Sensomotorische Integrationsstörung?

  • Hallo,


    hat jemand zu dem Thema gute Literatur -und Infotips?
    Auch zu Therapiemöglichkeiten.


    Wir haben mit einem Kind in der Verwandtschaft arge Probleme, weil es ohne Ankündigung auf andere Kinder (sprich meine ) einprügelt.
    So dass diese keinen Kontakt mehr wollen.


    Vielleicht habt ihr ja einen Rat/Tipps.


    Der Junge wird im September 3.


    Ich mag mittlerweile auch nicht mehr.
    Und weiß mir im direkten Umgang nicht mehr zu helfen.


    lg
    Liv

  • Hallo,


    Ich glaube nicht, daß euch Bücher da wirklich weiterhelfen. OK, sie hefen vielleicht das Problemzu verstehen, aber ich denke nicht, daß ihr selber als Laien viel TUN könnt.


    Sensomotorische Intergationsstörungen können tatsächlich dauzu führen, daß Kinder sagen wir mal bei manchen Gelegenheiten "körperlicher" agieren, bei anderen dafür es gar nicht aushalten können. Streicheln fühlt sich dann z.B. manchmal so unerträglich an, an wie ausgekitzelt werden, Normales Duschen kann unerträglich sein, der scharfe Duschstrahl aber toll - oder aber auch alles ganz anders .


    Das Kind braucht mMn fachliche Hilfe, um so schneller, wenn es so stark ist, daß Sozialkontakte eingeschränkt möglich sind. Unternehmen denn die Eltern etwas in der Richtung? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ergotherapie, Mototherapie... was genau für dieses Kind passt, können mMn nur Fachleute festlegen.


    Die könnten euch dann auch sagen, was im Alltag unterstützend gemacht werden kann. Oft helfen Massagen, aber je nach Kind muß man da vorsichtig sein., Manche brauchen viel Druck, andere lasen sich erst mal nur an einigen wenigen Körperstellen berühren...


    Was ihr konkret tun könntet wäre mMn:
    Treffen auf Orte verlegen, die das Kind einerseits nicht überfordern, aber viele Bewegungsanreize bieten, ruhig mit starken Reizen, andererseits viel Freiraum bieten, um sich aus dem Weg zu gehen.
    Ein Spielplatz im Wald oder überhaupt Orte in der Natur, die Raum zum rennen, kettern, kugeln... geben...


    Als Erwachsene präsent sein und Übergriffe bestimmt, aber freundlich verhindern wenn es noch geht (Ablenken, auf bessere Möglichkeiten hinweisen...) bzw. abzubrechen, ohne groß ins Schimpfen zu geraten. Als schon ein klares und ruhig lauteres: Stopp- SO nicht", aber ohne lange Erklärung dazu. Denn in der Regel weiß das Kind das ja schon, es KANN sich nur noch nicht ausreichend selbst steuern.


    Im Kinderzimmer oder überhaupt in Räumen oder an "lebhaften" Orten eskaliert es viel schneller, weil da einfach die Reize viel stärker sind und schneller zur Überforderung führen. AUßerdem muß das Kind sich da viel stärker regulieren, um nirgendwo anzustoßen und auch das kann schneller zu Überforderung führen.


    Viele Grüße, Trin

  • Um sich einfach mal zu informieren, finde ich so ein Buch sinnvoll:


    http://www.amazon.de/Bausteine…TF8&qid=1307644682&sr=8-1


    Richtige Tipps wird es da nicht für eure spezielle Situation geben. Selbst wenn die Diagnose steht, heißt es nicht, dass jedes auffällige Verhalten von der SI-Störung herrührt, da sollte ein Fachmann/eine Fachfrau aufgesucht werden. Es gibt viele entsprechend weitergebildete ErgotherapeutInnen.

    Das B in Pegida steht für Bildung.

  • Normalerweise haben diese Qualifikation Ergotherapeuten mit Zusatzausbildung.
    Schau mal nach sensomotorische Integrationstherapie nach Jean Ayres.
    Merlins Ergoth. hat nach diesem Konzept gearbeitet, fanden wir recht gut. Leider, in Verbindung mit ADHS ist dieses Verhalten nicht wegtherapierbar.

