kind verreist allein mit papa und ich hab angst

  • es was klar, dass es irgendwann ansteht und jetzt ist es soweit. der vater meiner tochter (leben getrennt) fährt von freitag auf samstag mit ihr 400km weit zu seinen eltern. sie hat lust, sagt sie und es wird sicher gut klappen. sie ist 5 und schläft seit sie 2,5 ist regelmäßig bei ihm... aber ich habe eine wahnsinns angst. ganz irrational, aber das frisst mich auf. es gibt ein paar rational nachvollziebare gründe - seine eltern sind sehr übergriffig, sie fahren mitten ins ehec hochgebiet, fr 5 stunden zugfahrt und samstag auch wieder sind ziemlich stressig... aber das ist es alles nicht... es ist was ganz beklemmendes, was ich nicht zu fassen kriege. es ist auch nicht so, dass ich es ihnen nicht gönne. das kann sicher schön werden... mir fällt der satz meiner hebamme ein, sie habe ihre säuglinge nicht weiter als nabelschnurlänge weg gut ertragen können und es geht wohl eher in die richtung. nabelschnur ist nicht mehr maß, klar. aber 400km? mir macht das angst und vielleicht ist das ja auch einfach ganz normal und dann würd ich gern wissen, wie ihr mit diesem gefühl umgegangen seid bzw umgeht? was mach ich denn dann nur die ganze zeit lang? und die szene, die nicht aus meinem kopf verschwindet ist, kind hat 400km weit weg einen unfall und ich komme aufgrund der entfernung, da ist sie dann schon tot :( dieses im zweifelsfall nicht schnell genug da sein können ist es, glaube ich, was mich verrückt macht... wie gehe ich denn damit um, so dass ich nicht bis freitag vollkommen verrückt bin?

  • hallo alias,


    ganz spontan kam mir die idee, ob du nicht an genau dem wochenende dort in die nähe einen staedte-trip machen könntest, um im notfall näher bei ihr zu sein. gut, der notfall tritt mit hoher wahrscheinlichkeit nicht ein, dann hattest du eben ein schönes ausflugsziel und hast in der zeit was für dich getan. :)

  • Hallo Alias,


    also zum Einen leben sehr viele Menschen im "EHEC-Hochgebiet", wie auch wir. Also das ist eine völlig irrationale Gefahrenquelle wie auch die anderen schrecklichen Phantasien die Du hast. Ich würde Dir zwei Dinge empfehlen:


    1. Plane die Zeit der Abwesenheit Deiner Tochter gut für Dich durch, mach schöne Dinge, die mit Tochter schwierig sind und lass Dich ablenken ohne Ende.


    2. Setz Dich mal mit Deinen Verlustängsten auseinander. Du wirst es ja sicherlich noch öfter erleben, dass sie ihre eigenen Wege gehen und Du wirst sie ziehen lassen müssen. Schau mal drauf, was Dich genau ängstigt und was dagegen helfen könnte.


    LG
    Maimami

    mit Junge *2006 und Mädchen *2008 #sonne

  • Wirklichen Trost hab ich auch nicht, aber ich kann nachfühlen. Ich bin glücklich mit dem Vater meiner Jüngsten verheiratet. Ich kenne seine Eltern gut und mag sie sehr, die Kleine liebt die Großeltern abgöttisch.
    Aber als er vor wenigen Wochen alleine die 400km zu ihnen mit ihr gefahren ist, da hatte ich im Vorfeld richtige Panikattacken, vor allem nachts. Ich sah Autounfälle, schwere Stürze (sogar aus dem Fenster im 16. Stock) Es ist mir sehr sehr schwer gefallen, sie fahren zu lassen.
    Es ging natürlich alles gut, alle hatten Spaß und ich wider Erwarten sogar ein entspanntes Wochenende.
    Doch nachvollziehen kann ich deine Ängste absolut. Ist wohl was dran an der Nabelschnur-Geschichte...

  • Ja, sowas wie husky habe ich auch gedacht. Such dir ein schönes Wellness-Hotel dort in der Nähe und lass es dir gutgehen. :)
    Ich könnte das übrigens auch nicht ertragen. Und bevor du das ganze Wochenende nägelkauend zu Hause sitzt.... neeeeeeeee.
    Außerdem gibt es in dem Alter noch eine innere Nabelschnur und die reicht nicht 400 km weit!


