Kinder frustrieren als Depressionsprävention

  • Eine Psychologiestudierende Freundin meinte zu mir, weil mein Kind gerade durch eine Phase geht in der sie absolut nicht hören will, ich müsse sie frustrieren und sie müsse verstehen, dass ein Nein ein Nein ist. Sonst tu ich ihr keinen Gefallen, sondern riskiere, dass sie später Depressionen bekommt, weil ja nicht mehr alles nach ihrem Kopf geht. Das frustrieren sei deshalb so wichtig, weil ich ihr dadurch Frustrationstoleranz antrainieren würde.


    Meinungen?

    Never mind. There. For good or bad. It's done. (The Sandman)

  • Jaein. Ich denke in gewisser Form ist Frustration und eine Frustrationstoleranz entwickeln wichtig. Aber dafür muss man das Kind nicht absichtlich frustrieren, das passiert zwangsweise. Ich habe mein Kind heute aus dem Spielwarenladen kreischend herausgezogen, weil er nicht schon wieder einen Dino bekommen hat - wir wollten nur ein Geschenk für seinen Freund kaufen, der Geburtstag hat.
    Er kann dafür ja sparen. Diese Arten der Frustration, das nicht immer alles geht, man nicht immer alles bekommt, das man warten muss halte ich auf eine ARt für wichtig, aber ich denke man müsste schon sehr abgefahren leben das ein Kind so etwas nicht eh "zwangsweise" durchlebt.


    Was ich nicht so ganz verstanden habe hier: was ist denn mit frustrieren und nicht hören gemeint? Also so praktisch, ich kann gerade nicht ausmachen von welcher Art von "nicht hören wollen" wir reden, und von welcher ARt von Frustration?

    Nichts ist so gewöhnlich, wie der wunsch außergewöhnlich zu sein (Shakespeare)

  • Das hat sie entweder ganz blöd ausgedrückt oder Du hast es falsch verstanden.
    Man frustriert Kinder natürlich mit einem klaren Nein. Und nach und nach entwickeln sie auch eine Frustrationstoleranz, das ist sehr wichtig.


    Ob man dann später mal davon depressiv wird, wenn immer nachgegeben wird, weiss ich nicht. Gut ist das aber in der Tat nicht. Ich bin idR relativ klar mit meinen Aussagen, kann aber auch mal nachgeben. Aber meine Tochter soll sich auf meine Aussagen "verlassen" können. Rumeiern ist nicht gut.

  • Hallo,


    Hm, kann es sein, daß da etwas durcheinander gekommen ist?


    Ich denke, daß man nicht versuchen sollte, dem Kind im "vorauseilenden Gehorsam" jeden Frust zu ersparen, sondern ihm lieber da, wo es geht, helfen soll, hindurchzukommen, eine Lösung zu finden ect. (etwas fertig bauen, einen Kompromis schließen... usw.) oder ihm zugestehen, seine Wut zu äußern.


    Aber das ist ja etwas völlig anderes als das Kind künstlich zu frustrieren.


    Ein Nein in ein Ja zu verwandeln, nur damit das Kind nicht gefrustet ist und Ruhe gibt, fände ich auch nicht sinnvoll.
    Ein Nein in ein Ja zu verwandeln, weil ich gemerkt habe, WIE wichtig es dem Kind ist oder weil ich merke, daß das Nein eigentlich recht unsinnig ist, dagegen völlig OK.


    Ich glaube auch kaum, daß die Menschen, die sich heute mit Depressionen plagen alle als Kind zu wenig Frust aushalten "durften"... ?


    Viele Grüße, Trin

  • Ich denke, es reicht völlig, das Kind dabei zu unterstützen, mit den normalen Frustrationen des Alltags gealssen und entspannt umzugehen. Der bietet genug Übungsmaterial ;)


    Eine hohe Frustrationstoleranz ist ein erstrebenswertes Ziel und ja, sie schützt vor psychischen Problemen, weil sie ein Teilbereich der Resilienz ist, aber sie entsteht nicht, wenn man künstlich Frustrationen in den Allltag einbaut, sondern indem man dem Kind vorlebt, wie man konstruktiv damit umgeht. Und dann braucht das Kind noch eine sichere Bindung, Selbst-/Urvertrauen und eine positive Grundstimmung. Das ist aber ein recht komplexes Geschehen. Tu dies, dann passiert das - solche monokausalen Zusammenhänge gibt es im Hinblick auf den Erwerb positiver Eigenschaften nicht wirklich.

    Wir müssen uns der Natur anpassen, und nicht die Natur uns. © S. Wache

  • Zitat

    Original von katilein
    Jaein. Ich denke in gewisser Form ist Frustration und eine Frustrationstoleranz entwickeln wichtig. Aber dafür muss man das Kind nicht absichtlich frustrieren, das passiert zwangsweise.