  • Das Problem ist Therapie in Form von Ergotherapie bekommt er ja.
    Ich bin nur der Meinung, dass diese Form der Therapie nix bringen wird.
    Ist auch kein spezielles Konzept, dass die da machen. Sie sollte eigentlich in eine bestimmte Praxis, aber der Weg war der Mutter zu weit.


    Die Diagnostik wurde bei einem Kinder-und Jugendpsychiater durchgeführt.
    Nachdem ich sie hingeschickt hatte, weil die Diagnose relativ offensichtlich war (wobei das auch nicht die einzige Baustelle ist)


    Mir geht es darum, der Mama irgendwas an die Hand zu geben, denn etwas hilflos ist sie. UND aber auch wie wir besser damit Umgehen können.
    (Im Moment läuft es darauf hinaus, dass wir Treffen vermeiden müssen, weil meine Töchter nicht wollen- sie zählen schon auf wie oft etwas schief gegangen ist und dass sie es ja oft genug probiert haben....)


    Beruflich komme ich selbst ja mit der Problematik klar (wobei ich so junge Kinder so nich nicht erlebt habe), aber es macht es im Familienleben nun mal schwieriger.


    Den Umgang wie Trin ihn beschrieben hat, machen wir (Mann und ich) schon so.
    Ansonsten geht es auch gar nicht.(Aber ehrlich gesagt sehe ich es auch nicht ein, dass ICH ständig MEINE Kinder bewachen muss, die Mutter klinkt sich da raus)
    Aber dennoch kommt es ständig zu Zwischenfällen.


    Auch in Situationen in denen ich der Meinung bin, dass es nicht "nur" an der sensomotorischen Integrationsstörung liegt.
    Zum Beispiel sitzt er mit meiner Tochter nach dem Essen beim Opa auf dem Schoss, lacht und plappert und dann haut er los. Auch richtig arg.


    Es wirkt dann eher raptusartig. Er verliert dann für einen Moment die Kontrolle.
    Beispiel:
    Die Kinder lachen zu dritt und hüpfen auf dem Trampolin.
    Er verzieht mitten im Lachen das Gesicht und prügelt los.
    Da würde ich ja vielleicht noch Überreizung sagen.
    Aber nach dem Kurzen "Anfall" ist wieder gut.


    Jean Ayres ist ein guter Buchtipp, werde es besorgen und dann weitergeben.


    Das eine Mal hatte unsere LilleMei eine Schwellung im Gesicht, die Tage andauerte.
    Auch direkt am und unterm Auge.


    Irgendwie wirkt es manchmal wie ein kurzer epileptischer Anfall #schäm


    Was ich nur hier loswerden kann:
    In der Tagesbetreuung ( zehn Kinder, zwei Erzieher) läuft es sehr schlecht, dadurch hatte ich die Mutter auch nur dazu bekommen, dass sie zur Diagnostik geht.
    Bei uns sind ja die Verhältnisse, die Trin beschrieb-
    Zwei ruhige Mädchen, Platz, Raum etc.
    Die Familie sieht natürlich, dass es mit unseren Kindern zu einer wesentlichen Verbesserung seines Verhaltens kommt und wenn ich dann sage, dass ich es aber nicht akzeptieren kann WIE es läuft kommt dann immer wieder, dass es ja für ihn aber so gut ist etc.als Übung und so.......
    Hätten jetzt die Kinder nix dagegen könnte ich es vielleicht ähnlich sehen ,aber eben nicht so.



    lg
    Liv

  • Zitat

    Original von astavyastatamejina
    Das Problem ist Therapie in Form von Ergotherapie bekommt er ja.
    Ich bin nur der Meinung, dass diese Form der Therapie nix bringen wird.
    Ist auch kein spezielles Konzept, dass die da machen. Sie sollte eigentlich in eine bestimmte Praxis, aber der Weg war der Mutter zu weit.


    Er bekommt also Ergotherapie in einer Praxis, die keine SI-Weiterbildung hat?
    Wenn die Mutter wirklich dem Kind helfen will, wie du schreibst, dann würde ich da ansetzen- dann muss sie einen längeren Weg in Kauf nehmen, damit das Kind gut versorgt wird.


