Unglücklich - leider lang geworden...

  • Liebe alle!


    Ich habe zwei Söhne, knapp 4 und 20 Monate. Mein Mann studiert noch, ich kann nicht arbeiten, aber dafür ist er viel zu Hause und ich verdiene ab und zu was, so dass wir einigermaßen über die Runden kommen, naja, die Großeltern schießen noch was dazu, womit ich mich inzwischen abgefunden habe. Nr. 1 geht ein paar Stunden tagsüber zur Tagesmutter und das gefällt ihm auch sehr gut.
    Wir haben allerdings berufstechnisch und ehemäßig schwere Zeiten. Heute Abend sagt mein Mann zu mir: Kannst du eigentlich nie richtig glücklich sein.
    Die gesamte Vorgeschichte ist ja auch im Grunde egal. Ich habe nur als mein Mann dies zu mir sagte gemerkt, dass ich genau das Gegenteil von dem bin, was ich sein möchte.


    Ich möchte gerne eine unkomplizierte und fröhliche Mutter sein, die ihr Kind trägt und stillt nach Bedarf, damit es zufrieden und selbstbewusst wird. Eine, die sich auch um 2 Kinder kümmern kann, eine, die den Kleinen umherträgt und mit dem Großen nebenbei spielt. Ich glaube nicht, dass mir dazu die Kräfte fehlen würden. Und doch fühle ich mich oft nur müde und schwach (bin auch des öfteren krank, Brustentzündung, Kehlkopfentzündung, Nebenhöhlenentzündung jetzt), ich könnte den ganzen Tag nur schlafen, obwohl unsere beiden inzwischen beide ziemlich gut schlafen (mir also nich viel Schlaf fehlt). Immer, wenn es nur geht, gebe ich die Kinder meinem Mann (beide), denn ER schafft es ja prima mit beiden. Ich bin meistens nach 5 Minuten genervt, weil beide schreien und unzufrieden sind. Mein Mann hat den Kleinen stundenlang im Manduca, macht dabei den Haushalt und der Kleine schläft oder auch nicht und ist zufrieden. Ich hingegen gehe mal mit ihm in den Supermarkt und er schreit den ganzen Laden zusammen. Die Kassiererin hat uns schon wiedererkannt. Mit dem Tragetuch komme ich gar nicht zurecht, im Manduca scheint der Kleine unzufrieden. Trage ich ihn so auf dem Arm oder lege ich ihn mal hin, dann schreit er entweder oder ich kann mich nicht gut um den Großen kümmern. Es scheint so, als könnte ich meinen Kindern nicht im Mindesten das geben, was sie brauchen. Ja, und jeder scheint mir schweigend zuzustimmen, denn alle wollen mir immer nur die Kinder "abnehmen" (damit ich in Ruhe den Haushalt machen kann, die Steuererklärung oder was auch immer). Ich bin überhaupt nicht verspannt! Mein Sohn (Nr. 1) darf alles essen und trinken (da sind doch andere viel strenger), er darf sich dreckig machen, es darf unordentlich sein usw. Der Kleine wird gestillt, wenn er danach noch quakig ist und mehr will, kriegt er's, abends schön clustern usw. Ja, das Trageteil findet er ja meistens ätzend (als er ganz klein war nicht so, eher jetzt), obwohl ich ihn bis ans Ende der Welt tragen würde.
    Ich habe gar kein Leben mehr, und das ist es genau, was ich nicht wollte. Ich wollte aus unsere schönen Zweisamkeit (mein Mann und ich) ein Dreisamkeit, dann eine Viersamkeit machen. Warum klappt es nicht? Warum kann ich meine Kinder nicht zufriedenstellen? Selbst wenn ich morgens mit bester Laune ausgeschlafen aufwache, bestimmt hängt nach 'ner halben Stunde wieder der Haussegen schief.


    Im Moment habe ich das Gefühl, alles das, was ich versuche, klappt nicht, sondern bringt nur Unheil. Mehr als einmal habe ich mir gesagt, meine Kinder wären mit einer anderen Mutter besser dran. Habe schon oft dran gedacht, bei Nacht und Nebel auszurücken. Wenn die Kinder sowieso unzufrieden sind und ich immer das Gefühl habe, alles verteidigen zu müssen (ich hatte einen Job in Aussicht, wenn der Kleine 7 Monate ist, da war für meine Mutter natürlich "klar", dass ich dann abstille, sie würde ja auch mal den Kleinen nehmen, wenn ich was zu arbeiten habe, aber das geht ja nicht, denn er nimmt ja nicht die Flasche, ja, eben alles wegen dem Stillen, außerdem würde sie ja auch gern mal den Kinderwagen schieben - "Was? Habt ihr ihn denn noch nie in den Kinderwagen gelegt?"), dann kann ich doch abstillen, und wozu dann noch erst versuchen zu tragen?