    So sehe ich das auch. Ist ähnlich dem Gedanken, man müsse den Kindern Grenzen setzen, damit sie lernen, Grenzen zu akzeptieren. Aber dafür sind keine konstruierten Grenzen nötig, sondern es reichen die, die das Leben allein bereit hält.


    Ansonsten sehe ich es wie Trin und Isis. Nicht jedes Nein frustriert ein Kind. Aber manches Nein sollte durchaus mal überdacht werden, wenn es nicht wirklich begründet ist.


    Gruß

    Kokosnuss, Ehe-Nuss
    2 Nüsse, 1 Nüssin (02/02), drei Lady-Nüsse (`82, `84, `85)
    Enkelnuss (09/10) und Hundenuss (06/10)
    ---------------------------------------------------------
    Durchaus zufrieden mit leichter Verblödung

  • Hab den Titel gelesen und so verstanden: Ich soll mein Kind frustrieren, damit ich keine Depressionen bekomme. Habe mich schon gefreut auf lustige Anleitungen und mich gleichzeitig etwas gewundert, dies im Rabenforum zu finden... (Busen rausholen und es sich dann anders überlegen; das Gutenachtbuch leider auf Englisch vorlesen,... - zwar schade fürs Kind, aber enorm stimmungsaufhellend für die Mutter) :)

    Entspanne dich. Lass das Steuer los.Trudle durch die Welt. Sie ist so schön.


    Kurt Tucholsky

  • Ich denke, dass Deine Freundin meinte, Du solltest nicht nachgeben - aus Angst vor einem Trotzanfall.


    Natürlich kannst Du nachgeben, wenn Du merkst, dass Dein Nein eigentlich wirklich doof ist. Manchmal muss man auch mal zurückrudern. Aber z. B. das ständige Nachgeben z. B. bei der Frage nach Süßkram, weil es sonst Geschrei gibt oder so - das sehe ich wie Deine Freundin. Ein bißchen Frust muss wohl sein.


    Künstlich erzeugen würde ich den auch nicht - so nach dem Motto: Jetzt sag ich mal "Nein", denn sie muss ja lernen, dass sie nicht immer alles haben kann.
    Aber auch nicht alle frustrierenden Situationen umschiffen. Denn in der Tat ist es gesund, eine hohe Frustrationstoleranz zu haben.


    Lieben Gruß,
    Hummel

    Es gibt Tage, an denen Du denkst, dass Du untergehst. Wie stark Du wirklich bist, erkennst Du erst, wenn Du sie überstanden hast...

  • Hallo,


    Zitat

    Denn in der Tat ist es gesund, eine hohe Frustrationstoleranz zu haben.


    Das stimmt. Nur wie erreicht man das?


    Es ist wohl so, daß die Frustrationstoleranz SINKT, wenn es sehr viel Anlass zu Frust gibt und nicht steigt.


    Das kennt doch jeder selber - in Zeiten, in denen ein Ärger nach dem anderen kommt, werden wir doch nicht etwa immer ruhiger und gelassener und halten mehr aus, ohne uns zu äregern, sondern geraten in der Regel gerade im Gegenteil immer schneller aus dem Takt, reagieren immer schenller wütend, agressiv oder auch verzweigfelt oder depressiv, bis wir vielleicht sogar innerlich zusammenklappen.


    Auch meiner Beobachtung nach sind es die Kinder, die viele positive Erfahrungen machen, die seelisch am stabilsten sind und auch Problemsituationen gut aushalten können, wärend die die sich eh schon durchs Leben kämpfen müssen, viel schneller an ihre Grenze kommen. Die reagieren dann viel schneller wütend-agressiv oder mit Rückzug und Verzweiflung, beides nicht gut.


    Schon allein deshalt denke ich, es ist sinnvoll, dem Kind zu zeigen, wie man die ganz normalen Frustsituationen im Leben meistert - und davon gibt es ja genug - aber ohne daß man künstliche hinzufügen muß.


    Viele Grüße, Trin

  • Kinder frustrieren, damit sie Frust besser aushalten? Was ist denn das für eine Logik?
    Ich trenne mich ja auch nicht ständig von meinem neuen Freund, um mich gegen Liebeskummer abzuhärten. Oder setze mir lauter unerreichbare Ziele, um mein Durchhaltevermögen zu stärken.


    Ich finde, man muss seinem Kind möglichst behutsam durch die unvermeidbaren Frustrationen hindurch helfen und ihm künstlichen Kummer ersparen. Dann wird es genügend innere Kraft entwickeln, um mit schwierigen Situationen umzugehen.

