an die Lehrerinnen - oder - Stellenpokern mit dem Schulleiter

  • Ich hoffe der Titel sagt einigermaßen was aus. Ich brauche Feedback. Achtung wird lang.


    Seit Sommer 2009 arbeite ich als Französischlehrerin an einer Realschule. Ich bin keine ausgebildete Lehrerin, sondern habe einen Fachhochschul-Diplomabschluss im Bereich Sprachen und bin über den Seiteneinstieg zum Unterrichten gekommen. Französischlehrer waren (sind?) rar, ich hätte mir damals die Schule aussuchen können (hatte quasi drei zur Auswahl). Die an der ich jetzt bin gefällt mir, sie ist örtlich nah (7 km), die Schüler kennen mich mittlerweile und ich scheine die Sache nicht allzu schlecht zu machen, zumindest wählen deutlich mehr 6-Klässler Französisch weiter als alle Jahre zuvor, die Kollegen sind soweit ok (Ausnahmen gibt es überall), es sind einige Punkte, die mir dort sehr gefallen. Der Job macht mir Spaß (meistens zumindest), ich möchte das gerne weitermachen.
    Ich hatte bisher nur Vertretungsverträge für 1 Jahr und hatte jetzt gehofft, dass ich zum nächsten Schuljahr eine feste Stelle kriege, auch mit mehr Stunden und natürlich mehr Geld. Wir haben gerade gebaut und müssen jeden Pfennig umdrehen. Hätte ich nicht gedacht. Mitte des Monats ist das Geld meistens weg und ich warte immer dringend auf mein Gehalt.
    Obwohl ich dem Schulleiter vor kurzem gesagt habe, dass ich gerne weitermachen möchte, auch mit einem zweiten Fach und mit voller Stundenzahl (bisher 16 Stunden), habe ich heute erfahren, dass Französisch nicht ausgeschrieben wird, obwohl derzeit nur eine (!) fest angestelle Kollegin für das Fach an der Schule ist (bei 800 Schülern, wir sind zu dritt in der Fachschaft) . Die andere Kollegin war im letzten Herbst nach 12-jähriger Lehrpause noteingesprungen, weil ein Kollege erkrankte und immer noch krank ist. Allen ist klar, dass er nicht wiederkommen wird, er hatte Ärger mit den Schülern, der Schulleitung, ihm stand (weiß nicht mehr wie man das nennt) ein Verfahren bevor, weil Eltern sich massiv und immer wieder beschwert hattten über ihn. Er machte nur noch Dienst nach Vorschrift (so wurde mir berichtet) und wartete auf seine Pensionierung (er ist Ende 50).


    Der Schulleiter spekuliert also offensichtlich darauf, dass ich wieder nur einen befristeten Vertrag unterschreibe. Mit weniger Geld als bei einer festen Stelle. Jetzt beginnt das Pokerspiel. Ich weiß, dass, selbst wenn ich morgen noch mit ihm rede, die Stellenausschreibungen beschlossene Sache sind (Englisch, Deutsch, Sport wird gesucht). Eine feste Französisch-Stelle wird nicht mehr ausgeschrieben für das nächste Schuljahr. Dabei hatte ich so fest damit gerechnet.


    Ich bin nun hin- und hergerissen. Bisher habe ich keine Stellenausschreibung für eine andere Schule gefunden, aber die laufen auch gerade erst an. Ich hoffe dass eine alternative Schule jemanden für Französisch sucht. Aber würde ich wirklich wechseln wollen? Neue Kollegen, neue Schüler, neues Lehrbuch womöglich, alles neu.


    Ich finde das so gemein und berechnend vom Schulleiter. Ich habe mich 2 Jahre lang wirklich bemüht, habe mich engagiert, morgen leite ich den Infoabend für die Eltern der 6-Klässler zur Wahl der Differenzierungskurse, zeige den 7-Klässlern 2 Tage lang Paris (48 Stunden Dauereinsatz und echt kein Zuckerschlecken), war mit auf Klassenfahrt, habe hier Gruppen betreut und dort, leite die Spanisch-AG (die er sich groß auf die Fahne schreibt) und und und...


