Quengelkind

  • Hallo,


    ich würde gerne mal eure Meinung hören und vielleicht habt ihr ja auch noch den ein anderen Tip.


    Zu unserer Situation:
    Meine Tochter ist jetzt ein knappes halbes Jahr (25 Wochen) alt und von Anfang an sehr "anspruchsvoll". Schon der Start war ziemlich holprig, denn sie wurde nach 15 Stunden Wehen mit Saugglocke als "Sterngucker" geboren.
    Sie braucht unglaublich viel Körpernähe, was ein Ablegen sehr schwierig macht. Unser Kinderwagen verstaubt und tagsüber schläft sie nur im Tragetuch oder in der Federwiege.
    Bis vor ca. 3 Wochen hat es abends mit dem Schlafengehen super geklappt. Sie ließ sich nach dem Einschlafritual + Stillen in ihr Bett legen und schlief gut ein (nachts kam sie ca. 2mal zum Stillen). Jetzt klappt das leider nicht mehr, sobald man sie ins Bett legen will schreit sie. Daher stille ich sie in unserem Bett und bleibe bei ihr bis sie eingeschlafen ist. Nachts schläft sie ziemlich unruhig und gegen morgen habe ich dann das Gefühl, daß ich dauerstille. Schnuller nimmt sie weder tagsüber noch abends.
    Wenn sie tagsüber auf ihrer Krabbeldecke liegt braucht sie permanente Aufmerksamkeit, auch wenn sie sich alleine mit etwas beschäftigt.
    Wenn für sie etwas nicht ok ist (ablegen, zu langweilig, zu viel los, zu müde...) dann quengelt sie. Schreien tut sie eher nicht, da ich versuche möglichst früh ihre Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen.
    Seit ca. 5 Wochen bekommt sie Beikost, was aber auch nicht gut klappt, da sie Brei nur ißt, wenn sie sich selber den Löffel in den Mund stecken darf oder sie bekommt Fingerfood. Insgesamt landen so natürlich nur mikroskopisch kleine Mengen im Magen.


    Ich liebe meine Tochter so wie sie ist und versuche ihr zu geben, was sie braucht, d.h. für mich ist es so o.k. wie es ist, wenn auch manchmal anstrengend.


    Wäre da nicht:
    1. die liebe Schwiegermutter, die der Meinung ist, daß wir unser Kind zu sehr verwöhnen, indem wir es rumtragen und bei Bedarf stillen. Sie versucht ständig uns "Tips" zu geben, wie wir sie an den Kinderwagen gewöhnen könnten.
    2. wollte ich eigentlich ab heute wieder an 4 Nachmittagen arbeiten. Unsere Tochter sollte an zwei Nachmittagen zur Tagesmutter, aber da sie sich dort auch nicht ablegen läßt, wird wohl erstmal nichts daraus. Mit meinen Eltern klappt es gut, da sie auch sehr intensiv auf sie eingehen (können).


    Kann ich mein Kind tatsächlich verwöhnen, indem ich es rumtrage oder sie bei mir habe? Sollte ich versuchen sie an den Kinderwagen zu gewöhnen? Sollte ich meine Arbeitspläne zugunsten meines Kindes verschieben? Oder es doch weiter mit der Eingewöhnung bei der Tagesmutter versuchen?
    Brauche vielleicht auch nur etwas emotionale Anteilnahme. Stecke gerade in einem Loch und frage mich, ob ich alles richtig mache und warum andere Babys so entspannt sind.


    Sorry, etwas lang gewoden....


    LG yyalraune

  • Du kannst deine Tochter nicht verwöhnen, wenn du auf ihre Bedürfnisse eingehst.
    Wenn du Hunger hast, besorgst du dir ja auch was zu essen und fragst nicht deinen Mann, wann er dir erlaubt zu essen. ;) Hör auf dein Bauchgefühl! Und Kinderwagen sind doch total umständlich - dauernd muss man schauen, ob irgendwo Treppen sind oder wo man den dann stehen lassen kann... ;)


    Mein Kind wollte auch von Geburt an immer aufrecht und an mir sein - und jetzt will sie nur noch kurze Strecken getragen werden und schaut sich die Welt lieber aus dem Kinderwagen an :) Füttern geht auch nicht - Madame möchte selber essen, wobei das dann auch nur kleinste Mengen sind.
    Es wurde bei uns schlagartig entspannter, als sie sitzen und krabbeln gelernt hat. Wahrscheinlich kann ich sie auch nur deshalb halbtags beim Tagesvati abgeben. Dass ich mit 8 Monaten an die Uni zurück konnte, war also eher Glückssache - sonst hätte ich das wohl noch um ein Semester verschoben. Mir half, dass ich für mich entschieden habe, dass es für mich auch okay gewesen wäre, wenn ich noch ein Urlaubssemester mache. Als ich das Szenario für mich im Kopf durchgespielt und akzeptiert habe, konnte ich viel gelassener an die Eingewöhnung und alles rangehen. Da war ich dann sogar leicht überrumpelt, als mein Kind sich ohne zu weinen abgeben ließ.