    Daneben gibt es in vielen Städten auch Elternkurse für Eltern von Kindern mit bestimmten "Verhaltens-Herausforderungen". Da kann sie vielleicht bei dem Kinder- und Jugendpsychiater nach einer Adresse fragen, ansonsten kann das örtliche SPZ, die Frühförderstelle oder die Erziehungsberatungsstelle sicher weiterhelfen.

    Das B in Pegida steht für Bildung.

  • Hallo,


    Zitat

    Original von astavyastatamejinaDas Problem ist Therapie in Form von Ergotherapie bekommt er ja.Ich bin nur der Meinung, dass diese Form der Therapie nix bringen wird.Ist auch kein spezielles Konzept, dass die da machen. Sie sollte eigentlich in eine bestimmte Praxis, aber der Weg war der Mutter zu weit.


    Hm, ich kenne die Arbeit der Leute dort natürlich nicht. Aber Ergotherapie ist nichts, was von jetzt auf sofort wirkt, vor allem nicht bei solchen "Basis-Sachen". Das kann Jahre dauern und "weg" wird man ews wohl nie bekommtn, nur den Umgang damit lernen.
    Bei meinen Kindern konnte ich in der Ergo anfangs auch kein "Konzept" erkennen, ich hatte das Gefühl, die spielen nur (ws für mich aber OK war). Erst nach und nach verstand ich durch die Erklärungen der Ergotherapeutin, wie da eins ins andere greift.


    Eine Praxis, die spziell dafür qualifiziert ist, wäre aber natürlich trotzdem die bessere Wahl.


    Zitat

    Den Umgang wie Trin ihn beschrieben hat, machen wir (Mann und ich) schon so.Ansonsten geht es auch gar nicht.(Aber ehrlich gesagt sehe ich es auch nicht ein, dass ICH ständig MEINE Kinder bewachen muss, die Mutter klinkt sich da raus)Aber dennoch kommt es ständig zu Zwischenfällen.


    Ich denke nach wie vor, daß ein Buch da ncihts bringt. WENN sie sich per Buch informieren wollen würde, gäbbe es ausreichend Möglichkeiten, selbst Leihbücherein haben meist inige Basis-Sachen dazu im Regal.


    Ich denke, hier müßt ihr Klartext reden. Wie weit seid ihr bereit, Verantwortung für eure Kinder zu übernehmen, wie weit ist es ihr Part? Seid ihr bereit, ihr in einem klar umgrenzten Zeitfenster Erleichterung zu verschaffen und die Verantwortung zu übernehmen oder fühlt ihr euch dazu (was verständlich wäre) nicht in der Lage? Wie singlanisieren wir uns, wenn wir der Meinung sind, hier ist der jeweils andere zuständig?


    Zitat

    Die Familie sieht natürlich, dass es mit unseren Kindern zu einer wesentlichen Verbesserung seines Verhaltens kommt und wenn ich dann sage, dass ich es aber nicht akzeptieren kann WIE es läuft kommt dann immer wieder, dass es ja für ihn aber so gut ist etc.als Übung und so.......Hätten jetzt die Kinder nix dagegen könnte ich es vielleicht ähnlich sehen ,aber eben nicht so.


    Das kann ich gut nachvollziehen. Meine Kinder sind keine Therapeuten.
    Wir haben auch einen (anders gelagerten) Fall im Bekanntenkreis, wo ich immer genau schauen muß - sind meine Kinde rhier als Freiunde/Freundinnen gefragt oder als Co-Therapeut. Ersteres ist völlig OK, zweiteres nur so viel, wie auch meine Kinder (und das betroffene Kind) problemlos verkraften.


    Wie gesagt, ich denke, ihr könnt nur gut auf euch schauen und sehen, in welchem Umfang es für euch schaffbar ist. Damit die Mutter nicht vereinsamt, könnte man ja auch Treffen ohne eigene Kinder vereinbaren.
    So haben wir das gemacht, als das Kind einer Bekannten (durch eine Behinderng bedingt) "körperliche" Verhaltensweisen zeigten, die für meine Kinder in dem Alter nicht zumutbar waren. Das Kind konnte nichts dafür, die Mutter auch nicht - aber meine Kinder eben auch nicht. Also haben wir versucht, uns so zu treffen, daß die Kinder nicht/wenig zusammenkamen.


    Viele Grüße, Trin