    An die Lehrerinnnen hier: hab ich noch irgendeinen Trumpf in der Hand? Ich möchte schon gerne an der Schule bleiben, aber nicht um jeden Preis. Wenn weder hier noch dort, stünde ich vor dem beruflichen Fragezeichen!
    Was ratet ihr mir? Ich will ne feste Stelle! Ach Mist! Ich bin eine gute Lehrerin glaub ich (wenn auch noch mit didaktischen Defiziten, aber die werden immer mehr ausgemerzt, ich lerne und lerne), das muss doch irgendwann gewürdigt werden


    Alle Denkanstöße sind willkommen!

  • Warst Du schon mal beim Schulamt und hast Dich dort über Deine Chancen informiert, bzw. Interesse an einer festen Anstellung signalisiert? Wäre ein Seiteneinstieg über ein Referendariat eine Option? Oder hast Du das bereits gemacht?
    Oft wird nicht ausgeschrieben, wenn klar ist, dass es zu wenig Bewerber gibt. Die Angst dabei: Es gibt nur zwei Bewerbungen auf die Stelle, der Wunschkandidat springt ab und der fürchterliche zweite Bewerber muss genommen werden.


    Alles Gute Dir!

    LG
    rotesPesto mit ♂ Frühling '10, ♂ Sommer '06 und ♂ Herbst '12

  • In welchem Bundesland bist du denn?


    Ich würde auch mal versuchen, ein Gespräch beim Schulamt zu führen. Es werden doch nicht alle Bewerber durch die Schulen selbst ausgesucht (oder hat sich da was geändert?)?


    Bist du Mitglied in einer Gewerkschaft oder einem Lehrerverband? Vielleicht können die noch Tipps geben?!

  • Ich würde auch eine Bewerbung an das Schulamt schicken, bei uns in Nds. werden nicht alle Stellen als Schulstellen angeboten.
    Für mich war es auch nicht klar, ob du Refendariat gemacht hast, oder dein Abschluss anerkannt wurde, usw. Es kann sein, dass die Stellen nicht ausgeschrieben wurde, weil er Schulleiter dich eigentlich gar nicht nehmen kann und andere Bewerber wären nicht da (wie schon AnneK geschrieben hat).


    LG

  • Ist es nicht so, dass man nach drei befristeten Verträgen hintereinander sowieso den Anspruch auf eine unbefristete Stelle hat #gruebel, irgendsowas liegt mir an. Oder ist das in Schule anders?


    Viel Glück und liebe Grüße,
    stjarna

    Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen. (Astrid Lindgren)

  • Zitat

    Original von stjarna
    Ist es nicht so, dass man nach drei befristeten Verträgen hintereinander sowieso den Anspruch auf eine unbefristete Stelle hat #gruebel, irgendsowas liegt mir an. Oder ist das in Schule anders?


    Viel Glück und liebe Grüße,
    stjarna


    Das dachte ich auch..

  • Zitat

    Original von Treibgut
    Ich bin nun hin- und hergerissen. Bisher habe ich keine Stellenausschreibung für eine andere Schule gefunden, aber die laufen auch gerade erst an. Ich hoffe dass eine alternative Schule jemanden für Französisch sucht. Aber würde ich wirklich wechseln wollen? Neue Kollegen, neue Schüler, neues Lehrbuch womöglich, alles neu.


    Ich finde das so gemein und berechnend vom Schulleiter. Ich habe mich 2 Jahre lang wirklich bemüht, habe mich engagiert, morgen leite ich den Infoabend für die Eltern der 6-Klässler zur Wahl der Differenzierungskurse, zeige den 7-Klässlern 2 Tage lang Paris (48 Stunden Dauereinsatz und echt kein Zuckerschlecken), war mit auf Klassenfahrt, habe hier Gruppen betreut und dort, leite die Spanisch-AG (die er sich groß auf die Fahne schreibt) und und und...


