Kigasuche: Wie wichtig findet ihr ...

  • Huhu ihr Lieben,


    unser Sohn geht in eine städtische Kita. Wir schätzen speziell seine Gruppenleiterin sehr und man merkt definitiv, dass sich dort viel Mühe gegeben wird. Dennoch haben wir ein paar grundsätzliche Probleme mit einigen der dortigen Gegebenheiten, nichts Supergravierendes, aber trotzdem doof. Ein paar Beispiele:


    - Es gibt regelmäßig Situationen im Tagesablauf, in denen eine schlechte Stimmung herrscht und die Erzieherinnen furchtbar viel schimpfen (vor allem in der Gaderobe). Wenn man zum falschen Zeitpunkt kommt, schlägt einem die schlechte Stimmung förmlich entgegen.


    - Die Kinder tun sich selber auf und müssen das auch aufessen. (Das hat dazu geführt, dass unser Sohn mal im Restaurant seine Pommes bis zum Erbrechen in sich reingewürgt hat - zu Hause stört ihn ein noch voller Teller nicht, aber unterwegs galt wohl die gleiche Regel für ihn wie in der Kita).


    - Wer sich bei Tisch nicht ordentlich benimmt, kriegt keinen Nachtisch. Dabei ist nicht einmal der Bezug zum Essen immer gegeben.


    - Die Kinder müssen sich mittags hinlegen, bis sie "reif genug" sind, um Wachkinder zu sein. Bei meinem Sohn ist das ab nächster Woche der Fall - er wird im November 5 Jahre und macht seit bestimmt 2 Jahren zu Hause keinen Mittagsschlaf mehr #sauer.


    - Sobald die Kleinen (es ist ein Kiga für 1-6jährige in gemischten Gruppen) Ansätze zum Selber Anziehen zeigen, wird da m. E. vehement Druck ausgeübt, dass sie das auch tun sollen, selbst wenn sie gerade lieber Hilfe haben mögen. Offiziell heißt es, es werde zur Selbständigkeit angehalten, aber auf uns wirkt es definitigv nach Stress für alle Beteiligten.


    - Generell wird uns recht viel bestraft, geschimpft, kritisiert, in die Küche oder Gaderobe gesetzt. Es herrscht einfach ein Erziehungskonzept vor, mit dem wir uns nicht ganz identifizieren können.


    - Wir sind aber in unseren Vorstellungen nicht hinreichend gefestigt und lassen uns dadurch immer wieder irritieren. Wir finden z. B. die Kloeters toll, bräuchten aber Hilfe bei der Umsetzung und nicht Gegenwind. Vor allem früher habe ich immer wieder die Kita als Vorbild genommen, was aber nicht gut geklappt hat.


    So. Das stört uns. Dummerweise liegt die Kita nur 300 Meter von zu Hause entfernt, hat super Öffnungszeiten, einen tollen Ruf. Da fällt es schwer, das Kind herauszunehmen, zumal es auch wirklich tolle Seiten an der Kita gibt.
    Es gibt einen freien aktiven Kindergarten als Alternative. Großer Nachteil: Er liegt ca. 7 Kilometer von unserer Wohnung entfernt, wir fahren Fahrrad. Wenn das nächste Kind da ist, möchte ich dem Neugeborenen keine knappen 2 Stunden täglich im Anhänger zumuten, nur zum Kingergartengondeln. Aber wir suchen gerade eh nach einer größeren Wohnung.


    Mein Mann hat jetzt gestern dort hospitiert. Sein Eindruck ist generell positiv, insbesondere herrscht ein grundsätzlich respektvoller Umgang mit den Kindern vor und man merkt einfach ein anderes Menschenbild. Es wurde während der ganzen Hospitationszeit z. B. nicht einmal geschimpft.


    Aber auch da stören uns ein paar Dinge, und hier wüsste ich gerne von euch, wie ihr das bewertet. Insbesondere interessiert mich auch die Meinung von den Montessorierfahrenen hier, denn davon sind wir große Freunde und der Kindergarten ist auch montessoriorientiert:


    - Es gibt keine festen Punkte im Tagesablauf, keinen Singkreis, nichts, was die ganz Gruppe gemeinsam täte. Die Erzieherinnen hätten das zwar gerne, aber die Kinder wollen nicht :D. Wird respektiert. Ich fände aber solche Fixpunkte so schön.


    - Überhaupt sind die Kinder extrem frei. Es wird schon protestiert, wenn mal die ganze Gruppe zusammen auf den Spielplatz gehen soll und keiner zurückbleiben darf. Die Kinder entscheiden selbst, wenn und wie angezogen sie rausgehen.


    - Die Erzieherinnen halten sich sehr zurück, auch bei Konflikten und Entscheidungsfindungen. Super, nur fragen wir uns, wie sehr das dazu führt, dass die dominanten Kinder das Geschehen prägen und die Stillen untergehen?


    - Es gibt viel Montessorimaterial, aber gearbeitet wird damit nicht so viel. Momentan hat keine der Erzieherinnen das Montessori-Diplom.


    - Insgesamt scheint dem Ganzen ein bisschen die Struktur zu fehlen, vieles fragmentisiert sich zu Kleingrüppchen, auch die Erzieherinnen arbeiten nicht immer perfekt Hand in Hand (z.B. wurde mein Mann erst dazu eingeladen, einer Geburtstagsfeier in der Gruppe beizuwohnen, und anschließend von einer anderen Erzieherin wieder ausgeladen, weil man unter sich feiern wolle).


    - Mein Mann war beim Hospitieren schon ein bisschen überfordert. Er hatte schon ein bisschen den Eindruck von einem außer Rand und Band geratenen Kindergeburtstag kurz vorm Abholen (allerdings vor allem im Toberaum, da kommt man gleich als Erstes rein). Ob da die Introvertierteren nicht untergehen?


    Der Umgang mit den Kindern ist aber wirklich respektvoll, die Räumlichkeiten sind sehr schön, das Menschenbild scheint einfach zu passen. Die Kinder wirkten selbständig und kompetent.