    "Guck mal, hier ist ein bisschen Grün für Deine Kaninchen."
    "Mama, die essen nur Blau!"

  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie meinte (und wenn, dann sollte sie wohl bei der nächsten Vorlesung nochmal nachfragen), dass man aus Prinzip ein Kind frustrieren soll.


    Ich vermute, dass sie meinte, dass man dem kindlichen Frust nicht ständig ängstlich ausweichen soll, weil man ihn selbst nicht erträgt oder glaubt, es schadet dem Kind, wenn es wegen einer unausweichlichen Entscheidung der Eltern mal richtig frustriert, wütend und traurig ist.


    Bei mir ist ein Nein auch ein Nein, aber hauptsächlich deshalb, weil ich mir das Nein (meistens zumindest) vorher überlegt habe und es ganz gute Gründe für das Nein gibt. Zudem möchte ein Kleinkind ja auch gelegentlich mal nachprüfen, wie sehr ein Nein ein Nein ist und wie man es verteidigt, das will mein Kind ja auch von mir lernen. Ich will nicht, dass meine Käfertochter in 15 Jahren auf der Bettkante irgendeines dahergelaufenen Pubertisten sitzt und nicht weiß, wie ein deutliches Nein geht. Da ist mir der gelegentliche Frust der kleinen Amokläuferin jetzt lieber.

    Das B in Pegida steht für Bildung.

  • Zitat

    Original von -Sabine-
    Tu dies, dann passiert das - solche monokausalen Zusammenhänge gibt es im Hinblick auf den Erwerb positiver Eigenschaften nicht wirklich.


    *unterschreib* und ich würde sogar so weit gehen zu sagen: die gibt es GAR nicht (oder fällt dir ein Beispiel einer Störung ein, wo man ganz klar überhaupt von einem kausalen Zusammenhang weiß?!)


    Ich wollte auch nachhaken, ob sie das wirklich SO gesagt hat - denn WENN man im Psychologiestudium etwas lernt, dann, dass man so, wie Sabine beschreibt, sowieso nicht formuliert.


    Wenn es so einfach wäre, würden der Ätiologie affektiver Störungen nicht gleich drei Doppelstunden im Seminar gewidmet ;)

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  • Danke für den Input!


    Sie hat es schon so gesagt. Ich will jetzt nicht völlig ausschließen, dass sie es schlecht ausgedrückt hat. Es war auch etwas konfus, weil sich das klare Nein und das Kinder frustrieren zur Depressionsprävention doch etwas in ihrer Aussage vermischt haben.
    Massiv nachhaken wollte ich nicht, weil ich mit ihr am liebsten gar nicht über Erziehung rede und mir angewöhnt habe einfach zuzuhören, zu nicken und später zu entscheiden was ich davon halte.
    Was sie auch wortwörtlich meinte war, dass ein Kind das immer alles bekommt später mal Depressionen bekommt (oder war es wahrscheinlich bekommen wird?), weil nicht mehr alles nach seinem Kopf geht.

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  • Zitat

    Original von Solanacea
    Danke für den Input!


    Sie hat es schon so gesagt. Ich will jetzt nicht völlig ausschließen, dass sie es schlecht ausgedrückt hat. Es war auch etwas konfus, weil sich das klare Nein und das Kinder frustrieren zur Depressionsprävention doch etwas in ihrer Aussage vermischt haben.
    Massiv nachhaken wollte ich nicht, weil ich mit ihr am liebsten gar nicht über Erziehung rede und mir angewöhnt habe einfach zuzuhören, zu nicken und später zu entscheiden was ich davon halte.
    Was sie auch wortwörtlich meinte war, dass ein Kind das immer alles bekommt später mal Depressionen bekommt (oder war es wahrscheinlich bekommen wird?), weil nicht mehr alles nach seinem Kopf geht.


    Ist die Frau erwachsen? Ernst gemeinte Frage - ich habe auch schon Kommilitoninnen erlebt, die wissen wollten, ob man das implizite Leistungsmotiv damit unterminiert, dass man sein Kind fürs Türmchenbauen lohnt. Ich habe oft den Eindruck, dass man fürs Psychologiestudium auch einfach zu jung sein kann. Ich denke mir mindestens einmal pro Woche, dass ich hoffe, mein Sohn wird nie einen Seelenklempner brauchen, wenn ich mir das Anschaue, was da gerade an den Unis sozusagen als Nachschub nachkommt *lästerläster*.


    Naja, jedenfalls: Mach dir keine Sorgen. Und empfiehl die Uni bzw. das dortige Psychologische Institut vorsichtshalber mal nicht weiter ;).

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