    Kurz und knapp und aus dem Bauch heraus:
    Wenn du eine andere Chance siehst, dann nutze sie!
    Wenn es gegen deine Moralvorstellung geht, dann gehe ganz offen und fordernd deinem Chef gegenüber vor, aber sonst: mach, dass du Land gewinnst.
    Nicht umsonst verdienen Frauen weniger, als Männer - sie nehmen mehr hin, schlucken mehr ihren Ärger hinunter und fordern weniger.

    Liebe Grüße
    Martina


    Tochter 05/2004
    Sohn 04/2015

    Tochter 01/2019

  • Zitat

    Original von stjarna
    Ist es nicht so, dass man nach drei befristeten Verträgen hintereinander sowieso den Anspruch auf eine unbefristete Stelle hat #gruebel, irgendsowas liegt mir an. Oder ist das in Schule anders?


    Viel Glück und liebe Grüße,
    stjarna


    Ich glaube, das ist bei Lehrern anders. Diese Regelung greift meines Wissens dann, wenn die Verträge jeweils aneinander anschließen, ohne Pause. Lehrer werden aber in den Sommerferien nicht bezahlt. Damit hat man nicht nur noch weniger Geld, man schließt auch jedesmal einen ganz neuen Vertrag ab, ohne Recht auf feste Anstellung. Weil man ja zwischendurch gar nicht angestellt war.


    Das war so mein letzter Kenntnisstand, aber meine Hand lege ich dafür nicht ins Feuer. Vielleicht hat jemand fundierte Kenntnisse.


    edit: Ich würde die Festanstellung nehmen, auch an einer anderen Schule.

  • Mein Diplom wird nicht anerkannt (FH-Studium) und ich habe kein Refrendariat gemacht, darf ich auch gar nicht. Was ich machen könnte wäre eine "pädagogische Einführung". Die dauert ein Jahr, man kriegt zwar Unterrichtsbesuche, geht 1 mal pro Woche ins Seminar, wird aber nicht benotet. Man lernt wohl die Grundlagen. Toll, nach 2 Jahren unterrichten hab ich die jetzt auch drauf, das wichtigste ist doch als Person vor den Schülern bestehen, und das habe ich.
    Schulamt, hm. Hier (NRW) schreiben die Schulen selber aus, außer glaub ich A13-Stellen und so. Die Schule weiß ja selber genau was sie braucht.


    Ach Mensch, ich seh richtig meine berufliche (und finanzielle) Zukunft den Bach runter gehen. :(

  • Das mit den 3 befristeten Verträgen und danach unbefristet ist leider nicht so.


    Eine Freundin von mir, hat Grund- und Hauptschullehramt studiert und hatte leider einen 3,2 er Schnitt im Abschluss.


    Sie hat ganz normal das Refrendariat gemacht und später die Arbeit begonnen. Da sie leider aufgrund ihres Schnittes NIE in den Kreis der Verbeamtungen kam (der Schnitt ändert sich jedes Jahr), wurde sie ebenfalls jedes Jahr zum Schuljahresende gekündigt, um zu Schuljahresbeginn wieder eingestellt zu werden.


    Nach 5 Jahren läuft wohl die "Beamte auf Probe"-Phase ab. Sie wurde nie verbeamtet und bekam dadurch auch kein festes Arbeitsverhältnis.


    Und da sie meint, dass sich das nie ändern würde, arbeitet sie gerade nur 50 % und macht nebenher an der PH noch den Realschullehrer, um eine weitere Chance auf Verbeamtung zu haben... (wenn das nicht bald abgeschafft wird)


    @ Treibgut: Was spricht denn dagegen, das Ref nachzumachen um dann bessere Chancen zu haben?


    Liebe Grüße
    Blümchen

    Nette mit Papa und Juju (April '07) und Mausi (Dez '08 ) Mäusebutz (Sept '12) Chefzwerg (Nov '14) und ?? (Feb '17)

  • Zitat

    Original von Schlüsselblume
    Was spricht denn dagegen, das Ref nachzumachen um dann bessere Chancen zu haben?