    Oh, so lang geworden ... Es ist ein bisschen eine Luxusentscheidung, trotzdem wären wir über eure Eindrücke beim Lesen dankbar, weil es doch eine Grundsatzentscheidung für uns ist, die evtl. mit nicht wenig Umstand verbunden ist. So, und jetzt muss ich schnell los, eine Wohnung besichtigen, die näher am entsprechenden Kindergarten läge :D.


    Alles Liebe,


    euer Stauferlein

  • Hallo,



    Das wäre für mich das wichtigste Kriterium. Und im Vergleich zu dem was du oben erzählt hast, wiegt es sehr viel.


    Viele Grüße, Trin

  • Eindeutig der zweite Kindergarten.


    Die aus dem jetzigen scheinen überfordert und gestresst.
    Und ja, es gibt Stresszeiten, zB. besonders in der Garderobe, aber Sachen wie die Bestrafungen bei Tisch oder die Reife eines Kindes am Alter zu messen spricht nicht für feinfühlige, positive, am Kind orientierte Pädagogik.


    Ich persönlich würde nie die Nähe eines Kigas über den "Inhalt" desselben stellen.

    »Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.«


    Christian Morgenstern

  • Dein Problem kommt mir bekannt vor. Unser momentaner Kindergarten ist nicht so extrem, wie du das schilderst (z.B. gibt es keinen Aufess-Zwang). Allerdings ist es auch so, dass wir die Erzieherinnen zwar sehr nett und auch liebevoll im Umgang mit den Kindern finden, zudem auch alle Rahmenbedingungen gut sind - trotzdem passt der Kindergarten nicht zu uns.


    Wir haben uns jetzt für einen (Wald-)KIGa entschieden, in dem eben den Kindern mehr Entscheidungskompetenzen zugestanden werden, in dem nicht "auf den Gang gesetzt" wird (auch nicht gut praktikabel, im Wald :P). Ich habe lange gezweifelt, ob die Entscheidung gut war, aber mein Bauchgefühl war klar. Der Unterschied zwischen Kindergarten und unserem Umgang innerhalb der Familie ist einfach zu groß. Für meine Tochter zumindest. Und ich habe auch lange gebraucht, um zu zu begreifen, dass es ein grundlegendes Problem gibt, obwohl die Erzieherinnen wirklich ok sind.

  • #schämVielen lieben Dank für eure Antworten, das bestätigt unser gefühl.


    Zitat

    Es gibt Zeiten, die SIND Stresszeiten. Dazu gehört meist alles, was mit Umziehen usw,. verbunden ist. Wenn es da mal(!) zu schlechter Stimmung kommt, fände ich das nicht so dramatisch.


    Pausenlos rummeckern o.ä. geht aber nicht, dann muß man die Sachen von Grund auf anders organisieren (in Kleingruppen reingehen, jeder Erzieherin einen festen verantwirtungsbereich zuteilen, singen statt reden...)


    Das Rummeckern ist tatsächlich ziemlich zuverlässig bei fast jedem Umziehen (soweit ich das beurteilen kann), also mehrmals täglich. Die Erzieherinnen sind sich der Gaderobenproblematik bewusst, haben auch immer wieder Änderungsversuche unternommen, aber gefruchtet hat es nichts. Ich vermute, dass das problem als nicht schlimm genug bewertet wird, auch wenn es alle nervt.


    Zitat

    - Wer sich bei Tisch nicht ordentlich benimmt, kriegt keinen Nachtisch. Dabei ist nicht einmal der Bezug zum Essen immer gegeben.



    Geht für mich nicht. das ist eine reine Strafmaßnahme und als Erzieherin sollte man das anders regeln können.


    Jepp! Und hier tut sich dann die prinzipielle Kluft auf; In der Kita ist man schlicht überzeugt davon, dass man Kinder eben so erzieht. Das ist überhaupt nicht böse gemeint. Es ist normal, dass z. B. ein Kind von 2 Jahren regelmäßig über Wochen keinen Nachtisch bekommt, weil eben immer wieder etwas ist (weil es halt gerade eine Phase hat, in der das Kind nicht still sitzen mag oder was auch immer da gerade war). Ich gehe davon aus, dass in dem freien aktiven Kindergarten man gucken würde, was bei dem Kind gerade ansteht und wie man darauf eingehen kann. Ohne Wertung! (Mein Sohn ist in der Kita meist sehr brav, weswegen bei uns nie der Leidensdruck groß genug war, um vehement gegen die Methodik anzugehen, auch wenn wir deutlich gemacht haben, dass wir nichts davon halten. Dass es sich auf Sönke trotzdem auswirkt, haben wir verdrängt ...)


    Was das Schlafen betrifft: Generationen von Eltern haben sich da schon die Zähne ausgebissen! Unser Sohn hatte eine Phase, in der er nicht mehr in die Kita wollte, weil er nicht liegen wollte. Alle Gespräche haben nichts gebracht #sauer. Gerade, als wir beschlossen hatten, Sönke eine Weile nach dem Mittagessen abzuholen, damit er nicht liegen muss (wir konnten uns tatsächlich nicht durchsetzen), hatte er sich allerdings mit der Situation arrangiert und meinte plötzlich, er läge gerne :S. Und inzwischen ist er ja laut Erzieherinnen soweit (was sie nicht am Alter festmachen, sondern ... ach, keine Ahnung). Mensch, das Kind ist 4! Was machen die mit den gut 2jährigen, die nicht schlafen mögen (rhetorische Frage, denn ich weiß es - die müssen unter der Treppe liegen oder im Badezimmer. Sagt mal, ist das eigentlich wirklich ein Unding oder klingt es nur so?)?


    Zitat

    - Generell wird uns recht viel bestraft, geschimpft, kritisiert, in die Küche oder Gaderobe gesetzt. Es herrscht einfach ein Erziehungskonzept vor, mit dem wir uns nicht ganz identifizieren können.



    Damit könnte ich mich nicht nur "niocht ganz" sondern "gar nicht" identifizieren, selbst wenn es mein Kind nicht betreffen wüde. Es erlebt es ja doch tagtäglich mit und auch das wirkt auf die Seele.