    Alles Liebe


    lila

    Mit kleinem Blau (April 2007) und kleinem Gelb (August 2011)


    Neue Wege entstehen, indem man sie geht.

  • Zitat

    Original von Maude
    Wirklichen Trost hab ich auch nicht, aber ich kann nachfühlen. Ich bin glücklich mit dem Vater meiner Jüngsten verheiratet. Ich kenne seine Eltern gut und mag sie sehr, die Kleine liebt die Großeltern abgöttisch.
    Aber als er vor wenigen Wochen alleine die 400km zu ihnen mit ihr gefahren ist, da hatte ich im Vorfeld richtige Panikattacken, vor allem nachts. Ich sah Autounfälle, schwere Stürze (sogar aus dem Fenster im 16. Stock) Es ist mir sehr sehr schwer gefallen, sie fahren zu lassen.
    Es ging natürlich alles gut, alle hatten Spaß und ich wider Erwarten sogar ein entspanntes Wochenende.
    Doch nachvollziehen kann ich deine Ängste absolut. Ist wohl was dran an der Nabelschnur-Geschichte...


    ..bei uns ist es auch am Samstag wieder soweit...Kinder fahren mit Papa zu den Großeltern, 300 km.
    Ich kann Dich gut verstehen. Ich habe auch immer ein sehr ambivalentes Gefühl. Zum einen freue ich mich darauf Zeit für mich alleine zu haben, zum anderen mache ich mir natürlich Sorgen (Unfälle etc...)!


    Was ich niemals nicht tun würde: dorthin in die Nähe fahren. Dann wäre ich ja nur noch auf diese Situation fixiert. Ich meine, letztendlich wird die Zeit, in der die Kinder Zeit ohne mich verbringen immer größer werden. Ich MUSS mich daran gewöhnen. Spätestens wenn der 1. Teenager alleine auf Sprachreise oder so geht muss ich immer noch nachts schlafen können.
    Als die Große mit 6 das erste Mal den Schulweg alleine gelaufen ist, bin ich 1000 Tode gestorben. Aber so what, irgendwann ist es einfach soweit. (und ich weiß noch, wie ich früher meine Mutter immer belächelt habe ;)


    Meine Empfehlung: Baller Dich mit Terminen zu. Besuche Freundinnen, geht mit denen in ein Konzert etc. versuche die Zeit für dich besonders schön zu machen.


    Und vertraue deinem Mann. Die schaffen das schon, und wenn sie wieder da sind ist die Freude umso größer.


    lg, karlchen

  • Waaah! An diese Ängste erinnere ich mich zu gut! Johanna war noch nicht 3, als sie unbedingt mit Oma und Opa ans Meer fahren wollte. Ich hab sie gelassen, denn meine Eltern haben da einen Wohnwagen und können kommen udn gehen, wie es ihnen bleibt. Urlaub abbrechen wäre also kein Thema gewesen. Trotzdem hatte ich Ängste, Johanna könnte von der Mole fallen, am Strand verloren gehen und ertrinken... Es lief alles prima, Johanna hatte eine Menge Spaß, es passierte rein gar nichts und von da an fuhren meine Kinder regelmäßig alleine mit Oma und Opa an die Nordsee.

    "Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware, sprich, man kann sie kostenlos nutzen. Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. man darf sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen". (von unbekannt, aber ich find's extrem zutreffend)

  • Liebe Alias,


    kannst Du etwas mit religiösen Ritualen anfangen? Ich segne mein Kind immer, bevor ich es dem Vater übergebe. Das tut uns beiden gut. Ich drücke damit aus: Ich habe alles getan, damit es Dir beim Papa gutgeht. Jetzt habe ich keinen Einfluss mehr darüber und gebe die Situation in die Hände einer wohlmeinenden Kraft/Gottes ab.


    Du kannst auch ihren Schutzengel noch einmal bitten, gut auf sie aufzupassen.


    Ansonsten hoffe ich, dass der Vater erwachsen genug ist, darauf zu reagieren, wenn es Deiner Tochter zu viel wird.

    Entspanne dich. Lass das Steuer los.Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.


    Kurt Tucholsky

  • Eine äußere Gefahr sehe ich nicht, das Kind ist 5 Jahre alt und der Papa scheint sich gut zu kümmern. Der Gefahr von EHEC kann man begegnen, außerdem ist die Wahrscheinlich immer noch sehr gering, zu erkranken, gerechnet auf die Einwohnerzahlen der Länder.


