständig einschlafen bzw. aufwachen. schon mal vielen dank für die antwort, stefanie

  • Liebe Stefanie Frankreich,


    für mich klingt es ganz so, als ob nicht Du oder dein Sohn ein Problem haben, sondern deine Umgebung dich vollständig verunsichert (und damit auch ein Stück weit dein Kind, denn es spürt deine Sorgen, Verunsicherung und Zweifel).


    Stillen verursacht normalerweise keine "zu enge" oder gar "ungesunde" Bindung zwischen Mutter und Kind, im Gegenteil, in der Regel sind gestillte Kinder, auch langzeitgestillte Kinder eher die Kinder, die in die Kategorie "sicher gebundene Kinder" fallen. Dazu passen auch die Empfehlungen von offiziellen Institutionen wie WHO und AAP.


    Die WHO empfiehlt ausdrücklich für ALLE Kinder eine Stillzeit von bis zu zwei Jahren und darüber hinaus. Die Ernährungsempfehlungen der WHO sind (in englisch) nachzulesen unter http://www.who.int/chd/publica…eeding_young_children.htm . Es steht in der Innocenti Deklaration ausdrücklich, dass diese Empfehlungen für alle Kinder und nicht nur für Kinder in Drittweltländern Anwendung finden.


    Die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) empfiehlt ebenfalls eine mindestens einjährige Stillzeit für alle Kinder und darüber hinaus solange Mutter und Kind es wollen.


    Die neueste Verlautbarung der American Academy of Pediatrics ist übrigens sehr eindeutig. Dort steht nämlich „There is no upper limit to the duration of breastfeeding and no evidence of psychologic or developmental harm from breastfeeding into the third year of life or longer“. (Es gibt keine Obergrenze für die Stilldauer und keinen Beleb für Schädigungen hinsichtlich der Psyche oder der Entwicklung, wenn bis in das dritte Lebensjahr oder länger gestillt wird)


    Dass ein Kind sich nicht vom Vater beruhigen lässt, hängt übrigens nicht mit dem Stillen zusammen, sondern vielmehr damit, wie sich die Beziehung zwischen Vater und Kind gestaltet. Auch Väter von gestillten Kindern können von Geburt an eine gute Beziehung zu ihrem Kind aufbauen, denn sie können alles tun, nur eben nicht stillen. Es gibt auch Kinder, die nie gestillt wurden und dennoch nicht vom Vater getröstet werden oder beim Einschlafen begleitet werden können. Hier ist nicht abstillen die Lösung, sondern eine gute gemeinsame Arbeit daran, dass Vater und Kind eine gute Beziehung zueinander aufbauen.


    Schau doch mal, ob es in deiner Nähe nicht eine LLL-Stillgruppe gibt. Unter http://www.lllfrance.org/ findest Du Kontaktadressen zu LLL-Frauen in Frankreich. Ich denke, dass dir der direkte Austausch mit stillerfahrenen Frauen, die vermutlich auch bereits größere Kinder haben, dir gut tun würde.


    Liebe Grüße
    Denise