    Stimmt, das geht uns eigentlich auch so. Aber andererseits sind die Erzieherinnen halt wirklich engagiert, nett kompetent, man merkt, sie meinen es gut (mit wenigen Ausnahmen, da habe ich schon die Vermutung, dass es um die eigene Bequemlichkeit geht, z. B. was das Schlafen angeht). Hinzu kommt, dass wir den Kitaplatz als Geschenk des Himmels empfanden, weil wir die Entlastung wirklich gebraucht haben. Und da haben wir Einiges verdrängt oder kleinzureden versucht. So richtig bewusst, dass wir unzufrieden sind, wurde uns erst, als wir auch für unsere Tochter einen Platz dort angeboten bekommen haben. Und das konnten wir uns für fFauke partout nicht vorstellen. Tja, und Sönke weiterhin das abverlangen, was für Frauke nicht geht, ist ja wirklich ungerecht. Mensch, da habe ich ein gewaltig schlechtes Gewissen!
    Andererseits kann Söönke sich eine andere Kita absolut nicht vorstellen, für ihn ist das absoluter Teil der Lebenswirklichkeit. Er geht ja schon seit mehr als drei Jahren dorthin.
    Sagt mal, wenn unser Sohn den Wunsch äußert, weiter in der alten Kita zu bleiben, wie stark würdet ihr das respektieren? Er hat natürlich Angst vor Änderungen, kennt die anderen Kinder nicht und kann sich, wie gesagt, einfach nichts anderes vorstellen. (Er hatte eine Phase, da wollte er absolut nicht umziehen, weil er in seiner Kita bleiben wollte.)


    Zitat

    - Wir sind aber in unseren Vorstellungen nicht hinreichend gefestigt und lassen uns dadurch immer wieder irritieren. Wir finden z. B. die Kloeters toll, bräuchten aber Hilfe bei der Umsetzung und nicht Gegenwind. Vor allem früher habe ich immer wieder die Kita als Vorbild genommen, was aber nicht gut geklappt hat.



    Ich fürchte, da wird sich nur schwer ein Kindergarten finden lassen, der da als Vorbild dient... leider.


    Wobei ich weiß, dass zumindest theoretisch wir ganz stark mit Montessorieinrichtungen konform gehen und da viel von lernen könnten! Ich habe sehr viel von einem Montessorikurs mitgenommen über den Umgang mit meinem Großen und hatte schon das Gefühl, da immer wieder in die richtige Richtung gestupst zu werden! Es tut so gut, wenn gewisse grundsätzliche Ansichten von der Umgebung geteilt oder sogar vertieft werden. Und das wäre im freien aktiven Kindergarten der Fall!


    Was mich halt am freien aktiven Kindergarten stört, ist, dass nicht mehr Montessori drin ist.
    Wie wichtig sind beispielsweise die Übungen der Stille? Ich glaube nicht, dass die groß gemacht werden. Außerdem bedeutet Montessori für mich durchaus Ordnung, Struktur. (Und das ist für mich ehrlich gesagt gerade deshalb wichtig, weil ich selbst damit furchtbare Schwierigkeiten habe und deswegen meinen Kindern nicht gut vermittle #schäm. Klar, ich arbeite an mir, aber es ist irre schwierig und zu wissen, dass der Kindergarten das bietet, täte schon gut.)


    Tja, und die mangelnde Montessoriausbildung ist auch doof. Aber da werden sie schwer jemanden finden, denn die Bezahlung der Angestellten dort ist miserabel (ich weiß das, denn ich spiele selber mit dem Gedanken, an der angeschlossenen Schule zu arbeiten als Begleiterin, und das geht nur, wenn mein Mann gescheit verdient :() Entsprechend arbeiten da Leute mit sehr viel gutem Willen und Engagement, aber mir scheint es an gewissen Grundlagen zu fehlen, um das Ganze fundiert umzusetzen. Oh man, das liest sich ganz schön stieselig ...


    Zitat

    - Mein Mann war beim Hospitieren schon ein bisschen überfordert. Er hatte schon ein bisschen den Eindruck von einem außer Rand und Band geratenen Kindergeburtstag kurz vorm Abholen (allerdings vor allem im Toberaum, da kommt man gleich als Erstes rein). Ob da die Introvertierteren nicht untergehen?



    Kindergeburtstage sind kein Alltag. Da geht es manchmal drunter und drüber und durch die Aufregung vorher bzw. das süße Essen (meistens gibt es ja Kuchen o.ä.) ist das Gewusel oft groß.


    Ich glaube, das geht da immer so zu, nicht nur zu Geburtstagsfeiern :D.


    Edit, weil vergessen:


    Zitat

    Ich habe lange gezweifelt, ob die Entscheidung gut war, aber mein Bauchgefühl war klar. Der Unterschied zwischen Kindergarten und unserem Umgang innerhalb der Familie ist einfach zu groß. Für meine Tochter zumindest. Und ich habe auch lange gebraucht, um zu zu begreifen, dass es ein grundlegendes Problem gibt, obwohl die Erzieherinnen wirklich ok sind.


    Ich wusste es eigentlich schon immer, habe es aber vergrängt #schäm Das ging, weil es halt keinen skandalösen Megaaufreger gab, sondern nur viele Ärgerlichkeiten, die irgendwie die anderen Eltern meist okay fanden oder sogar gut.

  • Hallo,


    Zitat
    Zitat

    Original von Stauferlein Was machen die mit den gut 2jährigen, die nicht schlafen mögen (rhetorische Frage, denn ich weiß es - die müssen unter der Treppe liegen oder im Badezimmer. Sagt mal, ist das eigentlich wirklich ein Unding oder klingt es nur so?)?


    Wenn das tatsächlich die Realität ist und nicht nur Angst-Phantasie, brauchst du hoffentlich keine Antwort auf die Frage, oder?


    [QUOTE]Aber andererseits sind die Erzieherinnen halt wirklich engagiert, nett kompetent, man merkt, sie meinen es gut


    Was bedeutet "kompetent" in dem Zusammenhang? Kometent wäre für mich jemand, der ohne solche Maßnahmen auskommt.


    Ansomnsten: Ja, Montessori hat normalerweise sehr viel Freiheit, aber auch eine klare Struktur. Freie Schulen/Kindergärten haben oft weniger von außen vorgegebene Zeiten, Abläufe, Strukturen. Das muß aber nicht schlimm sein. Ob es zu deinem Kind passt, kannst du aber nur selber wissen.