    Es ist DEINE Angst. Und jetzt auf die Schnelle kannst Du wohl nichts tun, ich würde Dir aber raten, damit anzufangen.


    Die Idee mit dem Hotel in der Nähe finde ich nicht gut. Seinen Ängsten sollte man sich stellen und nicht ihnen nachgeben, besonders wenn sie - wie ich finde - schon ziemlich irrational sind.


    Deinem Kind kann auch was passieren, wenn Du daneben stehst. Das Gefühl, sie ist nur beschützt, wenn Du in ihrer Nähe bist, ist subjektiv.

  • Ich denke, deine irrationalen Ängste sind die eine Sache - da bist du schon einen großen Schritt gegangen und reflektierst. Das klingt für mich positiv selbstkritisch.


    Was ich mir genauer angucken würde, ist das mangelnde Vertrauen zu den Großeltern. Was genau bezeichnest du als übergriffig? Das ist so ein weit gefasster Begriff. Kannst du mit dem Vater reden und Vereinbarungen treffen, z.B. mit seinen Eltern zu sprechen, Regeln einzuhalten, dass du dich sicherer fühlen kannst?


    Wir wohnen hier übrigens quasi am "Vulkan des Bösen", umweit von dem verdächtigen Biohof entfernt. Ich habe keine Angst, rege mich nur furchtbar auf! ;)

    • Offizieller Beitrag

    Ich denke, solche Ängste sind vollkommen normal (meine Mutter behauptet, sie habe noch immer ab und an Albträume, dass eines ihrer "Mädchen" verletzt werde).


    Wir haben ja von Beginn an recht grosse Übung im "Loslassen" - dennoch, ich kenne diese irrationalen Ängste.
    Die Frage ist nur, wie gehe ich damit um? Ich versuche mir dann immer klar zu werden, DASS sie irrational sind, ich kenne die Betreuungspersonen und vertraue ihnen etc...
    (Was mich nicht daran hindert, meinem Mann jedesmal ein "Fahr aber vorsichtig" hinter herzurufen... ;))


    Liebe Grüsse


    Talpa

    • Offizieller Beitrag

    hi,


    wenn es dich tröstet, mein mann ist gerad auch mit unseren jungs bei seinen eltern über 3000 km entfernt und macht mit denen badeurlaub und manchmal hab ich auch ein komisches gefühl im bauch.


    natürlich weiß ich, dass er aufpasst.


    dennoch sitze ich manchmal hier und denke, was wäre wenn... dann zwinge ich mich an was anderes zu denken, tue was anderes.


    ich kann ja erst mal nicht hin, muss mich noch 14 tage gedulden. aber auch wenn ich könnte, würd ich nicht hinfahren und in der nähe übernachten.


    was signalisiere ich dann damit meinem 5 jährigen kind? niemand außer mir, auch der papa, kann das tun, was ich kann?


    wie oft war ich ohne meinen mann mit den jungs unterwegs, auch am meer. mein mann hatte nie bedenken.


    es kann immer was passieren.


    das ist für mich auch das erste mal, dass ich hier bleibe, dass sie was großes ohne mich machen. ein wenig angst bzw. sorge zu haben, find ich im rahmen.
    aber was drüber hinausgeht, ohne konkreten grund, da musste man bei sich ansetzen.


    wie schon geschrieben, tue was für dich. die zeit ist schnell um und die freude beim wiedersehen groß.

  • Ich finde es anmaßend von einigen der Antwortenden, beurteilen zu wollen, ob die Ängste berechtigt sind oder nicht.


    Das weiß eben so genau niemand, auch nicht die Threadstarterin, die ihrem Kind ja ermöglicht, mit dem Vater wegzufahren, trotz eines diffusen Gefühls von Angst/Unwohlsein.


    Es gibt höchst unterschiedliche Väter und Großeltern und genug Situationen, in denen blöde Sachen passieren können, die vielleicht bei der Mutter oder bei einem anderen Vater oder anderen Großeltern nicht passieren würden, wer will das aus der Entfernung schon beurteilen.


    Und zu guter Letzt:


    "Nur weil jemand paranoid ist, heißt das noch nicht, daß nicht jemand hinter ihm her ist."


    Das sollte man auch bei Ängsten, die man selbst für irrational hält, immer abgewandelt berücksichtigen.


    Es ist vielleicht auch nicht immer so leicht, Ängste anderer ertragen zu können, falls man selbst als Antwortender schon mal mit irrationalen Ängsten/einer echten Angststörung konfrontiert war.
    Nur, weil die eigene Angst unangemessen war, muß das jetzt ja nicht bei allen Müttern so sein.