    Dazu kommt noch meine große Unzufriedenheit wegen meiner Figur. Ich habe die zweite Schwangerschaft mit 8 Kilo mehr gestartet und dann aber ganz wenig zugenommen, jetzt habe ich in den letzten 4 Monaten fast 10 Kilo drauf. Trotz vollstillen. Das kleinste Ereignis negativer Art wirft mich aus der Bahn, um meine Gefühle zu töten und meine dauernde Müdigkeit zu bekämpfen, muss dann eben die (Frust-)Schokolade her. Ich weiß, wie man sich ernährt, ich habe mal 20 Kilo abgenommen und das Gewicht dann 2 Jahre bis zu meiner ersten Schwangerschaft gehalten. Aber mir fehlt einfach die Motivation, ja, die Freude am Essen, es ist eben meistens nur noch essen aus Frust. Natürlich erzeugt das noch mehr Frust, wenn einem nichts mehr passt.


    Wieso bin ich als Mutter so schwach und ungeeignet? Manchmal habe ich das Gefühl, ich liebe meine Kinder nicht mal richtig. Wie kann das Leben so traurig weitergehen, wenn der Beginn so wunderbar war? Ich hatte zwei Spontangeburten, eine mit Beleghebamme, eine mit derselben Hebamme (der besten der Welt ;) ) zu Hause.


    Ich wäre froh und dankbar für Hilfe oder von mir aus eine dicken Tritt in den Allerwertesten.


    Danke,


    Floria

  • Hast du schon einmal Babyblues in Betracht gezogen? 4 Monate nach der Geburt wuerde da noch sehr gut passen.


    Fuehl dich einfach mal umarmt.

    Birth is not only about making babies. Birth is about making mothers - strong, competent, capable mothers who trust themselves and know their inner strength.

  • Hallo Floria,


    ich würde erstmal zu meinem Arzt gehen und ein großes Blutbild machen inkl. Schilddrüsenwerte und Vitamin D3 Speicher etc...dann dazu die Idee von Glockenbaum.


    Alles Gute - Du schaffst das !!! Und wegen 8 kg mehr brauchste Du Dich nicht schlecht oder minderwertig fühlen. Du hast schließlich 2 Kinder.

    Tierliebe Grüße



    Man kann ohne Hund leben, aber es lohnt sich nicht. (Heinz Rühmann)

  • Du erwartest ganz schön viel von dir. Halte dir doch lieber mal vor Augen, was du alles leistest - du hast zwei Schwangerschaften und Geburten innerhalb von 16 Monaten durchgestanden, Hut ab! :) Du ernährst dein Baby, du gibst dein Bestes. Ist doch schön, wenn dein Mann so gut mit den beiden kann. Genieß es und nutze jede Minute zum Ausruhen und Regenerieren. #ja


    Ich würde auch mal in Richtung Babyblues denken, wenn es so gar nicht besser wird. Kann ja auch sein, dass du das noch aus der Anfangszeit mit deinem Großen rumschleppst. :S Alles Gute! #blume

    mit Sohn groß (2007) und Sohn klein (2010)

  • Ich mußte auch gleich an Babyblues denken. Mach doch mal einen Termin mit Deiner Hebamme und rede mit Ihr darüber. Vielleicht kann Sie Dir weiter helfen. Oder Dir Stellen nennen an die Du Dich wenden kannst. Beispielsweise eine Gesprächstherapie.
    Und wenn ich darf ... #knuddel
    Ich kenne diese Gefühle die Du beschreibst so gut. Auch die Gewichtsproblematik. Und ich habe nur ein Kind, gehe aber 4 Tage die Woche arbeiten.
    Ich fühlte mich auch immer so unglücklich. Mache jetzt seit 4 Wochen eine Gesprächstherapie und sie tut mir soooo gut.

  • Fühl Dich gedrückt.


    Laß bitte dringend Deine Schilddrüse untersuchen- am besten auch auf Antikörper, denn viele Frauen haben trotz normaler Werte nach einer Schwangerschaft eine Unterfunktion und die kann übrigens auch zu der Gewichtszunahme beitragen!