    Ansonsten - Ich finde es schwer zu sagen, ob ich ein Kind, daß nicht wechseln will, herausnehmen würde. Manchmal müssen wir Erwachsenen handeln, einfach weil wir Folgen besser abschätzen können, manchmal haben die Kinder aber auch eine sehr große Kompetenz für das, was ihnen gut tut und was sie dafür aushalten können.


    Schwierig ist das mMn dann, wenn sie bestimmte Mechanismen nicht durchschauen können und keinen Vergleich haben. Oft ist es auch die angst vor dem Unbekannten. Wir haben unseren Sohn einmal gegen seinen willen (Na ja, nach viel reden war er bereit, es zu probieren) die Klasse wechseln lassen, weil wir merkten, daß sich in der anderen Dinge aufbauten, die ihm nicht für noch ein Jahr gut getan hätten. Im Rückblick bezeichnet er das Jahr nach dem Wechsel als sein bisher schönstes Schuljahr.


    Kann er mal mit in den anderen Kindergarten zum anschauen kommen? Vielleicht nicht gerade im größten Gewusel? Wenn er dann dort lieb empfangen wird, fällt es ihm vielleicht leichter, sich den Wechsel vorzustellen. Aber das würde ich erst machen, wenn klar ist, daß ihr den Wechsel wollt, denn die eigentliche Entscheidung würde ich dem Kind bei einer so großen Sache nicht auflasten.


    Viele Grüße, Trin

  • Zitat

    Wenn das tatsächlich die Realität ist und nicht nur Angst-Phantasie, brauchst du hoffentlich keine Antwort auf die Frage, oder


    #schäm. Na ja, in meinem Kopf lief es ungefähr so ab: WAAAS? geht ja gar nicht, wie furchtbar. Hmm. Aber wenn die anderen Kinder durch das Kind gestört werden, dann kann es ja wirklich nicht in dem Schlafraum bleiben. Und wenn es dann keine Alternative gibt, und mit Matraze ist es ja eigentlich auch egal, wo ... Dass im Bad nicht geschlafen wird, ist doch eigentlich nur Konvention ... Wobei, eigentlich sollen die Kinder dann doch bitte zurück in den Gruppenraum dürfen. Aber das müssen wohl die betroffenen Eltern der Kinder durchsetzen ... Wenn ich das den Erzieherinnen vorschlage, kommt bestimmt, "dann werden sie für den Terror ja auch noch belohnt".
    (Om man, jetzt fühle ich mich schlecht. Zu meiner Verteidigung: Ich weiß das erst seit Kurzem von der Mutter eines betroffenen Kindes, die sich sehr darüber geärgert hat, dass ihre Tochter (noch keine 3) schlafen muss, aber eben durchaus Verständnis dafür hatte, weil es ja keine andere Ausweichmöglichkeit gibt).


    Es ist also keine Schnapsidee von uns, Sönke einfach mal im freien aktiven Kindergarten hospitieren zu lassen. Wir waren uns nicht sicher.
    Generell glauben wir aber, dass die Entscheidung tatsächlich unsere ist. Es wäre ja auch zu einfach, wenn Sönke uns einfach sagen würde, was für ihn das Beste wäre (also, ich meine so verbal #augen). Leider ist es auch sehr schwierig, etwas direkt aus ihm herauszubekommen, er ist ein großer Träumer, dem es sehr schwer fällt, seine Welt in Worte zu fassen. Allerdings wüsste ich schon gerne, ob es ihm da generell zu chaotisch ist oder ob er es klasse fände.


    Zitat

    manchmal haben die Kinder aber auch eine sehr große Kompetenz für das, was ihnen gut tut und was sie dafür aushalten können.


    Und das herauszufinden ist nicht einfach: hat er 'nur' Angst vor Neuem oder fühlt er sich eigentlich ganz wohl in der alten Kita? Tja, dafür sind wir wohl seine Eltern.


    Mit kompetent meine ich ganz dezidiert die Gruppenleiterin, die eine unglaublich tolle und bewundernswerte Art hat, mit den Kindern umzugehen.
    Es ist halt einfach nur diese grundsätzliche Einstellung, dass Kinder eben erzogen, angepasst werden müssen, und dass man sie belohnt, wenn man zu sehr auf sie eingeht, wenn sie gerade 'nicht funktionieren'. Kann man diese Einstellung, die doch in unserer Gesellschaft die Norm ist, jemandem übelnehmen? Für mich war es jedenfalls auch total revolutionär, dass Kinder auch dann lernen können, sich in unsere Gesellschaft einzufügen, ohne Egoisten zu werden, wenn man sie nicht permanent daran erinnert und triezt und korrigiert. Die Kloetersbriefe sind erstmal doch z. B. harter Tobak, oder? Waren sie für mich jedenfalls #schäm.

  • Also, auch in unserem Kiga ist nicht alles Gold. Aber das, was Du beschreibst - da stellen sich mir die Nackenhaare und ich frage mich wirklich, was Dich dazu bringt, die Erzieherinnen als kompetent zu bezeichnen.
    Auf der einen Seite schreibst Du, dass die Erzieherin eine bewundernde Art im Umgang mit den Kindern hat und im nächsten Satz, dass sie die Einstellung hat, dass man auf Kinder, die nicht funktionieren, nicht eingehen soll. Das widerspricht sich in meinen Augen.


    Aufessen, was sich ein Kind auf den Teller packt - das können die Kinder in diesem Alter lernen, aber sie können das nicht automatisch.


    Ein Kind vor die Tür schicken - egal ob im normalen Freispiel oder in der Mittagspause - geht mMn nicht.


    Das mit dem Schimpfen - gerade beim Anziehen - steht doch im Widerspruch zu der Selbständigkeitsgeschichte. Da müssen die doch merken, dass das einfach nicht klappt und das dann ändern. Und - als Erzieherin sollte man doch schon wissen, wie man konfliktgeladene Situationen entschärft.


    Ach, und zu den anderen Sachen mag ich schon fast nix mehr schreiben. Das hört sich für mich nicht nach respektvollem Umgang an. Auch, dass fixe Zeiten im Tagesablauf - also eine Struktur - fehlen, finde ich sehr seltsam. Ich kenne auch keinen Kiga, in dem es keinen Stuhlkreis gibt und keine festen Rituale.