    Mein Studium wird nicht als erstes Staatsexamen anerkannt. Wie gesagt, ich kann nur eine sogenannte "pädagische Einführung" machen, dauert 1 Jahr und ist für Seiteneinsteiger gedacht. Um diese allerdings machen zu können brauche ich eine feste volle Stelle, die ich aber an dieser Schule im Moment nicht kriege. Ob überhaupt jemals bezweifle ich mittlerweile.


    Gott sei Dank habe ich die letzten Sommerferien bezahlt gekriegt und mein jetziger Vertrag läuft auch bis nach den Ferien.


    Danke hier mal für alle Antworten!

  • Wieso wurden dir die letzten Sommerferien bezahlt? Lief dein Vertrag da auch über die Sommerferien?
    Hakt es vielleicht hieran? Wäre das dein 3. Vertrag ohne Pause zwischendrin? Nach dem du dann unbefristet angestellt werden müsstest?
    *ganzbösfrag*


    edit: RSF


  • In welchem Bundesland lebst du denn? In vielen gibt es nämlich die Möglichkeit, das Ref. auch ohne 1. Staatsexamen zu machen. Besonders, wenn es sich um eines der "gefragten" Fächer mit Lehrermangel handelt. In Bayern macht man dann zusätzlich noch ein paar Wochenendblockseminare.
    Allerdings müsstest du dann wohl wirklich ein zweites Fach haben.
    Viele Diplomphysiker werden hier Mathe- und Physiklehrer, zwei Jahre Ref., zwischendurch die Seminare und am Ende 2. Staatsexamen.

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                        #wisch

  • Zitat

    Original von Haselmaus
    In welchem Bundesland lebst du denn?


    Sie schrieb, sie sei in NRW.

    *Männer sind mitgemeint*


    An all dem Unfug, der hierzulande und auch anderswo geschieht, sind nicht nur die Anstifter schuld, sondern auch diejenigen, die ihnen nicht widersprechen. (Erich Kästner)

  • Sie hat einen FH-Abschluss. Selbst wenn sie sich auf den Kopf stellt, FH-Abschlüsse werden nicht als Referendariatsqualifizierend anerkannt. Mein Uni-Abschluss kann als Staatsexamen anerkannt werden, aber ein FH-Abschluss nie. Ist beamtenlaufbahnsrechtlich geregelt.


    Ich vermute ehrlich gesagt auch, dass dein Schulleiter pokert. Ich hab das schon häufg gehört, dieses Problem mit den befristet eingestellten Lehrern, mit denen man letztendlich machen kann was man will.


    Meines Wissens greift die Regel mit den befristeten Verträgen übrigens auch dann nicht, wenn (unterschiedliche?) sachliche Gründe gefunden werden für die Befristung.


    (ich vermute eine Verbeamtung steht sowieso nicht zur Debatte, nur eine unbefristete Tv-L-Anstellung?).

  • Ups, dann sorry, ich hatte sowohl NRW als auch FH überlesen #schäm

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                        #wisch


  • Du triffst den Nagel auf den Kopf! Ganz genau so sieht die Situation bei mir aus.


    Seit gestern steht eine feste Stelle, offen für den Seiteneinstieg, im Internet. Die Realschule ist 18 km entfernt (doppelt so weit wie meine jetzige, aber immernoch machbar), ich werde morgen mal versuchen den Schulleiter zu erreichen um vorzufühlen. Die suchen wohl französisch + beliebig und englisch + beliebig mit der Bereitschaft zum Zertifikatskurs englisch. Ich will aber nicht 2 Sprachen, obwohl ich englisch sicherlich könnte (hatte Englisch-LK). Lieber wäre mir Kunst, wozu ich mich auch berufen fühle. Habe vor dem Studium eine handwerkliche Ausbildung gemacht.


    Zur Ferienbezahlung: von 2009 bis 2010 lief der Vertrag vor den Ferien aus, ich unterschrieb aber dann schon den für das nächste Schuljahr, kriegte also die Ferien bezahlt (sonst hätte ich auch nen Aufstand gemacht). Der jetzige Vertrag läuft bis zum letzten Tag der Ferien.