    Ich wünsche Dir und Deiner Tochter, daß es ein schönes Wochenende ohne doofe Zwischenfälle wird!


    Alles Gute!

  • vielen dank für eure antworten.


    mir hat das schreiben und eure antworten lesen geholfen. es stimmt, ich bin da sehr reflektiert, was meine ängste und sonstigen gefühlsregungen angeht und ich bin recht schnell darin, ängste aufzulösen, indem ich die entstehungsszenen wiederfinde in meiner erinnerung.
    das hat mir auch dieses mal geholfen. meine hauptangst ist tatsächlich die, dass mein kind stirbt und ich nicht schnell genug da bin. das wurde mir ja am ende meines postings klar. die wurzel hierfür findet sich in der tatsache, dass meine primäre bezugsperson gestorben ist, als ich ein kind war und es für mich sehr unvorbereitet kam. ich hatte keine möglichkeit, mich zu verabschieden und habe mein leben lang schuldgefühle mit mir herum getragen, dass ich hätte da sein müssen, dann hätte die person nicht sterben müssen. magisches denken eines kindes.
    seitdem mir dieser zusammenhang mit meiner angst jetzt klar ist, geht es mir besser und ich kann die beiden gelassener fahren lassen :)

    • Offizieller Beitrag

    Das klingt doch gut!
    Und um so glücklicher wirst Du sie in die Arme schliessen!


    Nochmal: ich finde solche Ängste völlig normal, ich glaube, sie gehören zum Elternsein dazu. Wäre ja auch komisch: wir lieben diese Wesen absolut bedingungslos - und können sie ohne mit der Wimper zu zucken losziehen lassen?


    Auf ein schönes Wochenende - gönn Dir auch was Schönes!


    Liebe Grüsse


    Talpa

  • Ach, ich kann dich gut verstehen...
    Ich bin beruflich oft von meinem Sohn getrennt und es wird, trotz rational nicht präsenten
    Gefahren,nicht besser mit meinen Ängsten, ihn zurück zu lassen.
    Ich habe Schuldgefühle und denke immer wieder das ihm was passiert.


    Das alles ist ganz klar Mein! Problem , es ist nichts gefährlicher ohne mich, als mit mir zusammen.
    Aber es hilft mir oft nicht, mir das zu sagen, oder sagen zu lassen.


    Am besten um diese Verlustängste zu ertragen , ist ein klares Zeitgerüst, die Zeit ohne Kind sinnvoll zu nutzen und sich auch klar zu machen, das es dem Kind gut geht...
    auch ohne Mama!


    Ich drück dir die Daumen, lass die Gedanken die sich da aufdrängen nicht zu, telefonier
    mit deinem Kind und schick ihr positive Grüsse mit auf den Weg, wünsch ihr viel Spass, das ist mMn das beste für sie.


    Alles Gute

  • jetzt ist sie weg.
    sie hat sich gefreut als papa sie abgeholt hat :)
    ich bin seit 2 tagen durch extreme übelkeit, schwindel und bauchschmerzen lahm gelegt. laut blutbild und us beim arzt ist aber alles gut. psychisch dann. von ganz tief her kommt wohl doch eine große panik. ich dachte, ich krieg das gut hin. nun hab ich beruhigungszeug vom arzt und fühle mich heute wie in watte und weit weg von raum und zeit. alle termine abgesagt, bleibe im bett und warte auf die rückkehr der kontrolle über mich. manchmal ist es einfach größer als man selbst:(

  • Liebe Alias,
    tut mir leid für dich, dass es dich so sehr mitnimmt. Hast du mal daran gedacht, diese Ängste - deren Ursache du erkannt hast - mit professioneller aufarbeiten zu lassen?


    Ich hoffe, es geht dir bald besser!

    "Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung"
    Antoine de Saint-Exupéry


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  • Zitat

    Original von saba
    Hast du mal daran gedacht, diese Ängste - deren Ursache du erkannt hast - mit professioneller aufarbeiten zu lassen?


    das mache ich seit 5 jahren ;) meine ersten 25 lebensjahre waren ziemlich katastrophal. ich hab schon viel geschafft und jetzt muss ich grad nochmal merken, dass ich manchmal doch noch nicht so kann, wie ich gern möchte. aber so ist es. und im bett ist es ja auch manchmal ganz schön ;)