    Lieben Gruß und viel Glück bei der Wohnungssuche,
    Hummel

    Es gibt Tage, an denen Du denkst, dass Du untergehst. Wie stark Du wirklich bist, erkennst Du erst, wenn Du sie überstanden hast...

    Einmal editiert, zuletzt von Hummel32 ()

  • Liebe Hummel,


    Zitat

    Ach, und zu den anderen Sachen mag ich schon fast nix mehr schreiben. Das hört sich für mich nicht nach respektvollem Umgang an. Auch, dass fixe Zeiten im Tagesablauf - also eine Struktur - fehlen, finde ich sehr seltsam. Ich kenne auch keinen Kiga, in dem es keinen Stuhlkreis gibt und keine festen Rituale.


    Das ist aber nicht der jetztige Kindergarten, sondern der alternative ;). Und es gibt durchaus Rituale, aber tatsächlich wohl keine täglichen Fixpunkte.


    Ansonsten: Ja, so, wie es sich geballt, alle negativen Punkte auf einmal, liest, hört es sich schlimm an. Aber das Gesamtbild IST nicht so furchtbar. Es ist mir wichtig, dass das klar ist. Es sind einige ausgesuchte Aspekte, die im Verlauf des Tages immer wieder auftauchen, den Tag aber nicht dominieren! Natürlich wären wir sonst da schon längst weg! Ich könnte durchaus jede Menge Punkte nennen, die super, ich würde sogar sagen vorbildlich laufen. Das mache ich auch gerne, wenn es jemand hören mag, denn ich schätze die Gruppenleiterin wirklich! Aber eigentlich gehört es nicht in diesen Thread.
    Ich muss ehrlich sein: Wenn ich in unserem Familienalltag genau das heraussuchen würde, was nicht stimmig ist, und dann auch noch, mit entsprechend gefärbten Formulierungen, hier posten, dann läse sich das auch furchtbar.

  • Na, das beruhigt. Mich würden aber doch noch so 3 positive Geschichten interessieren. Ich finde schon, dass das hier in den Thread passt. Ich würde mir gerne ein positiveres Bild machen... ;)


    Gruß, Hummel

    Es gibt Tage, an denen Du denkst, dass Du untergehst. Wie stark Du wirklich bist, erkennst Du erst, wenn Du sie überstanden hast...

  • Zitat

    Was machen die mit den gut 2jährigen, die nicht schlafen mögen (rhetorische Frage, denn ich weiß es - die müssen unter der Treppe liegen oder im Badezimmer. Sagt mal, ist das eigentlich wirklich ein Unding oder klingt es nur so?)?


    Ich finde das schon heftig und ich bekomme das nicht in Einklang mit dem Bild einer netten kompetenen Erzieherin.


    In den wenigen Fällen, in denen mein Zweijähriger mal nicht schlafen konnte, hat ihn die Erzieherin aus dem Schlafraum geholt. Meist ist er dann doch auf dem Schoß einer Erzieherin eingeschlafen.

  • Ganz ehrlich, wäre das mein 2 Jähriger den sie ins Bad stecken, ich würde auf die Barikaden gehen!Sowas geht überhaupt nicht!!!!!!! #sauer

    Liebe Grüße,Lakritze mit Sohn 10.09, Bonussohn 1.05 und Käfermäuschen 2.17

  • Zitat


    Ganz ehrlich, wäre das mein 2 Jähriger den sie ins Bad stecken, ich würde auf die Barikaden gehen!Sowas geht überhaupt nicht!!!!!!!
    Zitat:
    Was machen die mit den gut 2jährigen, die nicht schlafen mögen (rhetorische Frage, denn ich weiß es - die müssen unter der Treppe liegen oder im Badezimmer. Sagt mal, ist das eigentlich wirklich ein Unding oder klingt es nur so?)?


    Ich finde das schon heftig und ich bekomme das nicht in Einklang mit dem Bild einer netten kompetenen Erzieherin.


    In den wenigen Fällen, in denen mein Zweijähriger mal nicht schlafen konnte, hat ihn die Erzieherin aus dem Schlafraum geholt. Meist ist er dann doch auf dem Schoß einer Erzieherin eingeschlafen.


    Die Erzieherinnen wissen, wenn ich mich sehr irre, dass sie genau das von uns auch zu erwarten hätten. #sauer Für die Eltern der betroffenen Kinder war es allerdings wohl okay, teilweise weiß ich das. Und dann finde ich es schwierig, mich da "einzumischen". Als ich das erste Mal erlebt habe, wie ein Kind in der Gaderobe / Küche sitzen musste, habe ich der nächstbesten Erzieherin in einem ziemlich barschen Tonfall gesagt, dass ich umgehend informiert werden will, sollte das mit meinem Sohn gemacht werden.


    Also, wenn ein Kind nicht schlafen kann und die anderen Kinder nicht beim Schlafen stört, dann darf es tatsächlich mit in den Gruppenraum, das ist überhaupt kein Problem. Die Regel lautet: Bis Ein Uhr wird still gelegen, wer danach nicht schläft, darf wieder aufstehen und sich, wenn nötig, im Gruppenraum ausruhen. Und diese Regel ist auch nicht total starr, zumindest wurde mein Sohn auch schon früher aus dem Schlafraum geholt, als er geweint hat.
    Das Problem ist halt, dass nicht jedes Kind, das nicht schlafen will, einfach eine Weile ruhig ruhig liegen bleibt, sondern dies durchaus unter Umständen auf sehr unangenehme Art kundtut. Und da, wo ich sage: "Das Kind will halt nicht schlafen" sagen die Erzieherinnen: "das Kind hat sich im Schlafraum so benommen, dass es dort nicht bleiben konnte. Also haben wir einen anderen Ort zum Schlafen gesucht."


    So, ich fange mal an mit dem Relativieren des Horrorbildes ;). Ich schreibe jetzt so lange, bis mich Töchterchen 'ruft', den Rest liefere ich morgen nach.