    Und zur depressiven Stimmung mit sich überfordert fühlen.


    Alles Gute!


    Ich würde mittlerweile immer erstmal alles körperliche untersuchen lassen- es wird einem viel zu oft erzählt, es komme vom Stillen oder den Kindern oder oder oder- und in Wirklichkeit braucht man einfach nur eine Hormonergänzung durch Thyroxin..und wenn mand ie hat, fühlt man sich plötzlich normal und alle Symptome verschwinden.

  • Erstmal vielen Dank für eure Antworten!! #herzen Danke für euer Mutmachen, es ist wirklich erleichternd, zum einen das "sich ausheulen", zum andern wenn man liest, dass andere auch "kämpfen" (vor allem um das blöde Gewicht...). Also, eig. habe ich jetzt etwa 20 Kg mehr drauf als vor der ersten Schwangerschaft, habe mich wohl nicht so gut ausgedrückt....


    Auf den Gedanken, dass noch eine körperliche Ursache dahinter stecken könnte, bin ich tatsächlich nie gekommen. Aber das muss ich unbedingt mal abchecken, denn ich meine, dass meine Mutter mal was mit der Schilddrüse hatte, als ich klein war. 8o Die Symptome könnten echt passen, hab mal im Inet danach geschaut!


    Fürchel: Merkwürdig, dass du es so schreibst, denn ich hab doch eig. gar nix über den Großen so explizit geschrieben? Wir wurden in der ersten Nacht getrennt im Krankenhaus, das läuft mir tatsächlich noch nach. Aber sind andere Frauen nicht viel schlimmer dran? Es war 2 Uhr nachts, mein Mann war todmüde. Dann haben sie Untertemperatur festgestellt (meine Hebamme war leider schon nach Hause gegangen) und ihn in mehreren Schichten eingepackt zu mir ins Bett gelegt (wie sollte er da wohl meine Körperwärme abkriegen, jetzt wüsste ich es besser). Und dann eine Stunde später war die Temperatur natürlich noch nicht besser, dann haben sie ihn mitgenommen und er musste ins Wärmebett. Ich war schwach und kraftlos von der Geburt, hatte einen Kreislaufzusammenbruch im Kreißsaal, konnte mich nicht wehren.....
    Kann ein Babyblues durch so ein winziges Ereignis hervorgerufen werden, der dann praktisch jetzt "wiedergekommen" ist (obwohl bei der Hausgeburt mit Nr. 2 alles prima lief...)? Es waren ja praktisch nur ein paar Stündchen...


    So viel "alles Gute" - dann muss ja was ankommen!! 8-) Ich werd' mir das mal wieder durchlesen, wenn ich mal wieder heulen muss!! Danke euch und einen sonnigen Tag!

  • Den Babyblues kann man lange, lange mit sich rumschleppen. Meine Freundin hat ausgewachsene Depressionen entwickelt und im Nachhinein ist klar, dass es eigentlich schon seit der Jahre zurück liegenden Geburt des ersten Kindes begonnen haben muss. Pass auf, dass du da nix verschleppst! :S Außerdem dachte ich mir, der Hormoncocktail und die Anstrengungen der letzten 1,5 Jahre müssen bei dir ja heftig gewesen sein und es wäre kein Wunder, wenn du jetzt einfach ausgebrannt bist. Dass da außerdem noch die erste Zeit mit dem Großen unverarbeitet ist, ist natürlich umso heftiger... #knuddel

    mit Sohn groß (2007) und Sohn klein (2010)

  • Liebe Floria,


    ich kann mich tatsächlich nur meinen Vorschreiberinnen anschließen - ich habe das Gefühl, dass du hier wirklich schon sehr gut beraten wurdest.
    Vielleicht magst du dich ja nochmal melden, wenn du einen kleinen Schritt "weiter" gekommen bist, du kannst natürlich auch so jederzeit "klingeln".
    Du hast wirklich sehr Großes geleistet in den letzten Jahren, und bist die beste Mutter, die deine Kinder haben können - nämlich IHRE.
    Zur Aussage deiner Mutter fiel mir spontan noch ein, dass es unter Umständen auch sein könnte, dass sie... "aus richtigen Gründen etwas Falsches sagte"... ich meine damit, dass wir uns oft sehr von Aussagen unter Druck bringen lassen, die manchmal nur getätigt werden, um Hilfbereitschaft oder Sorge zu signalisieren, und einfach ein bisschen ungeschickt formuliert sind.


    Ich wünsch dir von Herzen alles Gute!


    Susanne :)