    Do one thing everyday that scares you - Eleanor Roosevelt
    When you reach for the stars, you may not quite get one, but you won't come up with a handful of mud either - Leo Burnett

  • Zitat

    Sie braucht unglaublich viel Körpernähe, was ein Ablegen sehr schwierig macht. Unser Kinderwagen verstaubt und tagsüber schläft sie nur im Tragetuch oder in der Federwiege. Bis vor ca. 3 Wochen hat es abends mit dem Schlafengehen super geklappt. Sie ließ sich nach dem Einschlafritual + Stillen in ihr Bett legen und schlief gut ein (nachts kam sie ca. 2mal zum Stillen). Jetzt klappt das leider nicht mehr, sobald man sie ins Bett legen will schreit sie. Daher stille ich sie in unserem Bett und bleibe bei ihr bis sie eingeschlafen ist. Nachts schläft sie ziemlich unruhig und gegen morgen habe ich dann das Gefühl, daß ich dauerstille. Schnuller nimmt sie weder tagsüber noch abends. Wenn sie tagsüber auf ihrer Krabbeldecke liegt braucht sie permanente Aufmerksamkeit, auch wenn sie sich alleine mit etwas beschäftigt. Wenn für sie etwas nicht ok ist (ablegen, zu langweilig, zu viel los, zu müde...) dann quengelt sie.


    #knuddel


    Das klingt anstrengend, war / ist bei uns aber ganz genau so. Von daher sag ich jetzt einfach mal, das ist normal und wenn es für dich so ok ist, würd ich an der Situation auch nichts ändern. Das hat auch nichts mit verwöhnen zu tun. Ich finde, man kann ein Kind nicht mit Zuwendung und Liebe verwöhnen.


    Was die Gewöhnung an die TaMu angeht, so kommt es wohl auf Eure finanziellen Möglichkeiten an, ob das jetzt schon zwingend klappen muß. Vielleicht könnt ihr die Fremdbetreuung ja noch ein wenig hinauszögern, oder Deine Eltern übernehmen erstmal, wenn es dort gut klappt? Ich persönlich hätte meine Tochter so früh nicht in fremde Hände geben wollen. Da ich aber sofort nach der Geburt wieder (stundenweise) arbeiten mußte, haben meine Eltern die Kleine in der Zeit genommen. Das klappte von Anfang an und klappt bis heute super! Sie wird jetzt ab Herbst mit knapp 2 Jahren in die Krippe gehen und ich denke, daß sie dann auch "reif" dafür ist. ;)


    Allerdings muß ich auch sagen, daß ich von einer Tagesmutter, die solch einen kleinen Wurm betreut auch erwarten würde, daß sie auf das in diesem Alter normale Nähebedürfnis auch eingeht und ein Nicht-Ablegen-Können kein Problem darstellen sollte. Wozu gibt es Tragetücher & Co.? Vielleicht solltest du bei Badarf auch nach einer anderen Tagesmutter Ausschau halten!


    Aber alles in Allem kann ich nur sagen: Entspann Dich und laß die anderen reden! :)

    Liebe Grüße!
    Sonja mit Töchterlein (*12/09)

  • Liebe yyalraune,
    ich kann mir gut vorstellen, dass du zur Zeit belastet und auch verunsichert bist. Das erste Lebensjahr unserer Kinder fordert uns enorm viel ab (alle weiteren auch ;) ). Erfahrungsgemäß geht es für viele Mütter, die in ihrem Umgang mit dem Baby einen Weg einschlagen, der vielleicht etwas abseits des „Hausbrauches“ liegt, in einem großen Maße darum, SICHERHEIT nicht nur in dem zu finden, was sie tun, sondern diese Sicherheit auch nach Außen auszustrahlen.
    Ich kann dir mit Gewissheit sagen, dass du in deinem bedürfnisorientierten, akzeptierenden Umgang mit deinem Baby auf einem guten Weg bist. Klar gibt es auch andere Ideen, wie man mit einem Säugling „tun“ kann – versuch dich davon abzugrenzen und nicht zuviel Energie dafür zu verschwenden, dich mit Dingen auseinanderzusetzen, die sich von vorneherein für dich nicht richtig anfühlen.
    Ich glaube, dass viel Sachinformation und fundiertes Wissen dabei helfen können, mehr Sicherheit zu gewinnen und innerlich ruhiger zu werden in dem, was man tut. Erstaunlicherweise hören viele Außenstehende damit auf, einen mit „guten Ideen“ zu bombardieren, sobald man ihnen nicht mehr das Gefühl gibt, man würde sie um Rat fragen. Vor allem Schwiegermütter scheinen oft richtiggehend zu „riechen“ ;), wenn man sich in manchen Punkten nicht ganz sicher ist.