    Also:
    - Es wird eine liebevolle Eingewöhnung unterstützt. Unsere Eingewöhnung hat ca. 3 Monate gedauert, und nicht einmal haben die Erzieherinnen gemosert, im Gegenteil. Es ist vielmehr so, dass die Eltern die Eingewöhnung oft schneller abwickeln als es den Erzieherinnen lieb wäre.


    - Der Gruppenraum wird mehrmals pro Jahr teilweise komplett umgestaltet und auf die aktuellen Bedürfnisse der Kinder angepasst. Eine Ecke wird nicht richtig genutzt? Dann setzen sich alle Kinder zusammen und überlegen gemeinsam, was man daraus machen könnte. Momentan ist z. B. der Bastelraum ein Bauraum, weil immer so viele Kinder die Bauecke genutzt haben.


    - Es wird toll mit den Konflikten der Kinder umgegangen. Die Kinder werden angeleitet, Probleme untereinander zu regeln, erhalten dabei aber ggf. Unterstützung von den Erzieherinnen. (Wie das geht war etwas, was ich in der Eingewöhnung vom Sohn gelernt habe und was mich beeindruckt hat)


    - Es wird sehr viel gekuschelt.


    - Besagte kompetente Erzieherin zeigt viel Interesse am Alltag der Kinder auch außerhalb der Kita, weiß, welche Großeltern wo wohnen, was die Kinder für Hobbies haben usw.


    - Wenn man beim Imbiss lauscht, kann man oft sehr schöne von der Erzieherin geleitete Gespräche hören, in welchem sie auch wirklich darauf eingeht, was jedes Kind so bewegt, was ihm wichtig ist. Nebenbei wird ganz toll Gesprächskultur vermittelt. Es ist einfach eine sehr schöne Stimmung, und ich weiß, dass mein Sohn da viel mitnimmt, weil er oft Entsprechendes von anderen Kindern zu Hause erzählt (er erzählt fast nie etwas #augen).


    So, das ist doch schonmal ganz passabel, aber jetzt ruft Töchterchen. Mehr gefällig? Dann morgen :).

  • Ganz ehrlich, mir wuerde eine Entscheidung zwischen beiden Kindergaerten sehr schwer fallen. Keiner der Kindergaerten kaeme fuer mich in Frage. Da Euer Sohn nun schon im staedtischen Kindergarten ist, und er selbst dort zufrieden ist, wuerde ich ihn wohl dort lassen.


    Mir gefallen alle Dinge, die Du angesprochen hast, nicht. In den anderen Kindergarten wuerden sie mich aber nur bringen, wenn sie fuer mein Kind relevant wuerden. Um das klar zu stellen, es ginge fuer mich gar nicht, dass mein Kind aufessen muss, bis ihm schlecht ist, egal, wer das Essen auftat. Auch wuerde es nicht in Frage kommen, dass mein Kind alleine zur Strafe sitzen muss. Das mit dem Nachtisch finde ich nicht gut, koennte ich aber verschmerzen(bei uns zu Hause ist das natuerlich nicht so, zudem gibt es kaum suessen Nachtisch).


    Der Montessorikindergarten klingt mir aber viel zu chaotisch. Fuer meine Tochter waere es wohl o.k., d.h. sie wuerde dort nicht untergehen. Doch ich wuerde mir schon auch Anregungen und das Wecken von Interessen im Kindergartenalltag meines Kindes wuenschen. Wenn neue Kinder in den Kindergarten kommen, dann wird ja anscheinend nicht gezeigt, wie ein Morgenkreis aussehen kann und dann darueber geredet, sondern irgendwann mochten irgendwelche Kinder den nicht, und deshalb gibt es keinen etc. Das waere nichts fuer mich. Ich moechte eben nicht, dass die Erzieher das Chaos nur ueberwachen. Sie sollten schon alles unter Kontrolle haben. Fuer mich hoert sich das eher so an wie die freien Kindergaerten vor dreisssig Jahren, als ich im Kindergarten war (nicht im freien).


    Meine Tochter ist nicht im oertlichen Montessorikindergarten, sondern in einem anderen privaten mit "Teilen/Einfluessen von Montessori". Ich kenne aber den Montessori Kindergarten hier auch von Besuchen. Dort und auch in der nicht dazugehoerigen Montessorischule wird Montessori anders (so wie ich das kenne) praktiziert. Es gibt ganz klare Regeln und Strukturen, bei den aelteren Kindern koennte es fuer Aussenstehende chaotisch wirken, aber das ist es nicht wirklich.


    Frei und von den Kindern bestimmt ist dort ganz anders. In der freien Spielzeit innen z.B. koennen die Kinder selbst entscheiden, mit was sie spielen, wie und wie lange. ABER das Montessorispielzeug muss aus dem Regal/vom Tisch genommen werden. Zuvor wird ein kleiner Teppich am Boden ausgerollt, darauf kommt das Spielzeug. Wenn das Spiel vorbei ist wird alles fein saeuberlich wieder aufgeraeumt. Die Kinder koennen sich jeder Zeit etwas (Wasser) zu trinken einschenken, aber nur an dem dafuer vorgesehenen Ort. Es gibt einen vorgegebenen Tagesplan mit u.a. Morgenkreis, Vorlesen, freies Spiel innen, spielen aussen, etc. Die Kinder (jedes einzelne seines) bestimmen das (Lern-) Tempo und es wird auf ihre Interessen eingegangen. Sollte z.B. gerade ueber Jahreszeiten gesprochen werden und die Kinder interessieren sich fuer Wuermer, dann werden eben Wuermer jetzt und Jahreszeiten spaeter besprochen. Solche und andere Entscheidungen sind Gruppenentscheidungen. Bei vielen Dingen auch nicht nur Mehrheitsentscheidungen. Die Kinder werden dazu angeregt, einen Kompromiss zu finden, mit dem alle gluecklich sind

  • Zitat

    es ginge fuer mich gar nicht, dass mein Kind aufessen muss, bis ihm schlecht ist


    So einfach ist es zum Glück / leider auch nicht. In der Gruppe meines Sohnes wird das mit dem Aufessen nicht ganz so streng gehandbabt. Zumindest hat die Gruppenleiterin mir einmal erzählt, dass sie Sönke regelrecht dazu drängen musste, nicht aufzuessen, eben weil sie gemerkt hat, dass er sich total quält. Dennoch hat diese grundsätzliche Aufessregelung dazu geführt, dass mein Sohn sich in unserem Beisein im Restaurant überfressen hat bis zum Erbrechen (Mensch, ich hatte mich über die Riesenportion Pommes gefreut, darauf spekuliert, etwas abzubekommen und überhaupt nicht verstanden, warum er so geschockt wirkte, bis es zu spät war ...). Das kam im ersten Post anders rüber, ich hatte das gar nicht mehr auf dem Schirm.


    So, ich war heute nochmal kurz im freien aktiven Kindergarten und habe einen Hospitationstermin für mich ausgemacht (den ich gleich wieder verschieben muss, weil mein Mann einen Termin hat und nicht auf Tochter aufpassen kann #augen). Die Leitung war gegen das Hospitieren des Kindes, bevor feststeht, dass es die Einrichtung besucht - die Eltern sollen die Entscheidung treffen, nicht das Kind. Kann ich nachvollziehen, trotzdem hätte es uns bei der Entscheidung geholfen, zu sehen, was der Kindergarten mit Sönke macht. Aber da ich Connections zur angeschlossenen Schule habe, wird bei uns vielleicht eine Ausnahme gemacht, zumindest will eine Lehrbegleiterin mal mit der Kigaleitung reden. Wobei sie meint, dass man an einem Tag wirklich nicht gut sehen könnte, wie Sönke sich dort zurechtfände.


    Und besagte Lehrbegleitung sagte auch, dass zumindest früher es durchaus Strukturen gab - feste Bereiche, einen rhythmisierten Tagesablauf wie Obstzeit, Materialzeit. Nur, ob die Kinder daran teilnehmen oder nicht, ist ihnen überlassen, meist folgen so zwei Drittel dem Angebot.


    Und eine 'Lauscherin', die früher auch im Kindergarten gearbeitet hat, meinte, dass diese festen Strukturen und Aktionen in der Großgruppe, die mir fehlen, gar nicht im Interesse des Kindes seien. Deren Fokus läge mehr im Kleinstgruppenbereich, es sei also aufoktroyiert. Gleiches gelte für feste Pflichtaktionen wie Stuhlkreise.


    Was denkt ihr? Finden nur wir Erwachsenen solche gemeinsamen Aktivitäten schön und die Kinder hält es schlicht von ihrem eigenen Tun ab? Oder ist das nur auf den ersten Blick so (klar nervt es erstmal, etwas unterbrechen zu müssen) und insgesamt profitieren die Kinder, weil es auch für sie wichtig ist, solche gemeinsamen Sachen zu machen?
    Ich weiß es wirklich nicht!

  • Ich finde schon, dass Stuhlkreis im Kiga wichtig ist. Dort wird (zumindest bei E.) gemeinsam ein Buch angeschaut und anschließend darüber gesprochen, es werden Spiele, Lieder und Bewegungsspiele gemacht. Die Erz. besprechen mit den Kindern bestimmte Themen (letztes Thema war Tiere, vorher "Stark sein",...).
    Es wird jeden Tag durchgezählt, wie viele Kinder da sind und darüber gesprochen, wer fehlt - ggf. warum.
    Die Kinder dürfen der Reihe nach sagen, wo sie wohnen, in welchem Monat sie Geb. haben, welches ihr Lieblingstier ist, ... - nicht jeden Tag alles!


    Aber ich bin überzeugt, dass dieser Kiga sowas auch macht. Nur vielleicht nicht immer um die gleiche Uhrzeit und vielleicht nicht immer mit der Großgruppe.


    Die Kinder profitieren mMn sehr davon.


    Danke für Deine positiven Ausführungen. Mir würde das zwar nicht reichen, aber es relativiert das Bild ein wenig.


    Lieben Gruß,
    Hummel

    Es gibt Tage, an denen Du denkst, dass Du untergehst. Wie stark Du wirklich bist, erkennst Du erst, wenn Du sie überstanden hast...

  • Zitat

    Danke für Deine positiven Ausführungen. Mir würde das zwar nicht reichen, aber es relativiert das Bild ein wenig.


    Uns reicht es ja auch nicht! Darum wünschen wir uns einen Wechsel. Es ist nur eben nicht so, dass die Probleme sich im Alltag derart holzhammerig präsentieren, dass wir gesagt hätten: "Das geht sowas von gar nicht, wir nehmen Sönke SOFORT da raus." (Wir haben das manchmal überlegt, aber dann kam immer etwas Relativierendes)


    Edit (bezüglich des freien aktiven Kindergartens): Und ja, es gibt auch gemeinsame Sachen wie Materialarbeit in der Gruppe, aber eben wirklich nur als Angebot. Und ich weiß nicht, wie viele Kinder da de facto mitmachen. Wenn immer einige wenige sagen, sie haben gerade zu tun, okay. Wenn aber die Erzieherinnen nur mit 2-3 Hanseln da sitzen, dann fände ich das schon schade. Aber das kann ich demnächst ja hoffentlich abklären.

  • Na, das wäre dann doch eine konkrete Frage, die Du bei der Hospitation stellen könntest.


    Ich würde übrigens auch nicht unbedingt mein Kind mit in den Kiga nehmen. Da schaust Du dann doch immer wieder auf Dein Kind - und unter Umständen bist Du dann im Gespräch mit den Erzieherinnen immer wieder abgelenkt.


    Und - im Normalfall sollten die Erzieherinnen in der Lage sein, die einzelnen Kinder zu motivieren, die Angebote anzunehmen.


    Ich würde dabei noch wissen wollen, ob und wie sie dokumentieren. Denn das stelle ich mir in einem offenen Kiga schwieriger vor als in einer festen Gruppe. Da fällt dann doch leichter auf, welches Kind bestimmte Sachen macht und welches bestimmte Sachen ablehnt.


    Außerdem würde ich konkret nachfragen, wie sie die Vorschule handhaben - denn das kommt ja nächstes Jahr auf Dein Kind zu.


    Lieben Gruß,
    Hummel

    Es gibt Tage, an denen Du denkst, dass Du untergehst. Wie stark Du wirklich bist, erkennst Du erst, wenn Du sie überstanden hast...