    Zu deinen konkreten Fragen:
    Kann ich mein Kind tatsächlich verwöhnen, indem ich es rumtrage oder sie bei mir habe?


    Nein, kannst du nicht, dein Baby wird sich daran gewöhnen, immer ganz nah bei dir zu sein, dennoch wird es, wenn es soweit ist, sich von dir ablösen.


    Sollte ich versuchen sie an den Kinderwagen zu gewöhnen?


    Wenn dir der Kinderwagen praktisch erscheint, und es dich ein wenig entlasten würde, wenn deine Kleine von anderen Familienmitgliedern, die vielleicht nicht so gerne tragen, herumkutschiert werden könnte, dann könntest du es versuchen. Viele Kinder lieben den Wagen, viele auch nicht, beides ist absolut im Normbereich.


    Sollte ich meine Arbeitspläne zugunsten meines Kindes verschieben? Oder es doch weiter mit der Eingewöhnung bei der Tagesmutter versuchen?


    Diese Frage solltest du vielleicht eingehend mit deinem Partner diskutieren. Überleg genau, wo deine Priorität liegt, was wirklich wichtig ist für dich, wie sehen eure finanziellen Möglichkeiten aus, wie schauts mit deiner beruflichen Karriere aus?
    Diese Entscheidung verlangt innere Klarheit, dann wird es bei Bedarf auch möglich sein, eure Kleine gut einzugewöhnen. Schön übrigens, dass es bei deinen Eltern so gut zu klappen scheint, das ist eine unheimlich wertvolle Ressource.


    Du wirst sehen, es kommen wieder Phasen, in denen auch deine Tochter sehr entspannt sein wird, ich denke mir, es ist liegt ganz oft auch daran, wie manche Kinder „präsentiert“ werden, und wie reflektiert die Eltern sind – das ist aber nur meine persönliche Meinung.


    Ich wünsch dir erstmal alles Gute und hoffe, dass du dich bald wieder ein wenig besser fühlst. Als Tipp noch: wir haben einige seriöse Artikel zu diesem Thema auf unserer Website, vielleicht magst du da mal reinschnuppern.
    Alles Gute! :)

  • hallo yyalraune.
    wollte auch nochmal kurz was schreiben...
    ich finde, dass du von deiner tochter sehr viel verlangst. das ist nicht böse gemeint! sie ist erst ein halbes jahr alt! da muss sie nicht alleine auf der decke spielen können. und klar quengelt sie, wenn ihr etwas nicht past. wie soll sie es sonst ausdrücken? sprechen kann sie ja noch nicht. das einschlafverhalten ändern ist auch völlig normal. bei uns hat das im ersten jahr ständig gewechselt. und auch das mit dem essen find ich total ok. hier wurde eigentlich so gut wie kein brei gegessen und fingerfood ist doch eine klasse alternative!


    Zu deiner schwiegermutter kann ich den anderen nur zustimmen. man kann sein kind nicht verwöhnen...in dem alter schonmal garnicht! die kleinen machen nichts aus list oder planen ihr schreien. das ist alles intuitiv und von der natur so gedacht, dass sie nach ihren elementaren bedürfnissen rufen. zudem ist es deine tochter, nicht die deiner schwiegermutter. du bestimmst und dein mann. kein anderer!!! Lass dir nicht reinreden. schreien kräftigt auch nicht die lunge etc. du weißt es doch besser.
    Wenn du die möglichkeit und die "lust" hast die arbeit ein bisschen zu schieben würde ich das wahrscheinlich so machen. was sagt dein gefühl? ist die kleine bereit sich zu trennen?


    alles alles gute und immer mantramäßig vor sich her sagen: in ein paar wochen sieht alles schon ganz anders aus :)

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für Eure Antworten. Das war eigentlich auch das, was ich gerne hören wollte ;-). Jetzt ist soweit alles wieder ok, ich verlasse mich wieder nur auf das, was mein Gefühl mir sagt und mache es so wie ich es für richtig halte (und damit kommen wir auch prima zurecht, ich bin zufrieden und v.a. meine Tochter auch). Ich war nur etwas deprimiert bzw. verunsichert, da mein Umfeld mir das Gefühl gegeben hat, ich würde irgendwie alles falsch machen.
    Ich arbeite jetzt etwas weniger als geplant und meine Mutter betreut meine Tochter für 3mal 3 Stunden in der Woche. Das klappt bisher gut und sie fühlt sich dort wohl.
    Zur Tagesmutter geht sie erstmal nicht.


    LG und vielen Dank!