  • Zitat

    Original von Stauferlein
    Was denkt ihr? Finden nur wir Erwachsenen solche gemeinsamen Aktivitäten schön und die Kinder hält es schlicht von ihrem eigenen Tun ab? Oder ist das nur auf den ersten Blick so (klar nervt es erstmal, etwas unterbrechen zu müssen) und insgesamt profitieren die Kinder, weil es auch für sie wichtig ist, solche gemeinsamen Sachen zu machen?
    Ich weiß es wirklich nicht!


    Wie oben schon erwaehnt, halte ich den Montessorikindergarten wie beschrieben fuer zu chaotisch und auch nicht wirklich Montessori (was aber nicht so wichtig waere, wenn es Eurem Sohn dort gefaellt). Ich finde einen Morgenkreis wichtig. Im Kindergarten meiner Tochter treffen sich erst alle Kinder des Kindergartens zum morgendlichen Singkreis (so zum ankommen). Danach geht es in die einzelnen Gruppen und es gibt einen Morgenkreis. Ich finde das fuers ankommen und sich einfinden recht schoen. Meine Tochter braeuchte das nicht, aber sie mag das gemeinsame singen und auch ihren Morgenkreis sehr. Sie sitzen im Kreis am Boden und besprechen den Tag und unterhalten sich ueber ihnen wichtiges.


    Das mit Grossgruppe und Kleinstgruppe hat sicher seine Berechtigung, doch man kann auch ein Mittelmass finden. Zudem wenn Aktionen in der Kleinstgruppe gewuenscht sind, dann braucht es dazu auch ein Angebot und einen gewissen vorgegebenen Rahmen. Es kommt auch darauf an, wie gross die Grossgruppe ist. In der Gruppe meiner Tochter sind nur elf Kinder. Wenn z.B. aussen gespielt wird, muessen alle mitgehen, aber sie koennen selbst bestimmen, mit was/wem sie wie lange spielen (sie koennen sie Zeit auch auf dem Schoss einer Erzieherin verbringen). Es gibt auch Sachen die werden alleine, zu zweit, zu dritt oder zu fuenft/sechst gemacht. Das haengt eben von der jeweiligen Taetigkeit ab.


    Ich als Mutter wuensche mir eine gewisse feste Rahmenstruktur. Bei der Ausfuerung moechte ich jedoch, dass sie kindorientiert ist, also auf die Beduerfnisse meines Kindes eingeht. Kurz gesagt, ich wuerde nicht dafuer zahlen wollen, dass mein Kind nur im Chaos beaufsichtigt wird. Fuer mein Geld moechte ich etwas mehr bekommen.

  • Hallo,


    Ich denke, viele Sachen sind schon vorrangig für die Erwachsenen. Morgenkreise finde ich toll, MIR fehlt was, wenn es in einem Kindergarten keine gibt. Aber die Kinder haben es nicht vermisst.


    Viel wichtiger ist tatsächlich, daß sie die Möglichkeit haben, sich in Gruppen zu finden, "unter Kindern" oder eben mit einem Erwachsenen, daß sie ein Umfeld haben, in dem sie sich ausprobieren können usw.


    Auch bei "Angeboten" - ich bekomme immer mehr das Gefühl, daß sie oft vorrangig dazu da sind, zu zeigen "wir tun was". TOll, wenn das den stand und die Interessen der Kinder trifft und sie begeistert mitmachen, denn das erschließt dem Kind ja auch neue Möglichkeiten.


    Aber wenn nicht? Auch nicht schlimm, dann lernt das Kind eben gerade an einer anderen Stelle. Oft werden die Anregungen aus dem Angebot auch für später übernommen und die Kinder, die nicht mitgemacht haben, probieren später für sich etwas in der Art aus.


    Manche Dinge, die uns im ersten Moment chaotisch erscheinen, zeigen ihre Struktur auch erst beim genaueren hnsehen. Gerade dann, wenn es keine von oben aufgesetzte, sondern eine von innen gestaltete Struktur ist.


    Ich selber würde - OBWOHL ich Morgenkreise usw. toll finde - einen respektvollen Umgang und ein miteinander ohne Stafen vor eine Struktur setzen. Allerdings sind meine Kinder auch so, daß sie sich schon von Anfang an recht gut selbst "verwalten" konnte, selber entscheiden konnten/wollten, wie viel sie an Kleidung beim rausgehen tragen usw.


    In dem Kiga, in dem ich gerade bin, läuft z.B. das Essen in meinen Augen eher chaotisch ab. Wer nach dem reinkommen fertig ist, nimmt sich Teller und Besteck, tut sich aus den Töpfen auf und isst - es kann also sein, daß der erste fertig ist und der letzte noch die Schuhe auszieht.


    Ne, für mich ist das so gar nichts (aber ich entscheide das nicht) allerdings hat die Begründung - unnötige Warte- und Stillsitzzeiten vermeiden - schon auch einen Sinn. Trotzdem hätte ich persönlich(!) lieber eine gemeinsame Mahlzeit in Ruhe und mit Tischgemeinschaft, so richtig mit gemeinsamen Spruch am Anfang und Tischkerze und so...


    Die Kinder dagegen stört es nicht, sie finden sich in keinen Gruppen zusammen, verabreden zum Teil schon vorher, wer neben wem sitzt, warten dann freiwillig aufeinander... Sie entwickeln ganz andere Kompetenzen.


    Wäre die Alternative zwar eine Tischgemeinschaft, die aber mit Strafen durchgesetzt wird (Das beschriebene Nachtischding...) dann würde ich ganz sicher freiwillig für die "chaotischere" Version plädieren.


    Für mich würde die Tendenz also ziemlich klar Richtug neuem Kindergarten gehen.
    Das sie ihn nciht schauen lassen, bevor alles klar ist, finde ich richtig. Ich hatte ja acuh geschrieben, daß ich es gut finden würde, wenn er mal zum schnuppern hingeht - aber eben erst , wenn die entscheidung durch ist.
    Denn erstens ist das mMn zu viel Verantwortung für ein Kind für die nächsten Jahre zu entscheiden und 2. - was wenn es ihm gefällt und ihr dann doch anders entscheidet? Oder kein Platz frei ist?


    Wie auch immer ihr euch entscheidet - alles Gute,


    Trin